Musik ist ein zentraler Bestandteil des kulturellen Selbstverständnisses unserer Gesellschaft und genießt nach wie vor einen hohen Stellenwert. Weit über 10.000 Institutionen und Initiativen mit Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen sind in den Datenbanken des MIZ erfasst - musikalische Bildungs- und Ausbildungsstätten, Orchester und Musiktheater, Musikfestspiele und -festivals ebenso wie Förderungseinrichtungen, Stiftungen und Verbände, Dokumentations- und Forschungsstätten oder die vielfältigen Branchen der Musikwirtschaft. Sie stehen für ein großes musikalisches Erbe und eine überaus lebendige Musikszene, in der sich verschiedene Genres, Stilrichtungen und unterschiedlichste Musikkulturen entwickeln und entfalten. Und sie prägen - nicht zuletzt auch in der Wahrnehmung des Auslands - den Ruf Deutschlands als ein Land der Musik. Informieren Sie sich im Folgenden über wichtige Kennzahlen zum Musikleben und erfahren Sie mehr über Hintergründe und Fakten.
Die Bedeutung des Musiklebens spiegelt sich in den Ausgaben wider, die die öffentliche Hand für seine Finanzierung bereitstellt. Auf rund 2,4 Milliarden Euro summierten sich im Jahr 2006 (letzter Stand) die musikbezogenen Ausgaben im engeren Sinn, das entspricht rund 30 Prozent des gesamten Kulturhaushalts. Dabei entfielen 56,8 Prozent auf die Kommunen und 41,9 Prozent auf die Bundesländer. Die Ausgaben des Bundes beliefen sich auf 1,3 Prozent (ohne Ausgaben für die auswärtige Musikförderung und übergeordnete Aufgabenstellungen).
Neben der unmittelbaren finanziellen Unterstützung prägen auf Bundesebene auch gesetzliche Regelungen in der Steuer- und Sozialpolitik, aber auch in der Jugend-, Rechts-, Wirtschafts- und Außenpolitik bestimmte für die Entwicklung des Musiklebens bedeutsame Bereiche. Unmittelbar auf die soziale und rechtliche Stellung der Künstler wirken sich das Künstlersozialversicherungsgesetz und das Urheber- und Urhebervertragsrecht aus. Auf Landesebene werden insbesondere Rahmenbedingungen in den Bereichen Schulen, Hochschulen, Jugend- und Laienmusikpflege sowie Bibliothekswesen gesetzt.
Die Ausgaben für Kultur zählen zu den so genannten freiwilligen Leistungen (mit Ausnahme des Kulturraumgesetzes im Freistaat Sachsen), sie gehören also nicht zu den Pflichtaufgaben der Länder und Kommunen. Aus diesem Grund wird derzeit von Parteien und Kulturverbänden gleichermaßen gefordert, die Kultur als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern.
Neben der öffentlichen Musikförderung stellt seit jeher auch die private Musikförderung ein unverzichtbares Fundament für die Entwicklung des Musiklebens dar. Zwar ist ihr genaues Volumen nicht genau zu beziffern, die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Kultur in Deutschland" geht jedoch in ihrem Abschlussbericht von einer jährlichen Größenordnung zwischen 800 Millionen und 2,6 Milliarden Euro aus, allerdings für den gesamten Kulturbereich und ohne so genannte Zeitspenden. Berücksichtigt man zusätzlich das ehrenamtliche Engagement, so wird deutlich, dass der größte Kulturfinanzierer in Deutschland der Bürger ist: Allein das Volumen ehrenamtlicher Zeitspenden entspricht umgerechnet einem geschätzten Geldwert von 9 bis 16 Milliarden Euro.
In welchem Maß sich die Wirtschafts- und Finanzkrise letztlich auf die öffentliche und die private Musikförderung auswirken wird, bleibt abzuwarten. Bundesweite Daten liegen noch nicht vor. Schon jetzt ist aber die desolate Lage der Städte und Gemeinden offensichtlich. Wuppertal, Essen, Duisburg oder Dessau sind dabei nur einige Beispiele für derzeit diskutierte Kürzungsvorhaben im Kulturbereich.
Das Laienmusizieren hat in Deutschland eine große Tradition und bildet bis heute die Basis unserer Musikkultur. Mindestens sieben Millionen Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit als Musizierende, rund drei Millionen davon sind Kinder und Jugendliche. Sie verstehen das Musizieren als festen Bestandteil ihres Lebens und sind für den Erhalt, die Fortentwicklung und Lebendigkeit unseres Musiklebens eine unverzichtbare Größe.
Das Spektrum der Betätigungen im Laienmusikbereich ist enorm und reicht vom Singen im Chor und dem Musizieren in Blas- und Zupforchestern, Spielmannszügen, Zithermusikgruppen oder Sinfonie- und Streichorchestern bis hin zum Spielen in Rock- und Pop-Bands oder sonstigen Formationen.
Deutscher Chorwettbewerb
Mit rund 1,3 Millionen aktiv Musizierenden steht das Singen im Chor auf der Beliebtheitsskala an erster Stelle. Die Sängerinnen und Sänger verteilen sich dabei je zur Hälfte auf weltliche und kirchliche Chöre. Mit einem Jugendanteil von durchschnittlich 26 Prozent sind die Nachwuchssorgen in den kirchlichen Chören etwas geringer als in den weltlichen, bei denen er mit rund 16 Prozent etwa ein Drittel niedriger liegt.
In den Verbänden des instrumentalen Laienmusizierens sind rund 750.000 Amateure organisiert, beinahe zwei Drittel sind dabei unter 27 Jahren. Allein in den Blasorchestern und Spielmannzügen sind über 320.000 Kinder und jugendliche Mitglieder aktiv.
Die große Vielfalt der Laienensembles in Deutschland garantiert neben den professionellen Klangkörpern ein flächendeckendes Angebot an Konzerten und musikalischen Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Die großen Chorverbände zählen zusammen rund 50.000 Mitgliedschöre, im instrumentalen Bereich sind es rund 30.000 Ensembles.
Allgemein bildende Schule: Fachlehrermangel und Unterrichtsausfall
Die Bedeutung des Musikunterrichts in der allgemein bildenden Schule kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, bringt er doch alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland mit musikalischer Bildung in Kontakt. In den Jahrgangsstufen 1 bis 10 ist der Musikunterricht entweder direkt mit dem Status eines ordentlichen Schul- bzw. Pflichtfachs oder indirekt als Bestandteil von übergeordneten Lernbereichen bzw. Fächerverbünden in den Stunden- bzw. Kontingentstundentafeln verankert. Durch die Etablierung von Lernbereichen und Fächerverbünden steht der Musikunterricht allerdings besonders ab der Klassenstufe 7 zunehmend in der Gefahr eines schleichenden Abbaus. In der Oberstufe gelten für den Musikunterricht als Bestandteil des sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfelds unterschiedliche Wahlpflicht-Auflagen.
Rund 47.000 Musiklehrerinnen und Musiklehrer unterrichten an den unterschiedlichen Schulformen, das entspricht rund sechs Prozent aller Lehrkräfte insgesamt. Eine alarmierende Zahl, denn seit langem ist ein eklatanter Mangel an Lehrkräften zu beklagen, insbesondere an Grund-, Haupt- und Sonderschulen. Nach Untersuchungen des Verbands Deutscher Schulmusiker (VDS) werden beispielsweise an Grundschulen lediglich 20 bis 30 Prozent des Musikunterrichts von fachspezifisch ausgebildeten Musiklehrerinnen und -lehrern erteilt, circa 70 bis 80 Prozent werden fachfremd oder gar nicht unterrichtet.
Durch die oft unzureichende Personalausstattung, die zunehmende Einführung des Ganztagsbetriebs und die Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre ist mittlerweile auch die Existenz vieler Schulensembles wie Chöre, Orchester, Bands und Musik-AGs massiv gefährdet. Zahlreiche in den letzten Jahren entstandene Musikvermittlungsprojekte in der Kooperation und Vernetzung schulischer und außerschulischer Bildungsinstitutionen suchen den Defiziten im Bereich des Musikunterrichts entgegenzuwirken und bieten neue Chancen für eine intensivierte musikalische Bildung. Sie können die zugrunde liegenden Probleme aber nur punktuell beheben.
Dennoch existiert eine Reihe von Schulen, an denen das Fach Musik sogar in erweiterter Form angeboten wird bzw. die Instrumental- und/oder Gesangsunterricht auf Grund eines besonderen schulischen Engagements im Bereich der Musikerziehung erteilen. Das MIZ zählt derzeit rund 350 solcher Einrichtungen.
Steigende Schülerzahlen an Musikschulen
Dass Musik eine feste Größe im Leben der Kinder und Jugendlichen darstellt, belegen die stetig steigenden Schülerzahlen der öffentlichen, zumeist kommunal getragenen Musikschulen, die sich weiterhin großer Beliebtheit erfreuen. Rund 980.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene belegten im Jahr 2010 Angebote in Form von Instrumental- und Gesangunterricht, musikalischer Früherziehung und Grundausbildung oder Ensemblefächern, das sind rund 115.000 mehr als noch vor 10 Jahren.
Das Erlernen eines Musikinstruments liegt demnach hoch im Trend, auch bei den Jüngsten. Das Einstiegsalter der Kinder ist deutlich gesunken: Der Anteil an Vorschulkindern im Alter bis zu fünf Jahren hat sich im vergangenen Jahrzehnt von 14,0 Prozent auf aktuell 17,4 Prozent erhöht.
Insgesamt verzeichnet der Verband deutscher Musikschulen (VdM) gegenwärtig 919 Musikschulen in öffentlicher Trägerschaft mit einem bundesweit flächendeckenden Netz von über 4.000 Standorten und insgesamt rund 37.000 Lehrkräften. Der Gesamtetat der Mitgliedsschulen beläuft sich auf 844 Millionen Euro, von denen rund die Hälfte aus Unterrichtsgebühren erwirtschaftet wird.
Eine wichtige Rolle in der Musikerziehung nehmen auch die privaten Musikschulen sowie die zahlreichen privaten Musikerzieher ein, die sich im Bundesverband Deutscher Privatmusikschulen (bdpm) bzw. im Deutschen Tonkünstlerverband (DTKV) zusammengeschlossen haben.
Zunehmend kooperieren allgemein bildende Schulen mit außerschulischen Bildungseinrichtungen, z. B. im Rahmen der Ganztagsangebote, dem Klassenmusizieren oder anderen Projekten. Die derzeit größte Unternehmung im Hinblick auf das Zusammenwirken allgemein bildender Schulen und öffentlicher Musikschulen ist das Projekt "Jedem Kind ein Instrument", das im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr zum Schuljahr 2007/08 flächendeckend im Ruhrgebiet eingeführt wurde und mittlerweile auch bundesweit Nachahmungen findet. Das Projekt ermöglicht allen Grundschulkindern das Erlernen eines frei wählbaren Musikinstruments, unabhängig vom sozialen Status und Hintergrund der einzelnen Schüler. Die Bundeskulturstiftung, das Land-Nordrhein-Westfalen sowie weitere Partner haben insgesamt mehr als 20 Millionen Euro in das Programm investiert und bereits seine Fortführung in Aussicht gestellt. Darüber hinaus existieren weitere Musikvermittlungsprojekte auf Bundes-, Landes- und regionaler Ebene mit unterschiedlichen konzeptionellen Ansätzen.
Musikhochschulen und Universitäten: Neue Herausforderungen durch Bachelor und Master
Die Ausbildung für Musikberufe wird von entsprechend differenzierten und spezialisierten Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen getragen: Musikhochschulen, Wissenschaftlichen, Pädagogischen und Fachhochschulen, Kirchenmusikhochschulen und Kirchenmusikschulen, Konservatorien, Fachakademien und Berufsfachschulen, öffentlichen oder privaten Spezialinstituten z. B. für populäre Musik oder Bühnenberufe, Spezialausbildungsstätten für den Musikinstrumentenbau u. v. m. Dem einerseits sehr speziellen Zuschnitt von Ausbildungsgängen für Musikberufe stehen andererseits Überschneidungen und Doppelungen von Studienangeboten an den verschiedenen Hochschularten gegenüber. Deren Unterschiede im Detail resultieren u. a. aus diversen historischen, regionalen oder konzeptionellen Traditionen. Sie berühren implizit aber auch die Aspekte Renommee, Wertigkeit und Qualitätsanspruch. So werden Musiklehrer für allgemein bildende Schulen an Musikhochschulen oder Universitäten, regional zudem an Pädagogischen Hochschulen und Berufsfachschulen ausgebildet. Kirchenmusiker können zwischen Ausbildungsangeboten an Musikhochschulen oder Kirchenmusikhochschulen wählen, und Studiengänge für Instrumental- und Vokalpädagogen bieten neben den Musikhochschulen auch Musikakademien, Konservatorien sowie einige Universitäten an.
Folkwang Universität in Essen
Insgesamt 24.000 Studierende (ohne die Studierenden an Konservatorien und Musikakademien) waren im Wintersemester 2009/10 in Studiengängen für Musikberufe an deutschen Hochschulen eingeschrieben, über 60 Prozent davon an den Musikhochschulen. Die Studierenden verteilten sich zu knapp der Hälfte auf die musikalisch-künstlerischen und zu knapp einem Drittel auf die musikpädagogischen Studiengänge, im Studiengang Musikwissenschaft war etwa ein Fünftel der Studierenden eingeschrieben. Die Zahl der abgelegten Prüfungen ist in der letzten Dekade insbesondere in den künstlerischen Fächern und in der Musikwissenschaft gestiegen, und auch für die Lehramtsstudiengänge ist nach Jahren des Rückgangs bzw. der Stagnation in 2009 eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Betrachtet man den Fachlehrermangel an allgemein bildenden Schulen, so ist dies als ein erstes positives Signal zu werten.
Vor dem Hintergrund internationaler Anforderungen an die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen im Rahmen des so genannten Bologna-Prozesses und der damit verbundenen Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen befinden sich auch die musikbezogenen Studienbereiche der Hochschulen in einem fundamentalen Umstrukturierungsprozess. Die Dauer der Ausbildungen hat sich im Zuge der Umstellung bzw. Neustrukturierung der Studiengänge unterschiedlich ausdifferenziert. Für künstlerische Studien hat die Kultusministerkonferenz (KMK) einen Umfang von vier Jahren für den Bachelor (BA) und ggf. zusätzlich zwei Jahren für den Master (MA) festgelegt. Ansonsten sind für die Hochschulausbildung mindestens drei Jahre sowie ggf. zusätzlich ein bis zwei Jahre vorgesehen. Die Umsetzung des Bologna-Prozesses ist an den meisten Studienorten mittlerweile erfolgt. Dieser Prozess hat zu Profilbildungen an den Hochschulen und zur Etablierung neuer Studiengänge geführt, die Möglichkeiten der individuellen Profilierung für die Studierenden und neue Möglichkeiten der Verknüpfung von Studienangeboten schaffen.
Musiktheater und Orchester präsentieren jährlich über 20.000 Veranstaltungen
133 öffentlich getragene Sinfonieorchester und 83 Musiktheater prägen das Kulturleben Deutschlands und sind maßstabgebend für eine ambitionierte Programmpolitik von der Alten bis zur Zeitgenössischen Musik. Sie sind gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Professionalität in ihrer künstlerischen Arbeit und sind durch ihre internationale Ausstrahlung sinnstiftend für die kulturelle Identität unseres Landes. In der vergangenen Spielzeit gingen insgesamt mehr als 20.000 Musikveranstaltungen allein der öffentlich getragenen Institutionen über die Bühnen, davon rund ein Drittel Konzerte und zwei Drittel Veranstaltungen im Bereich Musiktheater. Die Aufführungen erreichten rund zwölf Millionen Besucher, zwei Drittel davon im Bereich Musiktheater. Dauerrenner dabei ist die Zauberflöte, die in über 40 aktuell laufenden Inszenierungen seit Jahren in der Publikumsgunst klar an erster Stelle steht.
Aalto-Theater Essen
Das Angebot der Theater und Orchester gestaltet sich zunehmend vielfältiger. Immer mehr Institutionen widmen sich inzwischen verstärkt der Kinder- und Jugendförderung. Neben eigens für diese Zielgruppe konzipierten Konzerten und Opernaufführungen entstehen immer mehr Musikvermittlungsprojekte, so dass 2007 mit dem "netzwerk junge ohren" ein länderübergreifender Zusammenschluss gegründet worden ist, um die zahlreichen Aktivitäten zu koordinieren und weiterzuentwickeln. Nach Angaben der Deutschen Orchestervereinigung hat sich in den letzten fünf Jahren die Zahl der musikpädagogischen Veranstaltungen der Orchester deutlich erhöht. Wurden in der Saison 2003/04 noch rund 2.100 Angebote für Kinder und Jugendliche gezählt, so waren es zur Saison 2007/08 über 3.700. Einige Theater haben bereits eigene Bühnen für Kinder geschaffen oder sogar, wie in Dortmund, eine eigene Spielstätte errichtet.
Einzigartig vielfältig: Orchesterlandschaft im Wandel
Ebenso wie die Musiktheater- ist auch die Orchesterlandschaft in Deutschland durch eine außergewöhnlich hohe Dichte gekennzeichnet. Denn neben den 84 Theaterorchestern, die zwar größtenteils auch Konzerte spielen, in erster Linie jedoch dem Opernbetrieb verpflichtet sind, existieren weitere 30 Konzertorchester und 12 Rundfunkorchester sowie sieben öffentlich finanzierte Kammerorchester. Die Größe der Orchester variiert dabei von relativ kleinen Ensembles bis hin zu großen Institutionen wie dem Bayerischen Staatsorchester mit 141 Planstellen oder dem Gewandhausorchester Leipzig, das durch seine Doppelfunktion als Theater- und Konzertorchester mit 185 Musikerinnen und Musikern das derzeit größte unter den deutschen Orchestern bildet. Neben den Orchestern in öffentlicher Trägerschaft existieren einige wenige privatwirtschaftlich organisierte Klangkörper, zum Beispiel die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen oder auf bestimmte Musikepochen oder Stile spezialisierte Ensembles, die keine oder nur in geringerem Umfang öffentliche Zuwendungen erhalten.
Berliner Philharmoniker und Simon Rattle
Die Struktur der Orchesterlandschaft hat sich in den letzten Jahren durch Orchesterauflösungen und Fusionen massiv verändert. Nach der Wiedervereinigung kam es vor allem im Osten Deutschlands zu einer weitreichenden Anpassungs- und Konsolidierungswelle. Von den ehemals insgesamt 168 Orchestern existieren heute noch 133. Vor allem in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Berlin wurden viele Klangkörper geschlossen, aber auch in den alten Bundesländern wurden seit der Wende insgesamt elf Ensembles aufgelöst oder miteinander fusioniert, allein sechs davon in Nordrhein-Westfalen. Die ausgewiesenen Musikerplanstellen gingen dabei um mehr als 18 Prozent zurück
und unterschritten im Jahr 2010 erstmals die Marke 10.000. Die jüngsten Orchesterfusionen betrafen 2007/08 das Rundfunksinfonieorchester Saarbrücken, das mit dem Rundfunkorchester Kaiserslautern in der Deutschen Radiophilharmonie aufgegangen ist, sowie den Zusammenschluss des Philharmonischen Staatsorchesters Halle mit dem Orchester des Opernhauses Halle zur Staatskapelle Halle.
Gründungsboom: Zahl der Musikfestivals seit Wiedervereinigung verdreifacht
Melt!-Festival
Eine offensichtlich gegenläufige Entwicklung ist im Bereich der freien Organisationsformen zu verzeichnen. So kann seit der Wiedervereinigung ein regelrechter Boom an Musikfestivals beobachtet werden, der inzwischen zu einer Festivallandschaft von zuvor nicht gekannter Dichte geführt hat. Die programmatische Vielfalt der Festivals ist dabei enorm. Ihre Bandbreite reicht vom breit angelegten "Klassikfestival" über Spezialfestivals für Alte und Zeitgenössische Musik bis hin zu Szenefestivals für die zahlreichen Strömungen der populären Musik. Aktuell verzeichnet das MIZ rund 500 regelmäßig stattfindende Veranstaltungen, vor 15 Jahren waren es noch rund 140.
Höchste Dichte an Konzerthäusern in Nordrhein-Westfalen
Kölner Philharmonie
Zusammen mit den Opernhäusern stellen die Konzerthäuser die zentralen Orte musikalischer Darbietungen im E-Musik-Bereich dar. Sie gewährleisten neben den Konzerten der ortsansässigen Ensembles einen regelmäßigen Gastspielbetrieb und bieten ein breites Spektrum musikalischer Genres, von der Alten Musik über klassische Sinfoniekonzerte bis hin zur Zeitgenössischen Musik und zur Popularmusik. Insgesamt 13 Einrichtungen, die diesen Kriterien entsprechen, existieren derzeit in Deutschland.
Allein in Nordrhein-Westfalen wurden seit der Jahrtausendwende zwei neue Häuser eröffnet, das Konzerthaus Dortmund und die Philharmonie Essen. Zusammen mit der Kölner Philharmonie und der mittlerweile neu gestalteten Tonhalle Düsseldorf ist Nordrhein-Westfalen somit das Bundesland mit der höchsten Dichte an Konzerthäusern. Und es gibt weitere Planungen: Auch in Bonn, Bochum und Aachen laufen Diskussionen zur Errichtung von neuen, in ihren Konzepten allerdings unterschiedlich ausgerichteten Häusern, die aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise jedoch mehr und mehr ins Stocken geraten. Ein weiteres Konzerthaus soll im Saarland entstehen. Dort wird mit Unterstützung des Stararchitekten Stephan Braunfels die Errichtung einer Saarphilharmonie in Saarbrücken geplant, die ebenso wie Hamburgs neue Elbphilharmonie, Deutschlands wahrscheinlich prominentestes Beispiel des Konzerthausbooms, zum Großteil durch private Spendengelder finanziert werden soll.
Die Musikwirtschaft umfasst ein breites Spektrum unterschiedlicher Einzelbranchen. Rund 20.000 Betriebe, darunter Konzertdirektionen und Künstleragenturen, Musikverleger, Instrumentenbauer, Tonträgerhersteller, Tonstudios und Hersteller von phonotechnischen Geräten sowie ein weit verzweigtes Netz an Musikfachhändlern, beschäftigen gegenwärtig rund 65.000 Mitarbeiter. Auch wenn verschiedene Zweige der Musikwirtschaft stark durch freiberuflich Tätige oder Selbstständige geprägt sind, bilden zahlenmäßig die Musikeinzelhändler mit über 2.200 Betrieben die stärkste Gruppe, gefolgt von den Musik- und Tanzensembles mit knapp 1.800 sowie den Musikinstrumentenherstellern und Theater- und Konzertveranstaltern mit jeweils 1.200 bis 1.300 Unternehmen.
Stabile Lage trotz leichten Umsatzrückgangs
Nach Jahren der Stabilisierung und des Wachstums hatte die Musikwirtschaft einschließlich des Phonomarkts im Jahr 2008 (letzter Stand) mit einem steuerbaren Gesamtumsatz von 16 Milliarden Euro einen stagnierenden Zustand zu verzeichnen; insgesamt blieben die Umsätze mit einem Minus von 0,3 Prozent gegenüber 2006 fast unverändert.
Hinter dieser Entwicklung verbergen sich jedoch zum Teil stark gegenläufige Trends in den einzelnen Branchen. Während die privaten Theater- und Konzertveranstalter im Vergleichszeitraum hohe Zuwächse erzielen konnten, musste die Herstellung und Vervielfältigung von Tonträgern Verluste hinnehmen.
An der Spitze der Kernbranchen der Musikwirtschaft steht mit einem Umsatzvolumen von über 1,4 Milliarden Euro weiterhin der Tonträgermarkt, er liegt mit etwa 25 Millionen Euro Vorsprung vor den Theater- und Konzertveranstaltern. Nach einem Umsatzplus von 2006 auf 2008 von fast neun Prozent belegen diese nur mit geringem Abstand den zweiten Platz der umsatzstärksten Wirtschaftszweige, gefolgt vom Musikeinzelhandel, der im Jahr 2008 auf einem stagnierenden Niveau gegenüber 2006 verharrte.
Als Hauptgrund für den Umsatzeinbruch im Tonträgermarkt sieht die Branche den Rückgang der CD-Verkäufe, auch wenn diese sich mit rund 147,3 Millionen Alben im internationalen Vergleich noch immer auf beachtlichem Niveau bewegen. Die Zahl der Musikdownloads liegt aktuell bei 56,9 Millionen, das entspricht beinahe dem achtfachen Wert aus dem Jahr 2004. Die Umsätze im Bereich digitaler Musik-Downloads konnten so zwar in letzter Zeit enorm gesteigert werden, sie können die Rückgänge im physischen Verkauf jedoch noch nicht kompensieren.
Dennoch blickt die Branche optimistisch in die Zukunft. Grund dafür ist insbesondere die Entwicklung neuer Einnahmequellen. So geht ein verstärkter Trend zu so genannten 360-Grad-Modellen, bei denen die Grenzen der klassischen Wirtschaftszweige Musikverlage, Konzertveranstalter und Phonomarkt zunehmend fließender werden. Bereits heute haben die meisten Majors und Independent Labels einen eigenen Verlag, und sie erschließen zunehmend weitere Geschäftsfelder wie beispielsweise den Live-Entertainment-Bereich. Umgekehrt beginnen Veranstalter, auch im Phonomarkt aktiv zu werden.
Trotz der Umsatzstagnation im Jahr 2008 hat die Musikwirtschaft im engeren Sinn die Schwächeperiode zu Beginn des neuen Jahrtausends in einen positiven Entwicklungstrend umkehren können. Inwieweit die Branche allerdings von der aktuellen Wirtschaftkrise betroffen sein wird, werden erst die Auswertungen der nächsten Jahre zeigen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) ist in Deutschland ein bedeutender Kulturfaktor. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten durch Produktionsaufträge, Eigenproduktionen, Kompositionsaufträge und technische Innovationen die musikkulturelle Entwicklung in vielen Bereichen entscheidend mitgeprägt, z. B. in der Zeitgenössischen Musik, insbesondere auch in der Elektronischen Musik, in der Alten Musik, in Jazz, Folklore, anspruchsvoller Popularmusik und beim Chanson.
Ausgehend von der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Landesrundfunkanstalten organisiert. Die zwölf Sendeanstalten, darunter auch die bundesweit bzw. international empfangbaren Sender Deutschlandradio und Deutsche Welle, strahlen im Durchschnitt täglich 1.000 Stunden Musik aus.
Obwohl zwischen 2000 und 2008 die tägliche Hörfunknutzungsdauer der deutschen Bevölkerung an Wochentagen im Durchschnitt von 209 auf 176 Minuten leicht zurückging, ist das Radio nach wie vor unter den tagesaktuellen Medien eines der meistgenutzten Massenmedien. Insgesamt werden von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten 57 Programme gesendet, darunter 25 "gehobene" Informations- und Kulturprogramme. Letztere erreichten 2008 täglich 7,4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (= 4,8 Millionen Personen).
Der Musikanteil lag im Durchschnitt aller Anstalten im Jahr 2008 bei 62,5 Prozent. Den höchsten Musikanteil unter den ARD-Hörfunkprogrammen wies mit 76,7 Prozent der Saarländische Rundfunk auf, die niedrigsten Musikanteile wurden bei den drei bundesweiten Programmen des Deutschlandradios, die primär auf aktuelle Nachrichten und Hintergrundinformationen aus Politik und Kultur abzielen, und bei der Deutschen Welle als Auslandsrundfunk registriert. An Rock- und Popmusik strahlten der Saarländische Rundfunk (44,5 Prozent) und der Hessische Rundfunk (36,7 Prozent) im Verhältnis den größten Anteil aus, an Unterhaltungsmusik der Mitteldeutsche Rundfunk (33,7 Prozent), und den proportional größten Anteil klassischer Musik am eigenen Gesamtprogramm brachte Radio Bremen (22,5 Prozent).
Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem existieren in Deutschland zahlreiche private Rundfunkanbieter. Der private Rundfunk bestreitet seine Sendungen nahezu ausschließlich mit Popularmusik. Hinsichtlich der Nutzung liegen die Hörfunkprogramme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit 50,6 Prozent der Bevölkerung vor den privaten mit 40,9 Prozent.
Stand: 23. August 2011