Streichquartettwochen mit Walter Engelmann - Kurs 6
Beschreibung: 1. Joseph Haydn, Streichquartett Es-Dur, op. 76.6
Haydn komponierte seine letzte Serie von sechs Quartetten im Jahr 1797 für den Grafen Erdödy, im gleichen Jahr wie sein Oratorium "Die Schöpfung".
Das anspruchsvolle, eher intellektuelle als volkstümliche Quartett op. 76.6 wird verhältnismäßig wenig gespielt.
Der erste Satz (Allegretto) ist im Gegensatz zu den meisten Quartetten Haydn's ein Variationssatz.
Dann folgt ein harmonisch großer Sprung von Es-Dur nach H-Dur (zunächst nur intern vorgezeichnet). Dieser zweite Satz, ein mit "Fantasia" überschriebenes Adagio im 3/4-Takt ist einer der singulären Sätze, die nirgendwo eine Parallele haben. Ein weiter Tonartenraum wird durchschritten: Fantasie im vollen Sinn des Wortes!
Das Menuett (Presto) ist in seinem Charakter ein echtes Scherzo. Im mit "Alternativo" bezeichneten Trio wird einfachstes thematisches Material, eine auf- und absteigende Tonleiter, meisterhaft kontrapunktisch umspielt.
Das wie atemlos einsetzende Finale (Allegro spiritoso) nimmt die Tonleiterbruchstücke thematisch wieder auf. Ein ganz einfaches Thema, aber wie entwickelt es der Meister: "avec esprit"!
(empfohlene Notenausgabe: Henle)
2. Antonin Dvořák, Quartett E-Dur, op. 80
Das vom 20.1. bis 4.2. 1876 geschriebene Quartett in E-Dur ist Dvořák's erstes voll ausgereiftes Werk dieser Gattung und leitet die Reihe seiner sieben "Meisterquartette" ein. Nach seiner Zählung hatte es die Opuszahl 27, erst bei der Herausgabe 1888 erhielt es vom Verleger Simrock die Opuszahl 80.
Das Werk enthält alle Kennzeichen des Dvořák'schen Stils: fein ineinander verflochtene individualisierte Stimmen, kernige rhythmische Polyphonie und die slawische Färbung der musikalischen Einfälle mit Anklängen an den späteren Typus der Dumka.
Für manchen Musizierer mag die Tonart E-Dur abschreckend wirken, aber wenn z. B. Bratschisten im ersten Satz bei Buchstabe G das "dis" als "es", das "cisis" als "d" und ein "eis" als "f" lesen, die Töne somit enharmonisch verwechseln, kommen die einfachsten, oft gespielten Tonkombinationen heraus. Also fasse man Mut, es lohnt sich, dieses Meisterwerk kennenzulernen!
(empfohlene Notenausgabe: Simrock)
Kursleiter: Walter Engelmann, Frederike Bertschi, Barbara Curt, Adelheid Ettl, Michele Herbig, Thilo Herter, Heinz Mederer, Jessica Kuhn, Johannes Platz, Rudolf Schnabel, Stephan Seebass, Beatrix Seidlitz
Zusatzinformationen: Die Kursgebühren sind abhängig vom Veranstaltungsort. Sie beinhalten die Unterbringung im Einzelzimmer, Vollpension (4 Mahlzeiten pro Tag) und die musikalische Betreuung (25 Stunden betreutes Ensemblespiel, 5 Stunden Kammerorchester).