Im Fokus: Musikberichterstattung in Print- und Online-Medien

Zeitungen, © svort (fotolia.com) In Deutschland informieren zahlreiche Print- und Onlinemedien über Musik, allen voran die Feuilletons der Tages- und Wochenzeitungen. Informationen über Musik gehören zu den beliebtesten Medienthemen überhaupt. Neben dem Rundfunk spielt unverändert der Printjournalismus eine tragende Rolle bei der Berichterstattung über musikalische Themen. Diese findet ihren traditionellen Ort in den Feuilletons und Kulturteilen der Tages- und Wochenzeitungen, die trotz aktueller Krise des Zeitungswesens in Deutschland noch immer über eine große Vielfalt verfügen: Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) verzeichnet derzeit rund 170 Tages-, Wochen- und Wochenendzeitungen mit Kulturredaktionen und kulturverwandten Ressorts. Etwa 100 fest angestellte Redakteurinnen und Redakteure, die Musik als Schwerpunkt ihrer Berichterstattung nennen, sind hier beschäftigt. Bis in die kleinsten Auflagenklassen hinein unterbreiten die Vollredaktionen deutscher Zeitungen regelmäßig ein Kulturangebot.

Musik steht dabei ausgesprochen hoch im Kurs. Anders als noch vor einigen Jahrzehnten nehmen musikbezogene Inhalte mit einem Anteil von rund einem Viertel an allen Themen den Spitzenplatz ein. Dies hat neben der erhöhten Aufmerksamkeit für Musik insgesamt auch mit der journalistischen Aufwertung der Popularmusik zu tun, die mittlerweile gleichberechtigt neben der klassischen Musik das Angebot musikalischer Berichterstattung im Kulturangebot der Zeitungen bestimmt. Doch zugleich sinkt die Zahl fest angestellter Musikredakteurinnen und Redakteure bei den Tages- und Wochenzeitungen stetig, während die der freien Musikjournalisten, die teilweise unter harten Bedingungen arbeiten, steigt.

Zeitschriften und Online-Medien

Magazine, © crookoo (pixabay.com) Ein vielfältiges Angebot an Fachzeitschriften ergänzt das Spektrum der Musikberichterstattung. Ein weiteres Zentrum der Musikberichterstattung bilden neben den Zeitungen traditionell die Fachzeitschriften, die sich an einen engeren Leserkreis wenden als die tagesaktuellen Publikationen. Etwa 170 Titel verzeichnet das MIZ derzeit für Deutschland. Anders als die aus einer großen Vielzahl sehr unterschiedlicher Themen zusammengesetzten Kulturteilen der Tages- und Wochenzeitungen wenden sich Musikzeitschriften hauptsächlich an ein ausdifferenziertes Spezialpublikum, das Interesse für und Vorwissen über einen speziellen Aspekt der Musik mitbringt. Das Themenspektrum reicht dabei von bestimmten Musikinstrumenten oder Genres wie Rock, Pop, Klassik, Jazz oder Schlager über fachspezifische Titel, etwa zur Musiktherapie oder Musikwissenschaft, bis hin zu Branchenblättern und Zeitschriften mit eher musiktechnischem Schwerpunkt.

Sowohl der tagesaktuellen Presse als auch den Zeitschriften ist im Musikbereich mit der zunehmenden Digitalisierung eine starke Konkurrenz aus dem Internet erwachsen. Reine Online-Magazine finden sich in Deutschland zwar immer noch selten, doch beeinflussen zahlreiche Betreiber von Musikblogs die Berichterstattung immer mehr. Zumeist aus einem nicht-professionellen journalistischen Umfeld stammend, können Blogger ein kostenfreies und leicht zugängliches Angebot bereitstellen, ohne – wie etwa Zeitungs- und Zeitschriftenverlage – wirtschaftliche Notwendigkeiten berücksichtigen zu müssen. Musikblogs geben jedermann die Möglichkeit, sich am Musikdiskurs zu beteiligen. Dabei können sie mit „Nischenthemen“ einen Beitrag zur Förderung von Newcomern leisten und gleichzeitig professionell arbeitende Redaktionen thematisch inspirieren. In der Regel unterliegen Themenblogs allerdings keiner Qualitätskontrolle durch andere Instanzen.



Vielfalt der Darstellungsformen

Feuilleton, © Zerbor (fotolia.com) Der Formbestand des Musikjournalismus hat sich kontinuierlich erweitert. Dennoch nehmen Rezensionen über musikalische Ereignisse nach wie vor den Spitzenplatz ein. Ganz gleich, ob es sich um Musikberichterstattung in Print- oder Onlinemedien handelt – die Vielfalt journalistischer Darstellungsformen bietet dem Verfasser musikbezogener Beiträge eine Reihe von Möglichkeiten, Sachverhalte zu interpretieren und den Lesern zu vermitteln: faktisch und objektivierend etwa in der Meldung oder im Ereignisbericht, plastisch-erzählend und vor dem Hintergrund größerer Zusammenhänge etwa in der Reportage oder im Feature, persönlich-charakterisierend im Interview, im Porträt oder im Nachruf, argumentativ oder sogar polemisch z.B. im Kommentar oder im Essay. Von zentraler Bedeutung für die Musikberichterstattung ist von jeher die Rezension oder Kritik, die sich vor allem mit der künstlerischen Beurteilung von Konzerten, Musiktheater-Premieren und anderen Live-Aufführungen aber auch von Tonträgern oder Musikbüchern auseinandersetzt. Anteile musikalischer Subgenres an der Musikberichterstattung im Zeitungsfeuilleton, © Deutsches Musikinformationszentrum E- und U-Musik gleich auf: Mittlerweile hat die Berichterstattung über populare Musikformen deutlich zugenommen. Von der Leserschaft werden Wertungen professioneller Musikkritiker in diesem Zusammenhang als wichtige Orientierungshilfe bei der eigenen Beurteilung musikbezogener Sachverhalte wahrgenommen. Aus Sicht des Publikums dient der Musikjournalismus in erster Linie jedoch der Information und Wissenserweiterung und somit der Schaffung einer Ausgangsbasis, um selbst aktiv am kulturellen Diskurs teilzunehmen. Dies steht im Einklang mit der Auffassung, die Musikjournalisten mehrheitlich über den Zweck ihrer Tätigkeit vertreten. Wie eine Studie aus dem Jahr 2014 ergab, sehen sie sich wie alle Journalisten vor allem als Informanten ihrer Leserschaft und nicht als Belehrende oder Erzieher. Hierbei nehmen sie jedoch eine subjektiv-kritische sowie autonome Haltung für sich in Anspruch, die sich nicht zuletzt in der Themenauswahl wiederspiegelt, bei der sich Journalisten (vor allem im U- und Online-Musikjournalismus) deutlich mehr von persönlichen Interessen als von Publikumserwartungen leiten lassen.



Berufssituation von Musikjournalistinnen und -journalisten

Schreibwerkstatt Festival Alte Musik Knechtsteden 2015, © Michael Rathmann Professioneller Musikjournalismus von morgen: Heute existieren in Deutschland vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten für angehende Musikjournalisten. Auch für die Zukunft ist davon auszugehen, dass professionelle Musikkommunikatoren der Maßstab medialer Musikberichterstattung bleiben werden. Allerdings hat in den vergangenen Jahren die Zahl der festen Stellen für Musikjournalisten bei den Tages- und Wochenzeitungen deutlich abgenommen. Es steht zu vermuten, dass die Kulturredakteure durch die hieraus resultierende Verlagerung von Aufgaben – und auch vor dem Hintergrund, dass immer weniger freie Mitarbeiter den Redaktionen zuarbeiten – heute größeren beruflichen Belastungen ausgesetzt sind als noch vor einigen Jahren. Vor Herausforderungen stehen auch die Redakteure von Musikzeitschriften, die vor dem Hintergrund eines schon seit Längerem zu beobachtenden Auflagenschwunds die Abhängigkeit von Anzeigenkunden immer deutlicher zu spüren bekommen. Auch in diesem Bereich wurden in der Vergangenheit zahlreiche Stellen abgebaut.

Dennoch zeigt sich bei den Musikjournalistinnen und Musikjournalisten eine hohe intrinsische, also von Interesse und Spaß an der Sache geprägte Berufsmotivation, die nicht zuletzt aus ihrer Ausbildung rührt: Die meisten Musikjournalisten, etwa 80 Prozent, haben studiert, davon jeder dritte Musikwissenschaft. Darüber hinaus sind oder waren mehr als zwei Drittel selbst musikalisch aktiv und hatten Vokal- oder Instrumentalunterricht. Dies führt zu einer erkennbaren Zufriedenheit im Beruf, die allerdings deutlich geringer ausgeprägt ist, wenn es um Bezahlung, persönliche Freiheiten, Aufstiegschancen oder die Möglichkeit geht, Einfluss zu nehmen.


Der vorangegangene Text ist eine Zusammenfassung des Fachbeitrags „Musikberichterstattung in Print- und Onlinemedien“ von Gunter Reus, der im Auftrag des Deutschen Musikinformationszentrums entstanden ist.



Interviews

Die Arbeitswelt von Musikjournalisten hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, bedingt durch ökonomische Zwänge, technische Entwicklungen und eine Vielzahl von Kommunikationsmöglichkeiten. Fachliche Expertise ist jedoch nach wie vor unverzichtbar für den langfristigen Erhalt einer seriösen Berichterstattung über Musik.

Mit der Publikation „Die Notengeber“ gehen Professoren und Studierende der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover diesen Aspekten in 18 Interviews mit etablierten Musikjournalisten nach. Unter ihnen auch Volker Hagedorn und Claus Spahn, deren Antworten hier mit freundlicher Genehmigung des Springer VS Verlags auszugsweise präsentiert werden.


Weiter zu den Interviewauszügen Hagedorn und Spahn



Weiterführende Literatur

Basisliteratur und vertiefende Literatur zu bestimmten Aspekten des Musikjournalismus (Auswahl):

Die Notengeber. Gespräche mit Journalisten über die Zukunft der Musikkritik, hrsg. von Gunter Reus und Ruth Müller-Lindenberg. Wiesbaden: Springer VS, 2017.

Ressort: Feuilleton. Kulturjournalismus für Massenmedien, Gunter Reus. Konstanz: UVK Medien (2. Aufl.), 1999.

Musikkommunikatoren. Berufsrollen, Organisationsstrukturen und Handlungsspielräume im Popmusikjournalismus, André Doehring. Bielefeld: Transcript, 2011 (= Texte zur populären Musik, Bd. 7).

Freie Journalisten in Deutschland. Ein Report, Michael Meyen und Nina Springer, in Kooperation mit dem Deutschen Fachjournalisten-Verband. Konstanz: UVK, 2009.

Noch nicht mit der Kunst am Ende. Das Feuilleton setzt wieder deutlicher auf angestammte Themen und zieht sich aus dem politischen Diskurs zurück, Gunter Reus, Lars Harden, in: Publizistik, 60, 2015, S. 206-220.

Politische "Kultur". Eine Längsschnittanalyse des Zeitungsfeuilletons von 1983 bis 2003, Gunter Reus, Lars Harden, in: Publizistik, 50, 2005, S. 153-172.

Blogger 2014. Das Selbstverständnis von Themenbloggern und ihr Verhältnis zum Journalismus. Eine Studie im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV), Michael Schenk, Julia Niemann und Anja Briehl. Stuttgart: Universität Hohenheim, 2014. [auch online verfügbar]



 

Nach oben

Stand: 12. Juli 2017

 

 

 

Mehr zum Thema

 

Fachbeitrag:

Gunter Reus: Musikberichterstattung in Print- und Onlinemedien

 

 

Presse- und Publikationswesen:

Tages- und Wochenzeitungen mit Kulturressort oder festangestellten Musik-/Kulturredakteurinnen und -redakteuren

Zeitschriften mit musikbezogener Berichterstattung

Online-Angebote mit regelmäßiger redaktioneller Musikberichterstattung und/oder musikbezogenem Nachrichtenangebot (Auswahl)

Musikblogs mit regelmäßig aktualisierter Musikberichterstattung (Auswahl)

 

Statistiken:

Themenspektrum der Berichterstattung im Zeitungsfeuilleton

Anteile musikalischer Subgenres an der Musikberichterstattung im Zeitungsfeuilleton

Sachgebiete von Musikzeitschriften

 

Institutionen:

Ausbildung/Studiengänge in den Bereichen des Kultur- und Musikjournalismus (Auswahl):

Axel Springer Akademie Berlin: Ausbildung im Bereich Musikjournalismus

Deutsches Journalistenkolleg: Fernlehrgang „Journalist/in“ mit den Kurseinheiten Musik-, Kultur- und Medienjournalismus

HfM Karlsruhe: Musikjournalismus für Rundfunk und Multimedia

HMT München: Musikjournalismus im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk

Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation: Journalistik mit Vertiefung Kulturjournalismus

Theaterakademie August Everding in Kooperation mit der Hochschule für Fernsehen und Film München: Ergänzungsstudiengang Theater-, Film- und Fernsehkritik

TU Dortmund: Musikjournalismus

UdK Berlin: Kulturjournalismus

Universität Hildesheim: Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus

 

Fort-/Weiterbildung durch Seminare und Workshops in den Bereichen Kultur- und Musikjournalismus (Auswahl):

Akademie der Bayerischen Presse: Kurs „Musikjournalismus und Musikkritik“

Festival Alte Musik Knechtsteden: Medienwerkstatt "Schüler machen Feuilleton"

Heidelberger Frühling: Festival Akademie für Musikjournalismus

Kölner Institut für Kulturarbeit und Weiterbildung: Kulturjournalismus

 

Publizistikpreise für Kultur- und Musikjournalismus/-kritik (Auswahl):

C. Bernd Sucher Preis

Happy New Ears Preis für Publizistik der Neuen Musik

International Music Journalism Award im Rahmen des Reeperbahn Festivals

Michael Althen Preis für Kritik

Preis für deutschen Jazzjournalismus

Reinhard-Schulz-Preis für zeitgenössische Musikpublizistik

Rocco Clein Preis für Musikjournalismus

 

Journalistische Verbände zur Interessenvertretung, Information und Vernetzung (Auswahl):

Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (Journalistenorganisation im DGB)

Deutscher Fachjournalistenverband mit Informationsseiten über das Fachressort Musik

Deutscher Journalistenverband. Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Deutscher Medienverband e. V. – Berufsverband für Journalisten und Medienschaffende

Freischreiber e. V. – Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten

Journalistinnenbund

 

 

Weiterführende Informationsseiten:

Externe Datenbanken/Verzeichnisse im Bereich des Journalismus (Auswahl):

DJV-Journalistenkontakte: Datenbanken zur Suche nach Journalisten, freien Journalisten und Bildjournalisten. Ermöglicht Indexsuche nach thematischen Schwerpunkten der Berichterstattung, inklusive Musik.

STAMM: Tagesaktuell recherchiertes, umfassendes Verzeichnis von Medien- und Redaktionsadressen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (kostenpflichtig). Adressenauswahl nach Medium, Ressort und Thema möglich.

BDZV Verzeichnis von Zeitungswebsites

 

Tagesaktuelle Kulturpresseschauen werden von folgenden Institutionen angeboten (Auswahl):

Internationale Kulturplattform Online Merker

Kulturmagazin Perlentaucher

Deutschlandfunk Kultur (als Audiostream oder Podcast)

hr2 (als Podcast)

 

 

Presse:

Mehr Musikberichterstattung, weniger fest angestellte Musikredakteure - MIZ präsentiert Hintergründe zu Strukturen und Entwicklungen der Musikberichterstattung in Print- und Onlinemedien

 

MyMIZ

alle Einträge im Detail anzeigen

kein Eintrag vorhanden

cookie: Mappe löschen

» MyMIZ Daten speichern/laden