Jubiläumsveranstaltung

Anlässlich des diesjährigen Jubiläums des Deutschen Musikinformationszentrums (MIZ) trafen sich in der Bad Godesberger Redoute über einhundert Gäste aus Politik und Kultur zu einem Festakt, um die herausragende Bedeutung der Einrichtung zu würdigen und zugleich einen Blick in die Zukunft der Musik in unserer Informationsgesellschaft zu werfen.


"Es bedarf in erster Linie einer ausgeprägten geistigen Trennschärfe, um aus der zunehmenden Menge an Daten zum deutschen Musikleben diejenigen herauszufiltern, die zur Erhellung desselben beitragen", so Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats, in seiner Eröffnungsansprache. Diese Fähigkeit lag schon dem gedruckten Vorbild des MIZ, dem seit 1986 bestehenden Musik-Almanach zugrunde - seine virtuelle Weiterentwicklung im Kompetenznetzwerk MIZ und dem Internetportal www.miz.org macht diese Differenzierungsfähigkeit ob der wachsenden Datenmenge zur unabdingbaren Voraussetzung. Das veranschaulicht die hohe Zahl an Daten und Fakten zum Musikleben, die das MIZ in seinen Datenbanken nutzerfreundlich aufbereitet.


Eine umfassende und spezifische Abbildung des Musiklebens nach seinen zentralen Aktionsfeldern leisten die acht Themenportale, in denen neben Daten zur Infrastruktur des jeweiligen Bereichs umfangreiche Hintergrundinformationen, aktuelle Nachrichten, kulturpolitische Stellungnahmen sowie weiterführende Literatur und Links gebündelt sind. Sie decken Themenfelder ab wie "Musikalische Bildung & Ausbildung", " Konzerte & Musiktheater", "Jazz, Rock & Pop" oder "Musikwirtschaft". Eine eigene Datenbank ist der musikalischen Fort- und Weiterbildung gewidmet. Bei weit über 2.000 jährlich verzeichneten Einträgen zu den unterschiedlichen Themen und Formen hilft das MIZ durch ausgefeilte Suchoptionen, den passenden Kurs zu finden.


Gelungene Informationsarchitektur und Servicecharakter


Den ausgeprägten Servicecharakter der Einrichtung lobt Dr. Sigrid Bias-Engels in ihrem Grußwort. Die Leiterin der Referatsgruppe Kunst- und Kulturförderung beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sieht den Dienstleistungsgedanken auch in den vielfältigen Kommunikationswegen bestätigt, mit denen das MIZ für die musikinteressierte Öffentlichkeit erreichbar ist: Neben der gelungenen Informationsarchitektur der Website bieten der Musik-Almanach, die Präsenzbibliothek in Bonn und nicht zuletzt die Möglichkeit zu individuellen Anfragen Zugriff auf das umfassende Wissen zum Musikleben in Deutschland. Diesen Service möchte der BKM weiter ausbauen und sagt dem MIZ anlässlich des Festakts die Übersetzung wichtiger Teile der Internetpräsenz ins Englische zu. Auch der Kulturdezernent der Stadt Bonn, Dr. Ludwig Krapf, stellt die Orientierungs- und Überblicksfunktion des MIZ heraus, der die Bewertung, Aufbereitung, und Vermittlung der Daten durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung zugrunde liege. Dadurch, fasst Heidi Schumacher zusammen, unterscheide sich das MIZ von herkömmlichen Suchmaschinen: "Google ist dumm, da hilft das MIZ". Die Abteilungsleiterin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Jugend rät folglich dazu, das Musikinformationszentrum auch als Vorbild für andere Kultursparten zu sehen.


Trends, Entwicklungen und Visionen


Das MIZ beschreibt nicht nur den Bestand des Musiklebens in Deutschland, wie wir ihn heute vorfinden, es zeigt auch Trends und Entwicklungen auf. Auf www.miz.org lässt sich mithilfe eines musikstatistischen Datenprogramms beispielsweise ein grundlegender Strukturwandel des Musiklebens nachvollziehen, der vom musikalischen Bildungs- und Ausbildungssystem über die Orchester- und Theaterlandschaft bis hin zur Musikwirtschaft reicht. In seiner Folge stehen heute Orchesterfusionen einerseits einem Boom an Festivals andererseits gegenüber. Synchrone wie diachrone Blickwinkel verbinden sich im MIZ zu einer Einheit, mit dem Ziel, ein möglichst exaktes und detailliertes, dabei zugleich nutzerfreundliches Abbild des deutschen Musiklebens zu modellieren. Insbesondere diese Ganzheitlichkeit, die auch Anspruch und Wert der Bürger- und Bildungsgesellschaft ist, bestätigt Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard dem MIZ in seiner Ansprache. Der Staatssekretär a. D. im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie Vorsitzende des Beirats MIZ wagt schließlich einen Blick in die Zukunft der Einrichtung: Eine beständige Erweiterung des Dienstleistungs- und Servicecharakters des MIZ sowie der Aufbau von zusätzlichen Angeboten beispielsweise im Bereich Musikvermittlung sollten künftig dazu beitragen, die Musik in unserer Gesellschaft weiter zu verankern.


Musik im World Wide Web - Herausforderungen und Chancen


Die Zukunft hat längst begonnen, doch oft verstellen Ängste und Vorbehalte vor neuen Technologien und Medien den Blick auf deren Chancen. In drei gedanklichen Bildern zum Thema Internet und Musik ermuntert im abschließenden Festvortrag Prof. Dr. Helmut Scherer, Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover, zum kreativen Umgang mit den Herausforderungen, die neue Medien an die Gesellschaft stellen. Der Begriff des ‚Netzes' ist längst zum gängigen Synonym für das Internet geworden. So treffend er ist, so unterschiedlich sind die verschiedenen Assoziationen, die er bei den Akteuren der Musikindustrie weckt.


Scherer verweist zunächst auf die zunehmende Nutzung des Internets zum Einkaufen: Als virtuelles ‚Einkaufsnetz' für Musik laufe das World Wide Web dem Einzelhandel mehr und mehr den Rang ab. Bereits ein Viertel des Umsatzes erziele die Musikindustrie im Internet, ein beachtlicher Zuwachs von 300 Prozent in nur sechs Jahren. Die Vorteile lägen klar auf der Hand: Geringe Lager- und Transferkosten, keine Über- oder Unterproduktion und zugleich eine immense Auswahl. Allein die vier größten Musikportale böten mehr als 30 Millionen Titel zum Download an. Schon der Klassiker "The Long Tail" von 2004 unterstreicht die zunehmende Bedeutung von Nischenprodukten, die durch das Internet erst eine wirtschaftliche Chance gewinnen - "dies betrifft", so Scherer, "natürlich auch die Musikprodukte, die gerade in ihrer Vielfalt und trotz kleiner Auflage ihr Publikum finden und wirtschaftlichen Erfolg verbuchen."


Dennoch wecke das Internet besonders bei den Musikproduzenten, den Musikern und der Industrie den Eindruck eines ‚Fischernetzes', mit dem die Konsumenten nach deren Produkten fischen. Die Rede ist von der Angst vor Raubkopien. Scherer macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass die Annahme "Jede Raubkopie ist entgangener Gewinn" schlichtweg falsch sei: "Schon immer wurde Musik kopiert, früher umständlicher per Kassettenrekorder - heute einfacher und in besserer Qualität durch illegale Downloads an Tauschbörsen." Er verweist dabei auf die empirisch abgesicherte Feststellung, dass die Ausgaben für Medien stets im Verhältnis gleichblieben - nicht nur in der deutschen Volkswirtschaft. Die Ausgaben, so Scherer, seien vielmehr von den Musikprodukten zu Handys und Computerspielen gewandert. Er kritisiert, dass in weiten Teilen der Musikwirtschaft der Blick aufs Ökonomische verkürzt werde und man sich, von Verlustängsten getrieben, in die Dämonisierung des Internets zurückziehe, anstatt sich der eigenen Kreativität zu vergewissern und nach Chancen und Wegen zu suchen, den neuen Herausforderungen zu begegnen.


Schließlich stellt Helmut Scherer das Internet als ‚Netzwerk' in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Dieses sei das eigentliche Wesen des Mediums und zugleich seine große Chance, die auch das MIZ in seinem Portal kreativ und erfolgreich zu nutzen wisse. Die Nutzungsformen des Internets als Netzwerk erscheinen schier unbegrenzt: "Es entstehen neue Formen der Begegnungen, zwischen Musikerinnen und Musikern untereinander, zwischen Musikern und Publikum, Lehrern und Schülern, Produzenten und Musikern, die ein Aufeinandertreffen in persona überflüssig machen und zugleich einen intensiven Austausch ermöglichen." Hierin sollten, so schließt Scherer seinen Vortrag, alle Beteiligten in kreativer Form nach Chancen suchen, die letztlich auch in neue Wertschöpfungsprozesse münden werden.


Tanja Kessenbrock

 

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10 Jahre Deutsches Musikinformationszentrum

Downloads

 

Grußwort: Präsident des Deutschen Musikrats (PDF)

Broschüre: Das Deutsche Musikinformationszentrum im Profil (PDF)

Gefangen oder verbunden: Musik im Netz - Festvortrag Helmut Scherer (PDF)

 

Interview

Interview

 

Margot Wallscheid im Interview

Margot Wallscheid, seit 1998 Projektleiterin des MIZ, spricht mit der neuen musikzeitung über die Entwicklung und Meilensteine des MIZ sowie über zukünftige Aufgaben. Das Interview führte Barbara Haack.

 

Pressematerial

 

Pressemitteilung "Musikleben im Wandel" (PDF)

Infoblatt "Daten und Fakten" (PDF)

Infoblatt "10 Jahre MIZ" (PDF)

Infoblatt "Zur Gründung des MIZ" (PDF)

Logo MIZ (EPS)

 

 

 

 

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