KLAUS JÜRGEN KAMPRAD
EIN NEUER VERLAG IN ALTENBURG

In Zeiten der Konzentration nicht nur im Wirtschaftsbereich allgemein, sondern auch in der Medienwirtschaft entstehen Nischen bisweilen größeren Ausmaßes. Diese werden von den wachsenden und zu Zusammenschlüssen neigenden Oligopolisten nicht mehr bedient – ob die Marktakteure es nicht können, es nicht wollen oder beides, unterliegt von Fall zu Fall unterschiedlichen Konstruktionen –, so dass es zur Verarmung der Medienlandschaft kommen würde, wenn – ja wenn es nicht kleine Unternehmen gäbe, die sich in eben solchen Nischen positionieren und dafür sorgen, dass das Medienfeld auch weiterhin in bunt schillernden Farben leuchtet, auch wenn einige der Farbwerte nur als einzelne und wenig leuchtkräftige Tupfer vorhanden sind. Die Witterungsbedingungen auf diesem Feld und in seiner Umwelt tun in vielen Fällen ihr Übriges dazu, eher monochrome Flächen zu erzeugen. Die teilweise dramatischen Umsatzeinbrüche auf dem von Me-Too-Produkten nur so überschwemmten Markt für klassische CDs seien nur als ein Beispiel für die Stürme in der Medienlandschaftangeführt.
    Wie man als kleines Unternehmen mit großer Konsequenz daran arbeitet, die Anzahl und die Leuchtkraft seiner Tupfer auf dem Medienfeld zu erhöhen und den bisweilen widrigen Umweltbedingungenzu trotzen, das lässt sich seit gut einer Dekade in der ostthüringischen Stadt Altenburg, als Geburtsort des Skatspiels nicht nur in Deutschland bekannt, beobachten. Drei Unternehmen, der Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, das Klassiklabel querstand und der E. Reinhold Verlag, sind mit ihren zahlreichen Kooperationspartnern an diesem Szenario maßgeblich beteiligt.
    Der Musikwissenschaftler Klaus-Jürgen Kamprad gründete am 1. Oktober 1993 den Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, um mit diesem in Zukunft den Musikalienverlagsmarkt nicht unbedingt zu revolutionieren, aber ihm einige neue Facetten hinzuzufügen. Von den drei Produkthauptlinien Bücher/ Broschüren, Musikalien und Noten gewann die erstgenannte bald die Oberhand, nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Leipziger Musikwissenschaftler Thomas Schinköth und der ebenfalls in Leipzig beheimateten Ephraim-Carlebach-Stiftung. Aus dieser Kooperation entwuchs eine ganze Serie musikwissenschaftlicher Bücher, die sich mit Aspekten der mitteldeutschen Musikkultur bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befasste. Der Band Jüdische Musiker in Leipzig 1855– 1945 (1994) bildete den Anfang dieser Serie. Dagegen trat die anfangs in umfangreicherem Maße geplante Produktion von Noten, die mit Jürgen Golles Sieben Präludien begonnen hatte, etwas in den Hintergrund, wobei neben ökonomischen Gründen vor allem der Zeitfaktor eine Rolle spielte: Bis 1998 mußte der Verlag als Einpersonenunternehmenarbeiten. Erst dann gelang es, eine zweite Stelle, für die die anfallende Arbeit längst ausgereicht hätte, auch solide gegen zu finanzieren. Seitdem wächst der Personalbestand allerdings stetig und mittlerweile arbeiten zehn Mitarbeiter in den Verlagsbüros in Altenburg und in einer selbständigenAußenstelle in Leipzig.
    Einzelne Regionalliteraturprojekte des Verlages Klaus-Jürgen Kamprad wurden ab Mitte 1999 in den zu dieser Zeit von Klaus-Jürgen Kamprad erworbenen E. Reinhold Verlag eingegliedert. Statt dessen konzentrierte man sich unter dem Kamprad-Signet wieder auf musikwissenschaftliche Literatur, die man mit zahlreichen Kooperationspartnernerfolgreich auf den Markt brachte. Seit 1997 erscheinen im Verlag Klaus-Jürgen Kamprad die Freiberger Studien zur Orgel (ab Band 5) der Gott-fried- Silbermann-Gesellschaft Freiberg. In dieser Publi ka tions reihe stellen die Mitglieder dieser Gesellschaftihre Forschungsergebnisse vor und reflektieren ihre Symposien. 1998 begann der Verlag eine Kooperation mit dem Mitteldeutschen Rundfunk, die zunächst in den aus Anlass des 75jährigen Bestehens dieser Rundfunk anstalt entstandenen Büchern Mitteldeutscher Rundfunk – Die Geschichte des Sinfonieorchesters und Mitteldeutscher Rundfunk – Radio-Geschichte(n) Früchte trug. 1999/ 2000 zählte auch das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik zu den Kooperationspartnerndes Verlages und dokumentiertein zwei Büchern einzelne Aspekte seiner Tätigkeit.
    Zwei namhaften Musikwissenschaftlern wurde durch ihre Freunde eine ganz besondere Ehrung zuteil: Jeweils zu ihrem 70. Geburtstag erschienen im Verlag Klaus-Jürgen Kamprad Festschriften für den 2001 verstorbenen Leipziger Musikprofessor Hans Grüß (1999) sowie seinen Dresdner Kollegen Wolfram Steude (2001). Für die noch nicht so bekannten Musikinteressierten widmete sich der Verlag 1998 der Musikpädagogik mit dem Titel Vor-ABC der Pianistik von Sigrid Lehmstedt. Letztendlich erschloss der Verlag 2001 in Koope ration mit dem Chemnitzer Verlag auch das Medium Hörbuch, dessen erstes Exempel auf den schaurigen Titel Der Frauenrumpf im Mühlenwehr hört und Kriminalgeschichtenaus dem Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadtder vergangenen Jahrzehnte beinhaltet.
    Auch für die Zukunft gehen dem Verlag weder Themen noch Ideen aus. Auf dem musikpädagogischen Sektor wird die Klavierschule von Günter Philipp eine komplett überarbeitete Neuausgabe erfahren. Einem interessanten Thema der mitteldeutschen Musikgeschichte widmet sich das Buch Musikstadt Dessau. In Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Rundfunk schließlich ist eine allumfassende Beleuchtung des Genres Filmmusik geplant. Zum anfänglichen Produktspektrum, das unter dem Signet des Verlages Klaus-Jürgen Kamprad erschien, gehörten auch Klassik-CDs. Allerdings erwies es sich schon bald als sinnvoll, diesen ein eigenes Label zu widmen. So werden seit 1994 alle klassischen CD-Einspielungen unter dem Label querstand veröffentlicht. In der Frühzeit noch mit Sebastian Panks Leipziger Label Raumklang kooperierend, entwickelten beide Labels bald unabhängige Profile. querstand realisiert generell sowohl Auftragsproduktionen für Orchester, Künstler, den Rundfunk etc. als auch EigenregieProduktionen aus allen Genres und Subgenres der klassischen Musik. Anfang 2001 erschien zudem die erste DVD, Johann Sebastian Bach – Leben und Werk, mit ihrer zusammenhängenden Behandlung aller Lebensstationen des großen Thomaskantors, abgedreht an Originalschauplätzen und mit exklusiven Musikvideos u. a. des Thomanerchores Leipzig bestückt, eine Weltneuheit bildend. Diese DVD transportiert ihre Inhalte jeweils viersprachig: Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch in der PAL-Variante sowie Japanisch anstelle Deutsch in der NTSC-Version.
    Als mitteldeutsches Label hat man einen nicht unerheblichen Standortvorteil: Man sitzt mitten zwischen Jahrhunderten reichster Musiktradition, die sich beileibe nicht auf Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann beschränkt. querstand verstand es von Anfang an, mit diesem Pfund zu wuchern. Nicht umsonst spielte der Altenburger Schlossorganist und Vizepräsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft, Felix Friedrich, auf der ersten, noch unter dem Kamprad-Signet erschienenen CD Orgeln im Altenburger Land, zu der es einen kleinen Bildband aus dem Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, quasi als Begleitbuch, gibt. Aus diesem Projekt entwickelte sich schnell eine Serie, die verschiedene Orgeln eines Gebietes in ihrer ganz individuellen Art jeweils auf einer CD vereint: Orgeln in Leipzig, Orgeln in Dresden, Orgelnin Köln, Orgeln in Bremen oder als jüngstes Kind Orgeln im Hannoversch Mündener Land. Und dabei wird es sicherlich nicht bleiben – weitere gleichartige Teile schlummern schon in den Hinterköpfen.
    Überhaupt bildet Orgelmusik – neben Kammermusik – einen besonderen Schwerpunkt des Labelprofils. Oftmals sind es quasi Orgelmonographien, die das jeweilige Instrument in seiner ganzen Klangfülle und Variabilität vorstellen, wie etwa die Silbermann-Orgel in Schloss Burgk an der Saale oder die im Bachjahr 2000 in der Leipziger Thomaskirche eingeweihte Orgel von Gerald Woehl nach einer Disposition von Johann Christoph Bach. Andere CDs unterliegen thematischen Gesichtspunkten oder stellen einen bestimmten Organisten vor. So gab der hoffnungsvolle Bachpreisträger des Jahres 2000, Johannes Unger aus Leipzig, im Jahre 2001 sein CD-Debüt mit einer Einspielung von Werken Bachs, Mozarts und Mendelssohns an der Silbermann-Orgel der Georgenkirche zu Rötha, und dies wird nicht seine einzige CD bei querstand bleiben.Damit ist die Brücke zu einem sehr wichtigen Aspekt der Labelarbeit geschlagen: querstand widmet sich dem Aufbau junger Interpreten des mitteldeutschen Raumes. Wer, wenn nicht die kleineren Labels „vor Ort", der „Underground" sozusagen, sollte sich dieser Aufbauarbeit sonst widmen? Johannes Unger ist nur ein Beispiel für junge Künstler, die mit dem Label wachsen, wobei Künstler und Label einer wechselseitigen Befruchtung unterliegen. Als weitere Beispiele seien die aus ehemaligen Mitgliedern des Leipziger Thomanerchores bestehenden Ensembles Amarcord sowie Calmus angeführt, die beide ihre ersten CD-Schritte bei querstand unternommen haben.
    Natürlich kommt das Label aber auch nicht ohne die „altbewährten" Kräfte unter den Künstlernaus. Felix Friedrich hat längst eine zweistellige Anzahl an Aufnahmen bei querstand vorzuweisen und ist zudem federführend an zwei großartigen CD-Reihen beteiligt. Zum einen wäre da die Serie Johann Ludwig Krebs – complete works for organ. Der Bachschüler Krebs, von dem man sagte, dass in diesem großen Bache nur ein einziger Krebs gefangen worden sey, wirkte fast ein Vierteljahrhundert an der großen Trost-Orgel in der Altenburger Schloss kirche – exakt dem gleichen Instrument, das nunmehr die „Hausorgel" von Felix Friedrich darstellt. Gegenüber anderen Komplettaufnahmen des umfangreichen Krebsschen Orgelschaffens hat die von Felix Friedrich mit wechselnden Gästen getätigte Einspielung den Vorteil der historischen Echtheit, da sie an Instrumenten erfolgte, wo Krebs entweder selbst tätig war oder deren Typus er zumindest genau kannte. 10 CDs wird diese 1997 begonnene Serie nach der für 2002 geplanten Vollendung umfassen, von denen die ersten 8 bereits erhältlich sind.
    Die zweite große Serie ist in einem ähnlichen Umfeld angesiedelt: Anlässlich der 250. Wiederkehr des Todestages des berühmten Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann im August 2003 sollen alle seiner noch erhaltenen und spielbaren 32 Instrumente vorgestellt werden. Acht renommierte Organisten, allesamt Koryphäen im Umgang mit mitteldeutscher Musik des Silbermann-Umfeldes – ausschließlich solche wird auf den CDs zu hören sein, dabei sowohl bekannte als auch unbekanntere Komponisten – dokumentieren jeweils vier Orgeln auf einer CD. Von den acht CDs werden diejenigen mit Ewald Kooiman, Felix Friedrich, Jean Ferrard und Martin Haselböck im Jahre 2002, die mit Ullrich Böhme, Wolfgang Baumgratz, Dietrich Wagler und Hansjoachim Scholze im Jahre 2003 erscheinen. Zudem ist eine DVD mit dem Arbeitstitel Die BrüderSilbermann und ihre Zeit geplant.
    Allen querstand-CDs ist eines gemein: die geschmackvolleAusstattung. Keine Einheitscover,keine durch Aussagelosigkeit glänzenden zweiseitigen Booklets – statt dessen ansprechende Gestaltung, Informativität und in den allermeisten Fällen mindestens zweisprachiger Booklettext. Der individuelle Charakter einer jeden CD manifestiert sich auch in ungewöhnlichen Aufnahmeorten. So wurde beispielsweise die CD Südafrikanische Orgelmusik stilecht in Pretoria eingespielt, während das ThüringerSalonquintett eine Live-CD mit Wiener Kaffeehausmusik in Sioux Falls, South Dakota mitschnitt.

Eine geschichtliche Rückblende macht sich notwendig, wenn wir vom E. Reinhold Verlag sprechen wollen. Die Existenz freier und unkontrollierter Medien in der DDR war nur in winzigen Nischen und/ oder unter dem Dach der Kirchen möglich. Erst mit dem Tauwetter der Wendezeit ergaben sich Chancen, dem Einheitsbrei der staatlich gelenkten Medien ein Gegengewicht zu präsentieren. Eckhart Reinhold packte diese Gelegenheit in Altenburg beim Schopfe und gründete am 26. Januar 1990 den E. Reinhold Verlag. Dieser diente anfangs nur der Herausgabe des Altenburger Wochenblatts, des ersten unabhängigen Altenburger Periodikums nach Jahrzehnten der Gleichschaltung. An dieser etwa zwei Jahre lang erscheinenden Publikation wirkte u. a. der heute weithin bekannte Schriftsteller Ingo Schulze mit.
    Schnell gesellte sich zum Altenburger Wochenblatt aber ein anderer Zweig: Regionalliteratur über Altenburg und das Altenburger Land war zu DDR-Zeiten nur in geringem Maße erschienen; die Heimatinteressierten dürstete es förmlich nachneuem Material aus diesem Bereich. Somit begann der E. Reinhold Verlag noch 1990, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Erster Titel war ein Reprint der Beschreibung der Residenzstadt Altenburg undihrer Umgebung von Julius Löbe, original Ende des 19. Jahrhunderts erschienen. Dieser wie die nachfolgenden Titel Bummeln durch die Residenz, SchönesAltenburger Land oder Kunz von Kauffungen wurden dem Verlag förmlich aus der Hand gerissen. Als Dauerbrenner entpuppte sich Es war einmal in Altenburg mit historischen Fotos der Stadt, in der vor fast 200 Jahren spielfreudige Köpfe des Deutschen liebstes Kartenspiel, den Skat, erfanden. Natürlich agierte und agiert auch der E. Reinhold Verlag nicht im luftleeren Raum, sondern kooperiert mit zahlreichen Partnern. So erfolgte zwischen 1992 und 1997 gemeinsam mit dem Altenburger Schloss- und Spielkartenmuseum die Herausgabe des in diesem Museum archivierten Gesamtwerkes des Altenburger Wort- und Bildchronisten Christian Friedrich Schadewitz (1779– 1847) in drei Bänden und einem Registerband. Für die Geschichts- und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes gibt man seit 1993 deren Mitteilungshefte heraus. Mitglieder dieser Gesellschaft waren es auch, die 1991 die Wiederbelebung des Altenburger Geschichts- und Hauskalenders anregten, einer Art Jahrbuch des Altenburger Landes, das seit 1941 ruhte und dessen ältester nachgewiesener Jahrgang aus dem Jahre 1646 stammt. Seit dem Ende 1991 erschienenen 1. Jahrgang in neuer Folge gehört der Altenburger Geschichts- und Hauskalender als feste Größe in die Jahresplanung des Verlages und findet Jahr für Jahr seine Interessenten – leider hauptsächlich in den älteren Bevölkerungsschichten. Die Heranführung junger Lesergenerationen nicht nur an dieses Exempel der Regionalliteratur bleibt eine Daueraufgabe für die Zukunft.
    Da sich der Verlagsgründer Eckhart Reinhold ab 1996 stärker seiner Liebe zum Theater zu widmen begann, übernahm sein Bruder Albrecht Reinhold 1998 den E. Reinhold Verlag, konnte sich bedingt durch seine Verpflichtungen in Altenburgs größter und traditionsreichster existenter Buchhandlung, der Schnuphase'schen Buchhandlung, der Verlagsarbeit aber nicht im notwendigen Maße widmen, so dass Klaus-Jürgen Kamprad den E. Reinhold Verlag am 1. August 1999 erwarb. Unter seiner Regie blühte die Verlagsarbeit schnell auf. Zudem wurde der Versuch unternommen, den Verlag über die bisherige räumliche Beschränkung hinaus zu einem Regionalverlag für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu profilieren. Dies gelang mit Hilfe neuer Kooperationspartner wie der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen oder dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege. Für letztgenanntes übernahm der Verlag im Jahre 2001 die Herausgabe einer Neuen Folge von Arbeitsheften, von denen bisher beispielsweise Mittelalterliche Dorfkirchen in Thüringen, Das Benediktinerkloster zu Göllingen oder Qualitätssicherung in der Steinkonservierung erschienen sind. Mehrere Titel dieser Reihe stehen auch für 2002 auf dem Veröffentlichungsplan. In Zusammenarbeit mit dem Landesbäderverband Sachsen-Anhalt befindet sich eine Publikation unter dem Arbeitstitel Badelust in Sachsen-Anhalt in Vorbereitung. Mit einem Mittelalter-Kochbuch für Kinder erschließtder Verlag zudem ein weiteres Medium, denn zu diesem Projekt wird es außer dem Buch auch eine Fernsehserie geben.
    Als probates Mittel für die Kommunikation mit allen, die sich für die Angebote des Verlages Klaus-Jürgen Kamprad, des querstand-Labels sowie des E. Reinhold Verlages interessieren, hat sich das Internet entpuppt. So ist es nur folgerichtig, dass der Klassikliebhaber wie der Musikwissenschaftler oder der mitteldeutsche Heimatfreund auf www.querstand.de alles Wissenswerte über die Produktpalette aller drei Unternehmen finden kann. Und da man es im Zuge der Konzentration auch der Absatzkanäle als kleines Unternehmen bekanntermaßennicht leicht hat, überhaupt in die großen Sortimente aufgenommen zu werden, ist selbstverständlich auch eine Online-Aufgabe von Bestellungen und die direkte Kommunikation zwischen Kunde und Hersteller möglich.
    Fast 100 querstand-Eigenproduktionen gibt es bereits, und die summierte Titelzahl beider Verlage nähert sich ebenfalls der dreistelligen Marke. Dafür bedurfte es eines langen Atems, viel Geduld, realistischer Einschätzungen und vor allem viel Arbeit. Wie auch jedes andere Unternehmen beweist sich ein Verlag oder auch eine Verlagsgruppe letztlich durch die wirtschaftliche Effizienz. Kein noch so wertvolles künstlerisches oder editorisches Konzept bleibt auf Dauer erfolgreich, wenn nicht die notwendigen Erlöse – deren Quellen in Umsatzerlösen, Sendetantiemen oder auch Stützungen und Zuschüssen liegen können – ein tragbares Äquivalent ergeben. Die größte Herausforderung eines Unternehmens ist es, die notwendige Liquidität bei Wachstum und Ausbau des Verlagskataloges zu erhalten. Junge unabhängige Unternehmen kranken zwangsläufig immer an einer mangelnden Kapitaldecke. Nur mit Zuschüssen und des sicherlich not wendigen wohlwollenden Engagements einer Hausbank ist diesem Problem selten beizukommen. Vielmehr muss das Augenmerk auf einer umfassenden Nutzung des Rechtestocks und der sich daraus entwicklenden Medien gelegt werden. Dies wird die Strategie der nächsten Jahre innerhalb der vorgestelltenVerlage und des Labels sein.

Klaus-Jürgen Kamprad ist Inhaber des gleichnamigen Verlages.


erschienen in: Musikforum H. 95/2001