Im Fokus: Festspiele und Festivals
Summerjam, das Klangvokal Musikfestival Dortmund, das Mozartfest Würzburg und das Schumann-Fest in Zwickau sind gerade zu Ende gegangen. Die Carl Orff-Festspiele in Andechs haben „Halbzeit“ und in Kürze beginnen die Bayreuther Festspiele, der Oberstdorfer Musiksommer, die Sommerlichen Musiktage Hitzacker und Tamburi Mundi. Das Thema Festivals ist wieder einmal in aller Munde. Und dennoch: Dies sind nur wenige Namen
Seine Tradition reicht bis ins 19. Jahrhundert: das Beethovenfest Bonn
aus der deutschen Festivallandschaft, die sich gerade im Sommer in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert. Die Bandbreite reicht dabei vom breit angelegten "Klassikfestival" über Spezialfestivals für Alte und Zeitgenössische Musik bis hin zu Szenefestivals für die zahlreichen Strömungen der populären Musik.
Überblick
Die Festivalkultur in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt. Nach der großen politischen Wende zu Beginn der Neunzigerjahre erlebte die Bundesrepublik eine Gründungswelle von Festivals, die inzwischen zu einer Festivallandschaft von zuvor nicht gekannter Dichte geführt hat. Verzeichnete das MIZ in seiner ersten gesamtdeutschen Erhebung 1993/94 noch 136 überregional bedeutende Festspiele und Festivals, so waren es 1999/2000 schon 203, vier Jahre später über 270 Festivals und 2007/08 bereits mehr als 360. Aktuell erfasst das Zentrum – in einer etwas weiteren Abgrenzung – insgesamt rund 500 Musikfestivals. Und mit dem gerade erfolgten Rückzug der Berliner Philharmoniker aus den traditionsreichen Salzburger Osterfestspielen, die in Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Baden-Baden ein neues Festspiel aus der Taufe heben werden, kommt schon bald ein weiteres hinzu.
Die Wurzeln der heutigen Festivalkultur liegen im Deutschland des 19. Jahrhunderts, das den idealen Boden für die Entstehung von Festspielen bereitete.
Ehemalige Gebläsehalle in Duisburg: Die Ruhrtriennale bespielt zahlreiche Industriedenkmäler des Ruhrgebiets.
„Festspiele ist nicht nur ein deutsches Wort, Festspiele sind eine deutsche Erfindung“, präzisiert Franz Willnauer, ehemaliger Intendant des Beethovenfests Bonn und davor in vergleichbaren Positionen bei den Salzburger Festspielen und beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Schon 1845 hatte Franz Liszt anlässlich der Enthüllung des Beethoven-Denkmals auf dem Bonner Münsterplatz die Bonner Beethovenfeste ins Leben gerufen. Und als älteste Festspiele auf dem Gebiet der symphonischen Musik müssen die Niederrheinischen Musikfeste genannt werden, die ab 1817 alljährlich zu Pfingsten in mehreren rheinischen Städten abgehalten wurden. „Der Inbegriff der Festspielidee sind jedoch die Bayreuther Festspiele, die Richard Wagner 1876 „erfunden“ hat, um seine Musikdramen in künstlerisch exemplarischer Form zur Aufführung zu bringen, nachdem er sich mit dem Bayreuther Festspielhaus das geeignete Instrument dafür geschaffen hatte“, so Willnauer weiter.
Heute präsentieren sich die Festivals mit den unterschiedlichsten inhaltlichen Schwerpunkten, z. B. nach musikhistorischen Perioden oder Epochen (Alte und Neue Musik, Klassik usw.),

Festivalgründungen in Deutschland ab 1985
nach Gattungen (symphonische Musik, Kammermusik, Oper, Musiktheater, Ballett, Operette/ Musical, Jazz usw.) oder nach Themen (ästhetische Konzepte, politische Themen, Länderschwerpunkte, einzelne Komponisten usw.). Mit ihren spezifischen Konzepten, zum Teil außergewöhnlichen Aufführungen und herausragenden Interpreten entfalten sie eine besondere Attraktivität und prägen das musikalische Aufführungs- und Veranstaltungswesen in hohem Maß. Ihr Event-Charakter, ihre zeitlich-räumliche Herausgehobenheit, die Vermarktungsstrategien großer Künstler oder Kunstleistungen, nicht zuletzt aber auch ihr medialer Stellenwert machen sie dabei zu einer ausgeprägten Kunstbetriebsform der Gegenwart und Zukunft.
Festivalkalender
Die schier unüberschaubare Zahl der Festivals in Deutschland hat das MIZ dazu veranlasst, einen Festivalkalender aufzubauen, der wesentliche Merkmale der im MIZ gesammelten Daten nach verschiedenen Kriterien recherchierbar macht. Mit 15 Genrekategorien stehen umfangreiche Suchfunktionen zur Verfügung, die eine Eingrenzung von der geistlichen Musik und Kammermusik über Musiktheater bis hin zu Techno und Punk ermöglicht. Aber auch zeitliche oder geografische Komponenten können in die Suche miteinbezogen werden. So bietet der Festivalkalender des MIZ eine ideale Ausgangsbasis, um sich einen Überblick über Veranstaltungen in bestimmten Regionen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verschaffen. Daneben führt der MIZ-Festivalkalender auch die aktuellen Mottos der Festivals auf, informiert über Leitungsstrukturen und Programmkonzepte und vermittelt durch Bildergalerien aber auch erste atmosphärische Eindrücke.
Weiter zum Festivalkalender
Weiter zum Einführungsbeitrag "Festspiele und Festivals"
Stand: 8. Juli 2011