Der Musikverlag Friedrich
Hofmeister, einer der ältesten Musikverlage der Welt, wurde 1807 von
dem gleichnamigen Friedrich Hofmeister in Leipig gegründet. Angegliedert
wurden bereits im gleichen Jahr ein Buchverlag sowie ein Leihinstitut für
Musikalien.
Gleichzeitig
gründet Hofmeister eine Kommissionsabteilung, durch die er im Laufe
der Zeit bedeutende Verlage des In- und Auslandes, wie Hug & Co (Zürich),
Ricordi (Mailand), August Cranz (Hamburg) in Leipzig vertritt. Einige Zeit
später folgt der Handel mit Musikerporträts und mit Klavieren
eigener Fabrikation an. Dies war der Anfang des Friedrich Hofmeister Musikverlages,
der sich bis heute im Besitz der Familie des Gründers befindet.
Im Februar
1852 überträgt Friedrich Hofmeister den Verlag seinen Söhnen
Adolph Moritz (1802– 1870) und Wilhelm Friedrich Benedict (1824– 1877).
Vor allem Adolph Hofmeister führt in der Zukunft den Verlag weiter,
während sich Wilhelm zunehmend den Naturwissenschaften widmet, 1863
Leipzig verlässt, um eine Professur in Heidelberg und ab 1872 in Tübingen
anzunehmen und zu einem der führenden Naturwissenschaftler seiner
Zeit wird. Die Hofmeister-Straße, in der Nähe des Leipziger
Hauptbahnhofes ist nach ihm benannt. Über die Nachkommen Wilhelm Hofmeisters
vererbt sich das Geschäft an den Urenkel des Gründers, an Carl
Wilhelm Günther (1878– 1956) weiter. Angeklagt wegen Steuerhinterziehung
kann er noch rechtzeitig fliehen, wird 1952 widerrechtlich durch die SED-Regierung
enteignet, in Abwesenheit zu Zuchthaus verurteilt und sein gesamter Besitz,
beschlagnahmt. Mit über 70 Jahren beginnt er in Frankfurt mit dem
Wiederaufbau des Verlages. Gleichzeitig besteht die Firma in Leipzig als
VEB Friedrich Hofmeister (Volkseigener Betrieb). 1964 – nach dem Tode der
Witwe, Eva Günther – geht der Verlag in Erbfolge an den Neffen Karl
Heinz Schwarze über.
1992
erfolgt nach Schwierigkeiten mit der Treuhand die Restitution des ehemaligen
VEB-Verlages und auch des Gebäudes an Karl Heinz Schwarze. Der Verbleib
des Buch- und Kunstbuchverlages Schmidt & Günther mit den entsprechenden
Vermögenswerten, ebenfalls 1952 enteignet, ist formal nicht mehr nachvollziehbar
und bleibt verschwunden.
Nach
der kompletten Sanierung des völlig heruntergewirtschafteten Hauses
wird im Juni 1996 die endgültige Rückkehr des Verlages an seinen
Gründungsort Leipzig vollzogen. Er ist damit der einzige Verlag, der
nach der Wende wieder vollständig an seinen Gründungsort residiert.
Friedrich Hofmeister war eine außerordentlich vielseitige Persönlichkeit,
die sich auch nachdrücklich für allgemeine Belange der Verleger
und Musikalienhändler einsetzte. Er war ein energischer Verfechter
des Urheberschutzes. Auf sein Betreiben hin wurde im Jahr 1829 die Conventional
Acte zum Schutz gegen unerlaubten Nachdruck von allen führenden
Musikverlegern der Zeit unterzeichnet und gleichzeitig der Verein der
Musikverleger gegen musikalischen Nachdruck gegründet,
aus dem später der Deutsche Musikverleger Verband (DMV) hervorgeht.
Fast drei Jahrzehnte war Friedrich Hofmeister General-Sekretär des
Vereins. Auch ist es seinem Bemühen zu verdanken, dass die Musikverleger
dem 1825 gegründeten Börsenverein im Jahre 1834 endlich gleichberechtigt
beitreten konnten.
Untrennbar
verbunden ist der Name Hofmeister auch mit der Herausbildung des deutschen
Biblio graphiewesens, und das zu einer Zeit, in der es weder eine Pflichtabgabeverordnung
für Neuerscheinungen noch ein Kommunikationssystem gab. Seit 1819
druckte er zunächst einige Nachträge zu dem von Carl Friedrich
Whistling herausgegebenen Handbuch der musikalischen Literatur,
und – anknüpfend daran – publizierte er seit 1829 die Musikalisch-Literarischen
Monatsberichte sowie deren Zusammenfassungen, die Jahresverzeichnisse
der Musikalien und Musikschriften, die noch bis 1990 erschienen (ab
1943 in Partnerschaft mit der Deutschen Bücherei, Leipzig).
Die Persönlichkeit
Hofmeisters bliebe unvollständig gewürdigt, wollte man nicht
auch seiner besonderen menschlichen Qualitäten gedenken: zu vielen
Komponisten baute er über die geschäftlichen Kontakte hinaus
Freundschaften auf, die jahrelang währten. Vielen damaligen Zeitgenossen
gab er die Möglichkeit einer Erstveröffentlichung ihrer Frühwerke.
Bereits in den frühen Verlagsverzeichnissen waren alle wichtigen Komponisten
der Zeit vertreten. Neben vielen Aktivitäten im Wohltätigkeitsbereich
legte Hofmeister einen Botanischen Garten in Reudnitz an, den er später
auch der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Von Anfang
an war ein Schwerpunkt des Verlages, neben Werken der Haus- und Kammermusik
auch spezielle Ausgaben für den Unterricht zu veröffentlichen.
Das Interesse des Verlages galt von Anfang an dem Publikum für die
Liebhabermusik sowie Beginn der regulären Ausbildung an Schulen und
Konservatorien. Auf diesem Gebiet hat er viel Grundlegendes geschaffen.
Zahlreiche Schul- und Studienwerke für verschiedene Instrumente –
viele davon aus der frühesten Zeit des Verlages – belegen dies. Einige
Schulen sowie zahlreiche Etüdenwerke aus dem 19. Jahrhundert gehören
heute noch immer zur Standardliteratur für die Instrumentalausbildung.
Es spricht
für den Weitblick des Gründungs- Verlegers, dass sich am Profil
des Programmes nie Grundsätzliches geändert hat. Das Repertoire
wurde bereichert, wobei natürlich die jeweiligen Zeitströmungen
Art und Auswahl der Ausgaben prägten und man stets versuchte, neue
Ideen zu verwirklichen. Eine der erfolgreichsten Ausgaben des Verlages
war die heute noch bekannte Liedersammlung Der Zupfgeigenhans. Allein
1920 wurde er in einer Auflage von 120.000 Exemplaren gedruckt.
Die Verlagspolitik
zu DDR-Zeiten führte dazu, dass das Titelangebot bei Hofmeister reduziert
wurde, Titel nicht mehr aufgelegt oder aus Gründen des Exports an
den Deutschen Verlag für Musik weitergegeben wurden – das Resultat
unterschiedlicher Rechtsauffassungen zwischen West und Ost. Die so herbeigeführte
Ausdünnung des Programms hat selbstverständlich dem Ruf des Verlag
geschadet, Komponisten sind weggegangen oder hatten vor der Wende kein
Interesse im VEB Hofmeister zu veröffentlichen.
Nach
der Wende war daher einer der ersten Schritte, dem Verlag wieder das Profil
zu geben, dass ihn zuvor ausgezeichnet hatte. Bereits vor der offiziellen
Rückübertragung wurde der VEB-Katalog gesichtet und es wurde
begonnen, dem Verlag durch spezielle Instrumtenten-Schwerpunkte wieder
ein Profil zu geben. Vorhandene Schulen wurden überarbeitet und dem
aktuellen Standard angepasst. Neue Schulen wurden projektiert, da der Schwerpunkt
Unterrichtsliteratur auch weiterhin maßgebend bleiben soll.
Zudem
besitzt der Verlag ein fast vollständiges Archiv seit dem Gründungsjahr
1807, mit wertvollen Originalen und Stichen, auf das er zurückgreifen
kann. Zu Unrecht vergessene Komponisten des 19. Jahrhundert werden neu
überarbeitet der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.
Heute
umfasst das Verlagsprogramm Ausgaben für nahezu alle Orchesterinstrumente,
für Blockflöte, Klavier, Orgel, Mandoline und Akkordeon, sowie
ein umfangreiches Angebot an Chorliteratur. Das jetzt aktuelle Verlagsprogramm
ist jederzeit einsehbar unter: www.hofmeister-musikverlag.com
Einen
besonderen Schwerpunkt bilden die Orchesterstudien für alle Instrumente,
die seit vielen Jahrzehnten als Hofmeister Orchesterstudien in der
Musikwelt bekannt sind. Während der VEB-Zeit wurde mit dieser Tradition
gebrochen, doch seit der Wende werden die entstandenen Lücken geschlossen.
Vor einiger Zeit wurde ein neues ehrgeiziges Projekt auf diesem Gebiet
ins Leben gerufen: Eine chronologisch geordnete Sammlung von Orchesterstudien
aus Werken der Weltliteratur von Bach bis zur Gegenwart für das Fagott:
In Umfang und Konzeption einzigartig.
Der Hofmeister-Verlag
zeichnet sich durch Offenheit und Flexibilität gegenüber Neuem
aus. Der traditionsreiche Verlag besitzt ein junges Team. So wird eine
fast 200jährige Tradition gepaart mit jungen Ideen. Die jüngsten
Initiativen des Verlages sind daher nicht nur geprägt vom Ausbau des
vorhandenen Programmes, sondern auch vom Enga gement für zeitgenössische
Komponisten. Zeitgenossen mit gemäßigt-modernen Kompositionen
finden zunehmend Aufnahme in den Verlag. Nach Möglichkeit werden eingesandte
Manuskripte auch gern im Verlag durchgespielt.
Neben
der traditionellen Rolle des Verlages bildet sich zunehmend auch eine weitere
Funktion für den Musikverlag heraus. Das Produzieren des Notenmaterials
durch den Verlag allein kann den Komponisten auf lange Sicht nicht mehr
genügen. Dafür brauchen sie künftig keine Verlage mehr.
Die Entwicklung im Computernotensatz, d. h. das Entwickeln von Software,
die für jeden erschwinglich und auch beherrschbar ist, kann den Verlagen
auf lange Sicht ihre originäre Tätigkeit beschneiden.
Deshalb
will der Verlag gemeinsam mit den Komponisten eine Öffentlichkeit
schaffen, die sich jenseits der Printmedien befindet. Gemeint sind die
Intensivierung des eigentlichen Kerngeschäfts der Verlage, das Akquirieren
von Aufführungsmöglichkeiten, das Knüpfen von Beziehungen
im Kulturbereich und natürlich vor allem das intensive Bewerben der
neuen Werke, die der Komponist in der Form nicht realiseren kann.
Als entscheidender
Vorteil gegenüber den größeren Verlagshäusern erweist
sich hier einmal mehr, dass der kleiner dimensionierte Privatverlag schneller
und flexibler auf solche funktionalen Verschiebungen reagieren kann. So
wurden verschiedene Projekte entwickelt, um sich den veränderten Ansprüchen
der Autoren (Komponisten, Bearbeiter und Herausgeber) an ihren Verlag zu
stellen. Der Rahmen bewegt sich entsprechend des Verlages zwischen Klassik
und Moderne
Stefanie Schwarze ist seit 1996 Geschäftsführerin des Musikverlages Friedrich Hofmeister. Im März 2002 hat sie den Verlag verantwortlich übernommen.