Willkommen in Deutschland: Musik macht Heimat - Engagement für Dialog

© AFP/Getty Images, Foto: Rami Al-Sayed Der syrische Pianist Aiham Ahmed schob sein Klavier auf die zerstörten Straßen von Damaskus und spielte gegen den Krieg. Nun ist auch er nach Deutschland geflohen und steht stellvertretend für eine ganze Reihe von Musikerinnen und Musikern, die in Deutschland Fuß fassen wollen. Mehr Flüchtlinge als je zuvor suchen derzeit Schutz vor Krieg und Verfolgung in Europa, auch und vor allem in Deutschland. Das Engagement und das Bemühen, Flüchtlinge dabei zu unterstützen, sich in Deutschland einzuleben und ihnen die Integration zu erleichtern, sind einzigartig. Und auch der Musikbereich bringt sich in vielfältiger Weise und mit nachhaltigen Hilfsangeboten, die die spezifischen Möglichkeiten der Musik für die Begegnung mit den Flüchtlingen nutzen, ein. Die so entstandenen Projekte und Initiativen sind breit gefächert: Sie reichen von Instrumentenspenden und kostenlosem Musikunterricht über gemeinsame Musizierprojekte und Konzerte für Flüchtlinge bis zu Benefizkonzerten und musiktherapeutischen Angeboten.

In diesem Fokus stellt das MIZ seit Oktober 2015 Musikprojekte und -initiativen vor, die ihre Solidarität mit den Flüchtlingen zum Ausdruck bringen. Damit sollen das Engagement und die Hilfsbereitschaft von Vereinen und Verbänden, Privatpersonen, öffentlichen Institutionen und vielen anderen Akteuren des Musiklebens sichtbar gemacht und Anregungen für die Initiierung und Gestaltung eigener Initiativen gegeben werden. Als Ideensammlung, die zu Engagement und Kreativität ermutigen soll, vermittelt das Angebot auch Kontakte zu bereits in der Flüchtlingshilfe Aktiven und ermöglicht so Erfahrungsaustausch, gegenseitige Hilfestellung, Vernetzung und Kooperation.

Musik verbindet

Elementare Hilfen wie ein Dach über dem Kopf, Nahrung, Kleidung oder das Erlernen der deutschen Sprache stehen an erster Stelle, wenn es darum geht, den Neuangekommenen ein menschenwürdiges Leben zurückzugeben. Gleichzeitig jedoch ist die persönliche Begegnung für die Menschen von ebenso großer Bedeutung. Viele Musikerinnen und Musiker, Vereine, Verbände und Initiativen haben daher Projekte entwickelt, die Flüchtlinge bei ihrem Neuanfang in einem fremden Land unterstützen und willkommen heißen.

Engagement für Flüchtlinge - Interaktive Karte

Kartenvorschau Unsere interaktive Karte stellt Projekte und Initiativen vor, die von den Projektträgern selbst im Rahmen einer Umfrageaktion des Deutschen Musikrats übermittelt wurden.
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© RuhrkanalNEWS, Foto: Werner Koltes Musik als Weltsprache: Beim gemeinsamen Musizieren in Flüchtlingsunterkünften wie hier in Hattingen kommen sich Bewohner und Helfer näher.

Organisiert werden dabei nicht nur große, sondern auch kleinere oftmals lokale und nachbarschaftliche, bis in den privaten Bereich hineinragende Aktivitäten. Der Deutsche Musikrat hat in einer Umfrageaktion bei seinen Mitgliedsorganisationen und weiteren Institutionen des Musiklebens eine Vielzahl an Angeboten zusammengetragen: So gehen in Heidelberg beispielsweise im Rahmen des Projekts „Spielraum Musik“ Musikerinnen und Musiker in Flüchtlingsunterkünfte. Mit unterschiedlichen Instrumenten, aber auch durch die Stimme animieren sie vor allem Kinder und Jugendliche dazu zu musizieren. In Rheinsberg veranstaltet ein Hörclub musikalische Bewegungsspiele mit Flüchtlingskindern, um visuelle Eindrücke über Töne zu erklären und so das Erlernen der deutschen Sprache zu erleichtern. Ein Liederkreis in Freudenstadt initiiert ein internationales Liedprojekt für über 70 Flüchtlinge und Chormitglieder. Die Chorverbände Hamburg und Niedersachsen-Bremen laden Flüchtlinge zu Konzerten ein: Mit Gratis-Tickets für Flüchtlinge wollen die Veranstalter ein Zeichen für mehr Menschlichkeit setzen. Der Berliner Oratorienchor organisiert Patenschaften seiner Konzertbesucher mit Flüchtlingen. Es geht ihm dabei um ein Miteinander, um Begegnung und klare Zeichen einer offenen und menschlichen Gesellschaft, die Einwanderung auch als Bereicherung versteht. Überhaupt diskutieren viele Laienmusikverbände schon seit langem, wie man Migranten besser in das Vereinsleben integrieren kann. Das Hamburger Konservatorium gibt Musikunterricht in einer Erstaufnahmeeinrichtung mit 3.000 Bewohnern. Daraus hat sich auch ein gemeinsames Musizieren der Flüchtlingskinder mit den Kindern des Kinderorchesters des Konservatoriums entwickelt. Für beide Gruppen sind die Erfahrung der jeweiligen Lebensumstände und gleichzeitig die Freude am gemeinsamen Musizieren herausragend.

© Syrian Expat Philharmonic Orchestra, Foto: Rolf Schoellkopf Professionelle Exil-Musiker aus Syrien haben das Syrian Expat Philharmonic Orchestra gegründet. Auch der professionelle Musikbereich hat beeindruckende Hilfsangebote auf die Beine gestellt. So gründete in Bremen der in Aleppo geborene Kontrabassist Raed Jazbeh das Syrian Expat Philharmonic Orchestra, dem in Zukunft 50 syrische Musiker angehören sollen. Ein erstes Konzert hat unter großem Medieninteresse bereits stattgefunden. Theater und Orchester in ganz Deutschland laden Flüchtlinge zu Willkommenskonzerten und anderen Veranstaltungen ein. Das Münchner Rundfunkorchester spielte beispielsweise ein Familienkonzert für Flüchtlingskinder, bei dem Dolmetscher für mehrere Sprachen anwesend waren. Die Erzgebirgische Philharmonie Aue hat in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber gespielt. Die Berliner Philharmoniker helfen syrischen Flüchtlingskindern und sammeln mit einer SMS-Aktion Spenden. Und im Europäischen Zentrum der Künste Dresden-Hellerau können Flüchtlinge bzw. Asylbewerber Veranstaltungen im Festspielhaus kostenlos besuchen. Darüber hinaus hat das Zentrum syrischen Flüchtlingen Unterkünfte bereitgestellt.

© k&k kultkom Beim UNESCO-Modellprojekt für kulturelle Vielfalt "QuerKlang" entwickeln Kinder und Jugendliche aller Altersstufen und mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft gemeinsam eine Komposition.

Solisten wie die Violinistin Arabella Steinbacher oder der Organist Cameron Carpenter geben Konzerte für Flüchtlinge. Der Liedermacher Heinz Ratz von der Band "Strom&Wasser" hat sogar talentierte Flüchtlinge eingeladen, ihn und seine Band musikalisch zu begleiten. Bis jetzt haben sie zusammen schon 99 Konzerte in deutschen Städten gegeben und ein Album aufgenommen. Im August kam der Film "Can’t be silent" über das Projekt in deutsche Programmkinos. Der Rocksänger und Liedermacher Heinz Rudolf Kunze sammelt in seiner Aktion "Musik hilft" Instrumente für Flüchtlinge, die Musiker der Kölner Initiative "Arsch huh" wollen mit einem Kleinbus zu Flüchtlingsunterkünften fahren und gemeinsam mit Migranten Musik machen. Die Fantastischen Vier haben Flüchtlinge zu einem Konzert eingeladen, und die Rocklegende Udo Lindenberg singt einen neuen Song "Wir werden jetzt Freunde".

Gelebte Willkommenskultur

Die Vielfalt der Aktivitäten ist beeindruckend und zeigt, dass trotz aller Probleme, die die aktuelle Flüchtlingssituation in sich birgt, ein breiter Konsens besteht, sich der gesellschaftlichen und historischen Verantwortung zu stellen und alles daran zu setzen, um Menschen in existenzieller Not ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Das Engagement für Flüchtlinge ist Aushängeschild einer gelebten Willkommenskultur, ein Zeichen für Respekt, Toleranz und Menschlichkeit, gleichzeitig aber auch ein Zeichen gegen jede Form von Rassismus und Ausgrenzung.

Eine ausführliche Zusammenstellung der erwähnten Projekte und Initiativen finden Sie aufgeschlüsselt nach verschiedenen Kategorien in der rechten Spalte.



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Stand: 19. Oktober 2015

 

 

 

Mehr zum Thema

 

AKTUELLER HINWEIS:

Im Rahmen eines Sonderprojekts plant das MIZ
im Jahr 2017 - ausgehend von diesem Angebot - den Aufbau eines neuen Informationsportals zum Thema "Musik und Integration" (Arbeitstitel). Das Projekt, das durch finanzielle Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ermöglicht wird, soll insbesondere den Erfahrungsaustausch zwischen Akteuren und Veranstaltern musikbezogener Integrationsprojekte intensivieren und damit die Vielfalt und Qualität der angebotenen Maßnahmen nachhaltig stärken.

 

 

Projekte und Initiativen:

In den folgenden Rubriken werden musikalische Projekte und Initiativen vorgestellt, in denen sich unterschiedlichste Personen und Institutionen - z.T. auch Menschen, die selbst aus ihrer Heimat geflohen sind - für in Deutschland ankommende Flüchtlinge engagieren.


Gemeinsames Singen und Musizieren, Begegnungsveranstaltungen

Konzerte, Musiktheater

Musikunterricht, andere musikpädagogische Angebote, Instrumentenspenden, Musiktherapie

Weitere Projekte

 

 

Meldung weiterer Projekte:

Haben Sie Kenntnis von weiteren Hilfsprojekten im Musikbereich oder möchten Sie sich an der Umfrage des Deutschen Musikrats "Willkommen in Deutschland - Musik macht Heimat" beteiligen? Füllen Sie einfach das entsprechende Formular aus und senden Sie es zurück an info@miz.org:
Projektmeldung (PDF)
Umfrage (PDF)

 

 

Beratungs- und Informationsstellen, Hilfsorganisationen (Auswahl):

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Landesflüchtlingsräte

Pro Asyl

Broschüre "Herzlich Willkommen. Wie man sich für Flüchtlinge engagieren kann" (PDF)

Deutsches Rotes Kreuz

Broschüre "Gemeinsam mit Flüchtlingen" (PDF)

Caritas

Diakonie

Dossier "Wie ich mich für Flüchtlinge engagieren kann"

Aktion Deutschland Hilft

Deutscher Bundesjugendring

Arbeitshilfe "Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten" (PDF)

Wie kann ich helfen

 

 

Presse:

Pressemitteilung: Willkommen in Deutschland: Musik macht Heimat - Engagement für Dialog

Resolution: Willkommen in Deutschland: Musik macht Heimat! Von der Willkommens- zur Integrationskultur

Interview zum Thema mit dem DeutschlandRadio
(DRadio Kultur – Fazit, 25. Oktober 2015)

Interview zum Thema mit dem Saarländischen Rundfunk
(SR 2 – MusikWelt, 9. November 2015)

 

 

MyMIZ

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