Im Fokus: Musikmuseen in Deutschland

© Bachhaus Eisenach Gesichtsrekonstruktion Johann Sebastian Bachs im 1907 eröffneten und 100 Jahre später aufwändig neu gestalteten Bachhaus Eisenach, der ältesten Bach-Gedenkstätte In Deutschland existieren über 130 Musikmuseen, die sich der Sammlung, Bewahrung und Vermittlung von Nachlässen bedeutender Musikerpersönlichkeiten, der Erhaltung und Präsentation von Zeugnissen des Musikinstrumentenbaus oder anderen Aspekten des Musiklebens widmen. Träger dieser Museen sind Bund, Länder, Städte und Gemeinden, Stiftungen oder in einigen Fällen auch Vereine und Privatpersonen. Mit einem neuen Schwerpunktangebot beleuchtet das MIZ die außergewöhnliche Vielfalt und Dichte der Museumslandschaft in Deutschland.

Komponistenhäuser und Musikermuseen

Musikinteressierte aus der ganzen Welt pilgern Jahr für Jahr zu den Wirkungsstätten großer Komponistinnen und Komponisten. Allein rund 50 Musikermuseen und -gedenkstätten sind heute der Öffentlichkeit zugänglich und halten die Erinnerung an so bedeutende und stilbildende Musiker wie Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms oder Richard Wagner lebendig. Oft befinden sich die Museen in den Geburts- oder Sterbehäusern und zeigen persönliches Mobiliar oder Möbel der Zeit sowie Gemälde, Büsten, Erinnerungsstücke, Autographe, Briefe und andere Originaldokumente, die das Leben und Schaffen der Musiker und ihr Umfeld dokumentieren.

© Entwurf: staab architekten 2010, Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth Richard-Wagner-Museum mit Nationalarchiv und Forschungsstätte in Bayreuth: Das ehemalige Wohnhaus des Komponisten wird mit einem Erweiterungsbau und neuem Ausstellungskonzept ab Ende Juli 2015 wieder öffentlich zugänglich sein In einigen Fällen sind den Musikermuseen spezialisierte Archive und Forschungsinstitute angegliedert, die Handschriften und andere Quellen sammeln und wissenschaftlich erschließen. Sie geben kritische Editionen oder Schriftenreihen heraus und führen zum Teil umfassende Digitalisierungsprojekte durch, auf deren Grundlage Musikhandschriften, Erstausgaben, Briefe und Bilder aus den Sammlungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (vgl. Linksammlung in der rechten Spalte). Zu diesem Typus gehören vor allem Häuser mit internationaler Ausstrahlung wie das Beethoven-Haus in Bonn, das Bach-Archiv Leipzig, das Händel-Haus Halle, das Robert-Schumann-Haus Zwickau, das Richard-Strauss-Institut in Garmisch oder das Richard-Wagner-Museum mit Nationalarchiv und Forschungsstätte in Bayreuth. Darüber hinaus existieren weitere, zum Teil kleinere Häuser, die jedoch über nicht minder bedeutende Archive verfügen.

Musikinstrumentenmuseen und -sammlungen

Sind die Musikermuseen in der Regel eigenständig organisiert, so firmieren die meisten Musikinstrumentensammlungen als Abteilungen größerer Institutionen, seien dies Landes-, Regional- oder Stadtmuseen, Museen mit kulturhistorischem Schwerpunkt oder Universitäten. Die Musikinstrumentenmuseen lassen sich nach Sammlungsschwerpunkten unterscheiden. So verfolgen einige einen umfassenderen Ansatz und zeigen das breite Spektrum von Musikinstrumenten der europäischen und teilweise auch außereuropäischen Musik. Ihre Aufgaben bestehen darin, die Sammlungen zu bewahren, zu erschließen und zu erweitern, die Bestände in einen musik- und kulturgeschichtlichen Zusammenhang zu stellen sowie Funktion, Gebrauch und Bau der Musikinstrumente zu erforschen und zu vermitteln.

© Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig Mit über 5.000 Musikinstrumenten aus dem 16. bis zum 20. Jahrhundert eine der weltweit wichtigsten Sammlungen: das Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig Andere Museen konzentrieren sich auf bestimmte Musikinstrumentengattungen, wie Tasteninstrumente, Blechblasinstrumente oder mechanische Musikinstrumente, und betrachten die technische Entwicklung der Instrumente, ihre Fertigung oder Verwendung, häufig auch unter lokalgeschichtlichen Gesichtspunkten. Zu den „Global Playern“ unter den Musikinstrumenten-Museen weltweit zählen das Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung in Berlin ebenso wie das Grassi Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig und die Sammlung historischer Musikinstrumente im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Andere, kleinere Sammlungen, wie die Stiftung Historischer Tasteninstrumente der Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloss Bad Krozingen, haben überregionale Bedeutung wegen der Exklusivität ihrer Objekte.

Topografie der Musikmuseen

© MIZ Karte der Musikmuseen in Deutschland. Mit drei neuen topografischen Karten liefert das MIZ einen grundlegenden Überblick über die Museumslandschaft in Deutschland. Während eine Gesamtkarte eine Vorstellung der Vielfalt und Dichte der Musemslandschaft allgemein ermöglicht, bieten zwei Spezialkarten zu den Bereichen Musikermuseen und Musikinstrumentensammlungen einen dezidierten Blick auf zwei besondere Museumstypen mit ihren spezifischen Merkmalen. In der Karte der Komponistenhäuser sind ergänzend auch Archive und Forschungsinstitute mit Schwerpunkt auf einzelnen Musikerinnen und Musikern berücksichtigt. Grundlage der Karten bildet die Institutionendatenbank des MIZ, in der die einzelnen Einrichtungen mit ihren Aufgabenschwerpunkten, Sammlungsbeständen und Leitungsstrukturen sowie mit Einblicken in die jeweilgen Sammlungspräsentationen dargestellt werden. Zu finden sind dort neben den Komponistenhäusern und Musikinstrumentensammlungen auch Museen für Rock- und Popmusik, Museen mit dem Schwerpunkt Musikvermittlung oder regionale Musikgeschichte.

Der vorliegende Text beruht in Auszügen auf dem Fachbeitrag Musikmuseen von Heike Fricke, der im Auftrag des Deutschen Musikinformationszentrums entstanden ist und Strukturen und aktuelle Entwicklungen in der Museumslandschaft beschreibt. Betrachtet werden dabei Digitalisierungs- und Langzeitarchivierungsprojekte der Museen ebenso wie neue Anforderungen an Ausstellungskonzeptionen unter dem Stichwort zeitgemäßer Vermittlungsarbeit oder Herausforderungen in der internationalen Zusammenarbeit der Museen.

 

Stand: 13. Juli 2015

 

 

 

MIZ Wissen

 

Fachbeitrag:

Heike Fricke: Musikermuseen und Musikinstrumentensammlungen

 

Topografische Darstellungen:

Alle Musikmuseen und -ausstellungen

Museen, Archive und Forschungsinstitute mit Schwerpunkt auf einzelnen Musikerinnen und Musikern

Musikinstrumentenmuseen und -sammlungen

 

Institutionen:

Alle Musikmuseen und -ausstellungen

Musikmuseen nach Sammlungsschwerpunkten und inhaltlicher Ausrichtung:

Komponistenhäuser und Musikermuseen

Musikinstrumentenmuseen und -sammlungen

Übergreifende Sammlungen

Tasteninstrumente

Streich- und Zupfinstrumente

Blasinstrumente

Akkordeons/Harmonikas

Mechanische Musikinstrumente

Außereuropäische Musikinstrumente

Sonstige Instrumente

Museen für Pop- und Rockmusik

Ethnologische Museen und Sammlungen

Museen für regionale Musikgeschichte

Museen mit Schwerpunkt Musikvermittlung

Sonstige Museen

Forschungsinstitute und Archive mit Schwerpunkt auf einzelnen Musikerpersönlichkeiten

Musikergesellschaften

 

Digitalisierungsprojekte:

Im Folgenden werden Digitalisierungsprojekte aus dem Musikbereich vorgestellt, die Musikhandschriften, Erstausgaben, Briefe und Bilder bedeutender Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Sammlungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.
weiter zur Linksammlung

 

 

Presse:

Pressemitteilung: Musikmuseen in Deutschland - MIZ beleuchtet Vielfalt und Dichte der Museumslandschaft

Stephan Schulmeistrat, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des MIZ, im Interview mit DeutschlandRadio
(DRadio Kultur – Fermate, 25. Juli 2015)

Margot Wallscheid, Projektleiterin des MIZ, im Interview mit dem Saarländischen Rundfunk
(SR 2 – MusikWelt, 27. August 2015)

 

MyMIZ

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