Musik bringt Geld, Musik
braucht aber auch welches, um erklingen zu können. Unter allen Künsten
scheint Musik heute die spektakulärste, werbewirksamste und am weitesten
verbreitete zu sein, aber auch die aufwändigste mit den längsten
Aus-bildungszeiten und den meisten Menschen für ein Aufführungsprojekt.
Schwer lässt sich der persönlichkeitsbildende Gewinn aus der
Beschäftigung mit Musik in Zahlen darstellen, eher schon der teure
Geigenunterricht von der ersten Stunde bis zum professionellen Engagement
oder das Konzertmanagement mit seinen Einnahmen und Ausgaben. Dieses permanente
Wechselverhältnis zwischen Musik und Geld geht einher mit Fehleinschätzungen,
falschen Erwartungen und manchmal auch zu hohen Gagen. Es wäre realitätsfern,
nicht zu sehen, dass wir uns mit unserer Musik längst auf einem Marktplatz
bewegen. Da wird Musik verkauft, als Klangereignis, als Druckerzeugnis,
als Tonträger, als Urheberrecht. Dem geht der Kauf von Instrumenten
voraus, die regelmäßig gegen Geld gewartet oder gar gestimmt
werden müssen. Ganze Wirtschaftszweige leben von Musik und nutzen
ihre Wirkung – für das Geschäft mit den Charts, zur Produktwerbung,
zur Etablierung von „Marken" nach ausgeklügeltem Marktforschungs-konzept.
Musik wird Tauschobjekt in Funk und Fernsehen; sie übernimmt öffentlich-rechtliche
Aufgaben wie die „Förderung der kulturellen Identität und Vielfalt."
Immer wieder diskutiert: wird auch Musik als Standort- oder Wirtschaftsfaktor:
Beethoven nützt Bonn noch heute, nach Verlust des Hauptstadtbonus'
wieder neu und anders. Der digitalisierte Beethoven zieht mehr junge Menschen
an, das Beethovenfest und institutionalisierte Nach-folgeeinrichtungen
entwickeln sich zum touristischen Zugpferd. Allerdings verpflichtet Erbe
auch, und Musik muss erst entstehen, ehe sie auf den Markt kommen kann.
Also wandern wir auf einem schmalen Grat zwischen künstlerischem Anspruch
und wirtschaftlicher Notwendigkeit.
Peter
Bendixen findet einen positiven Ansatz: Musik entsteht durch Kommunikation,
Wirtschaft ebenso – als Handlungsmöglichkeit für die Erzeugung
von Musik und für ihre Verbreitung. Das heißt auch, dass Handlungen
der Wirtschaft beeinflussbar sind. Das Wohl und Wehe der Musik, ihre Ausführung
und Weiterentwicklung allein einer sich selbst regulierenden Wirtschaft
zu über-lassen, wäre fatal. Der weit verbreiteten Eventkultur
z. B. nichts entgegensetzen zu wollen, käme der Resignation gestaltenden
Kunstverstandes gleich. Demzufolge wird der Dialog zwischen Musik und Wirtschaft
künftig in stärkerem Maße herzustellen sein, um auf beiden
Kommunikationsebenen ebenso musikalischen Sachverstand und künstlerische
Intensionen wie wirtschaftliches Kalkül einbringen zu können,
auch um Fehleinschätzungen zur Leistungsfähigkeit privater Förderung,
unrealistischen Einnahmeerwartungen und unsittlichen Honorar entwicklungen
entgegenwirken zu können. Musik wird auch weiterhin sowohl öffentliche
als auch privat finanzierte Förderprogramme, Konzertförderung,
Stipendien, Auslandsaufenthalte, Instrumentenausleihe, spezielle Nachwuchs-und
Spartenförderung, Medienpartnerschaften sowie die für alle notwendige
Öffentlichkeitsarbeit benötigen. Aber das Verhältnis zwischen
Musik und Wirtschaft verändert sich – und bietet Gestaltungsspielraum.
In regelmäßigen
Abständen beschäftigen sich Musikzeitschriften mit dem Thema
„Musik und Wirtschaft", auch diese Zeitschrift tut dies nicht zum ersten
Mal. Zahlreiche unterschiedliche gedankliche Ansätze sind möglich.
Grundüberlegungen zum Thema liefert inzwischen das „Handbuch der Musikwirtschaft"1.
Die vorliegenden Textbeiträge stellen Fallbeispiele dar, aktuell und
diskussionsfreudig.
Ulrike Liedtke