Verehrte Leserinnen und Leser!

Mit den Zeitschriften ist es wie mit gutem Wein: in die Jahre gekommen werden sie wertvoll und lagerungswürdig. Gerade deshalb müssen wieder neue Trauben gepflückt werden, gespannt auf deren besonderen, gerade aktuellen Geschmack.

Dem Ehrenpräsidenten des Deutschen Musik-rates, Herrn Prof. Dr. Richard Jakoby, gebührt das unschätzbare Verdienst, die Zeitschrift des Deutschen Musikrates über fast 30 Jahre hinweg auf -qualitativ hohem Niveau und in -ansprechender Weise gemein-sam mit den jeweiligen Generalsekre-tären und der Redaktion herausgegeben zu haben. Ich danke ihm herzlich für sein Vertrauen, die Schrift-leitung seitens des Präsidiums in meine Hände übergeben zu haben.
Das Musikforum braucht brisante Themen, kritische Leser und Diskussionen. Es möchte weiterhin gehaltvolle Beiträge auf einem sich täglich verändernden musikpublizistischen Markt erkennbar und wettbewerbsfähig veröffentlichen und zugleich über aktuelle musikpolitische Themen und Ereignisse berichten. Ihre Anregungen dazu nimmt die Redaktion gern entgegen.

Bleiben Sie gespannt auf das Neue und genießen Sie manchen auch noch nach Jahren erquickenden Beitrag!

Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Ulrike Liedtke
 

FILMMUSIK - MUSIK DER ZUKUNFT

VORWORT

Musik für den Film? Kommt sie nicht immer zu kurz gegenüber Sprache und Bildern? Reizt das den „seriösen“ Komponisten? Die Ansichten sind unterschiedlich und diskussionsbedürftig, die Fallbeispiele überzeugend, Ausbildungsmöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen erweisen sich als unzureichend und kompliziert. Die Situation der Filmmusik entspricht keineswegs dem hohen gesellschaftlichen Interesse an Film.
Neue Musik im Film wird akzeptiert (zu Bildern neuer Weltraumtechnik spielt niemand eine Haydn-Sinfonie ein), während Konzertveranstaltungen ausschließlich Neuer Musik wenig besucht bleiben. Die einen schimpfen über mangelndes Publikumsverständnis oder beklagen eine Krise
der Kunstentwicklung überhaupt. Andere träumen noch immer oder wieder neu vom „Gesamtkunstwerk“, hier in der Verknüpfung computertechnisch hergestellter Kunstformen für Bild, Text und Ton. Filmmusik kann Grenzbereiche zwischen Instrument und Elektronik, Klang und Sprache auflösen, daneben Möglichkeiten des Stilpluralismus, der Simultane und Collage bieten. Dabei ändert sich die Rolle des Komponisten erheblich.
Und: die Musik wird nicht nur ein Mal aufgeführt! Filmmusik also als eine Musik mit Zukunft? Ja, als eine der möglichen neuen Musizierformen im Zeitalter der Digitalisierung. Vielleicht wirft das vorliegende Musikforum mehr Fragen auf als es Antworten gibt. Filmmusik ist ein noch junges Thema. Musik für das Fernsehen, Musikvideos oder der Musikfilm bedürfen einer besonderen Betrachtung.


erschienen in: Musikforum H. 94/2001