Endlich!
E n d l i c h ist sie da,
die neue CD!
Aber … Eigentlich … Tja,
eigentlich war's überhaupt nicht schwer, und lange gedauert hat's
auch nicht!?
Da haben wir's. Das Dilemma
heutiger Tonträgerproduzenten. Eigentlich müsste man erfreut
sein über die Tatsache, dass das Herstellen eines Tonträgers
heute technisch verhältnismäßig einfach geworden ist, denkt
man an die enormen Schwierigkeiten, die noch zu Zeiten der guten alten
Vinyl-Langspielplatte zu überwinden waren. Technische Voraussetzungen
waren von Einzelnen nicht zu erbringen, der finanzielle Aufwand erheblich.
Und „Freizügigkeiten" in der nachträglichen Bearbeitung, wie
sie digitale gegenüber analogen Tonaufnahmen zulassen, waren nicht
an der Tagesordnung.
Aber, wird etwas für
den Einen leichter, wird es das auch für den Anderen.
Eine CD herzustellen ist
im Grunde heute für jedermann machbar, keine wirkliche Herausforderung,
wenigstens technisch.
Mehr oder weniger ein „Organisationsproblem".
Einen DAT-Recorder gekauft, Wohnzimmer kurz umgeräumt, Familie in
den Park geschickt – und „ab geht die Post".
Aufnahme erledigt.
Das Band dann zum Editieren
in eine entsprechende Firma geschafft, Master herstellen lassen und ab
ins Presswerk, derer es vergleichsweise viele heute gibt, wo zu Preisen
gearbeitet wird, die für jedermann erschwinglich sind.
Drucksachen sind auch schnell
gemacht, freie Grafiker gibt es genug (Hoppla, Computer ist da, Grafikprogramm
auch, also, „selbst ist der Mann"! Keine grafische Ausbildung? Was soll's
– kann doch jeder, oder?).
Druckereien gibt es auch
reichlich, gleich hier um die Ecke sogar.
Genügend „Taschengeld"
abgezweigt, schon ist man seinem Traum – eine eigene CD! – erheblich näher
gekommen.
Dann wird's etwas schwieriger
– wo und wie die CD verkaufen?
Aber auch da gibt's für
findige Köpfe einfache Lösungen.
Ab aufs Fahrrad und eben
mal jeden Laden „abgeklappert".
Nur, schaut man heute in
ein einschlägiges Geschäft, ist die Zahl der CDs geradezu astronomisch,
Titel an Titel, manche Werke gleich mehrfach im Angebot.
Doch Hochwertiges neben
Minderwertigem, künstlerisch, technisch, gestalterisch.
Unübersehbar.
Undurchschaubar.
Und nicht nur der Fachhandel
hat Einiges zu bieten, CDs bekomme ich beinahe überall, selbst meine
Tankstelle reiht sich in den Reigen der Anbieter. Kompetent, kompetent.
Stellen Sie da mal eine
Frage zur Musik.
Auf die Antwort darf man
schon gespannt sein.
Nicht, dass Vielfalt nicht
erstrebenswert wäre.
Aber Vielfalt um jeden Preis?
Und um welche Art „Vielfalt"
handelt es sich?
Ist sie nicht nur scheinbar?
Wie soll sich ein Musikliebhaber
heute noch in dieser „Vielfalt" zurechtfinden?
Welche Chance habe ich als
Hörer, zu finden, was sich suche, welche Chance habe ich, einigermaßen
den Überblick zu behalten?
Woran kann ich noch „gut"
von „schlecht" unterscheiden?
Und lasse ich mich einmal
vorschnell von einem geschickt aufgemachten Angebot verleiten, was müssen
meine Ohren dann zuweilen ertragen.
Oh, oh, oh …
Die Zeit, wo der Name einer
Firma für eine bestimmte Qualität stand, ist längst vorbei.
Längst sind große, traditionsreiche Firmen dabei, mehr altes
Repertoire wieder aufzulegen als neues zu erstellen, „olle Kamellen" in
„neuem Gewand", digitalisiert, „aufgepeppt", versehen mit dem Vermerk „historische
Aufnahme" (wenn überhaupt) – und ab ins Geschäft.
Tonnenweise.
Gleich einer Überschwemmung.
Und da mit geringem finanziellen
Aufwand erstellt, sind natürlich auch die Preise entsprechend gestaltbar.
Aber auch hier gilt: Billig
muss nicht preiswert sein!
Eine hochwertige Produktion
ist nicht zum Schnäppchenpreis zu machen.
Dies gilt heute ebenso wie
für die Vergangenheit.
Nicht, dass „Erbepflege"
nicht grundsätzlich in Ordnung wäre, aber nicht alles, was vor
Jahren gut und richtig war, eben „hörenswert", verdient eine „Wiederbelebung".
Dies gilt für Produktionen
wie für produzierte Musik selbst, auch für künstlerische
Leistungen. Zudem wird damit der Marktzugang für junge Interpreten,
die sich natürlich auch mit gutem Recht an den Herausforderungen der
traditionellen Musikliteratur messen wollen, mehr als erschwert, ja geradezu
unmöglich gemacht.
So sieht's aus auf dem Tonträgermarkt.
Die grundsätzliche Frage,
der man sich als Tonträgerhersteller also heute gegenübersieht:
Folge ich diesem Trend, ist der Umsatz entscheidend, verkaufen um jeden
Preis, koste es, was es wolle – oder aber setze ich meinen Schwerpunkt
auf Qualität, künstlerische, technische, gestalterische?
Für beide Modelle gibt
es in der Praxis beredte Beispiele. Für eine geglückte Kombination
aus beidem keines.
Entscheide ich mich für
den ersten Weg, sind die Weichen gestellt.
Die Kosten diktieren das
Produkt.
Gestaltung, Vermarktung
etc. folgt denselben Regeln wie etwa die Vermarktung von z. B. Toilettenpapier
oder Müsli-Riegeln.
Das bedeutet zunächst,
die Literatur muss so geartet sein, dass sie auf das Interesse möglichst
vieler potenzieller Käufer ausgerichtet ist. Also eher „Standards"
der Musikgeschichte (da kann man sich wenigstens darauf verlassen, dass
die Musik selbst gut ist), aber eben doch meist Stücke, die die „Spatzen
von den Dächern pfeifen", die also auch „Klein Fritzchen" noch kennt.
Zunächst ja nichts
Schlechtes, nur, wenn es zur Legitimation missbraucht wird, wird's eben
heikel. Da diese Titel natürlich häufig auf dem Markt vertreten
sind, gerade durch die „Nachnutzungs-Politik" großer Firmen, muss
der Preis stimmen. Nämlich unter dem der Konkurrenten liegen, sonst
funktioniert das Prinzip nicht.
Wo ist also noch etwas „zu
holen"?
Das Zauberwort: Kosten senken.
D. h. möglichst billige
Aufnahmeorte wählen (wenn keine eigenen Studios vorhanden sind), möglichst
billige Aufnahmeteams, Produktionszeiten verkürzen.
Und dann noch Künstler,
die möglichst zum Nulltarif arbeiten oder für einen Betrag, der
für die Arbeit weder angemessen noch für ein Leben und Arbeiten
hier ausreichend ist.
Eine besondere Unsitte,
die sich in den letzten Jahren verbreitet hat, besteht darin, dass nachgeordnete
Tätigkeiten, z. B. das Mastering, ins Ausland, besonders ins östliche,
verlagert werden. Dort „stimmt" wohl der Preis, die Frage der Qualität
bleibt meist auf der Strecke, da die notwendigen technischen Voraussetzungen
oftmals noch kaum gegeben sind.
Aber, was soll's, Hauptsache
billig.
Dann für möglichst
viele Titel eine „Seriengestaltung", ist auch billig und ein schöner
„Nebeneffekt" entsteht gleich noch mit: Der „Sammlertrieb" des Hörers
wird geweckt.
Das bedeutet: Wahrscheinlich
wird gekauft, gekauft.
Und hat man auch noch Glück,
dass die Künstler gerade einem Modejournal entsprungen zu sein scheinen,
ist die Sache geritzt.
Stimmt die „Form" – alles
okay.
Stimmt der „Inhalt" – Nebensache.
Der Umsatz ist also gesichert.
Doch so einfach, wie es
hier vielleicht den Anschein hat, ist die Sache trotzdem nicht. Es wird
sich immer wieder jemand finden, der, wie er das auch immer schafft, einen
„besseren" Preis für den Kunden bereithält. Wie das gelingt,
bleibt zuweilen rätselhaft – irgendwer muss ja die Zeche zahlen.
Bleibt abzuwarten, wann
der erste Anbieter dem Kunden etwas bezahlt, damit er eine CD kauft.
Was f ür ein Gedanke!
Doch wen interessiert's?
Leider gilt heute ganz allgemein
der Grundsatz: Der Kunde bestimmt, was produziert wird, egal, ob es sinnvoll
ist oder nicht, ob Ressourcen vernichtet werden oder nicht, egal, ob es
Schaden, gleich welcher Art, anrichtet (Schaden im „Kopf", in der „Seele"
sieht man ja nicht – zum Glück!?).
Richtig ist, was gefällt.
Kunst ist Ware.
Das Geld regiert.
Nicht der Verstand.
Doch, wenn ich's recht bedenke:
Gibt es nicht auch noch eine bestimmte Verantwortung, die man als Tonträgerhersteller
hat?
Eine bildungspolitische
vielleicht?
Zum Glück haben die
Zeichen unserer Zeit viele junge, kleinere Unternehmen erkannt und den
anderen Weg gewählt.
Sicher nicht nur aus Verantwortungsgefühl
dem Hörer gegenüber, sondern auch aus dem ganz ureigentlichen
Sinn heraus, nämlich, aus der Freude an der Musik, nicht (nur) am
Geschäft.
Selbstverständlich
gilt im Unternehmerischen auch hier: Die Firma muss rentabel sein, finanzielle
Experimente dürfen nicht zum Untergang führen. Eine solide Wirtschaftlichkeit
ist oberstes Gebot.
Was aber nicht heißt,
Qualität wäre unrentabel, Experimente müssten unterbleiben.
Ganz im Gegenteil.
Viele Unternehmen haben
längst den Gegenbeweis angetreten.
So wie NCA (New Classical
Adventure) als Label auch.
Worin besteht nun das Geheimnis
des Erfolges?
Zunächst sehr sorgfältige
Auswahl des Repertoires.
„World Premier Recordings",
wie man oft lesen kann, also „Weltersteinspielungen" sind ein aller erster
Weg, dem Hörer Neues, Besonderes anzubieten. Das können wieder
entdeckte Werke früherer musikalischer Epochen sein, Werke in interessanten
Besetzungen, ungewöhnliche Bearbeitungen oder gar – und es gibt sie
immer noch! – zeitgenössische Musik.
Eben Kreatives, Neues, etwas,
was einem Hörer eine neue Welt erschließt, eine neue Betrachtungsweise
ermöglicht.
Und es wird meiner Meinung
nach ganz erheblich unterschätzt, wie viele Leute ernsthaft auf der
Suche nach neuen geistigen Herausforderungen sind.
Viele sind die ständigen
Wiederholungen satt, auch die vielen Bevormundungen gleichenden Versuche,
etwas „an den Mann zu bringen".
Die sorgfältige Auswahl
der Künstler ist ein weiterer wichtiger Punkt, denn für derart
gestaltete Vorhaben muss der Künstler nicht nur „ausübendes Subjekt",
sondern Partner sein. In der Entwicklung von Ideen, in der Auswahl der
Literatur, in der Vorbereitung der Produktion. Nicht „Funktionalität"
ist gefragt, sondern „Kreativität", Mut, aber auch Eignung zu unkonventionellem
Denken, auch zu unkonventionellem Musizieren.
Grenzen müssen erkannt
werden, müssen überwunden werden.
Gerade hier birgt die Suche
nach neuen Talenten ungeahnte Möglichkeiten.
Ein sehr aufwendiger Prozess,
da es außerordentlich viele, begabte junge Musikerinnen und Musiker
gibt, die über ein hohes Maß an technischem Können verfügen,
ideenreiche Interpretationen anbieten. Trotzdem, dies sind erst die Voraussetzungen
für eine Tonträgerproduktion. Ob jemand tatsächlich geeignet
ist, 60 lange Minuten zu bewältigen, ob wirklich jemand den „langen
Atem" hat, ist immer schwer „vorherzusehen" und erfordert viel Fingerspitzengefühl.
Dann eine sorgfältige
Auswahl der Aufnahmebedingungen.
In der Regel verfügen
kleine Firmen nicht über eigene Studios oder Aufnahmeteams.
Aber – das ist beileibe
kein Nachteil.
Im Gegenteil. Ermöglicht
es doch, dem jeweiligen Projekt optimal angepasste Bedingungen wie Aufnahmeort,
Aufnahmeteam zu schaffen, die speziellen klanglichen Bedingungen vieler
interessanter, vielleicht auch im musikgeschichtlichen Sinne „geschichtsträchtiger"
Räumlichkeiten einerseits, die speziellen Erfahrungen von Tonmeistern
andererseits in den Dienst einer Idee zu stellen.
Nicht jeder Raum, nicht
jeder Tonmeister muss zwingend für alles gleich geeignet sein.
Und warum nicht besser,
wenn's besser geht?
Erstaunlich, dass gerade
in einer Zeit, wo Spezialisierung, Blick auf das Besondere immer mehr Raum
greifen, im Bereich der Tonträgerproduktion der Hang zur „Verallgemeinerung"
noch immer nicht erledigt ist. Ist ein Studio da, muss es eben genutzt
werden. Geeignet oder nicht, kostet ja, auch wenn's leer steht.
Also, alles klar?
Ein weiterer wichtiger Aspekt:
vor allem keine Massenproduktion, sondern produziert mit „Sinn und Verstand"
– und mit „Herz". Jedes Produkt muss einzigartig sein, in sich gestaltet
(auch, wenn es Bestandteil eines viele CDs umfassenden Projektes ist).
Das, was ein Hörer auch erwarten kann – eine „kleine Welt", geeignet,
Freude zu empfinden.
Auch, wenn es natürlich
viel, viel aufwendiger ist. Also alles Dinge, die durch große Unternehmen
in der notwendigen Intensität kaum noch realisiert werden können,
da vom Apparat her mittlerweile so „gewaltig", dass kaum noch Handlungsspielräume
bestehen und sich eine für das Produkt schädigende Eigendynamik
herausgebildet hat. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass sich
mittlerweile mehr und mehr große Firmen aus dem Produktionssektor
„Klassische Musik" zurückziehen?
Die Musik, die „in Szene"
gesetzt werden soll, hat sich ja nicht verändert. Folglich müssen
die Probleme, die im Umgang damit bestehen, von den Firmen selbst „inszeniert"
sein.
Zu guter Letzt, Wirtschaftlichkeit
muss erreicht werden, z. B. durch das Einbeziehen von Sponsoren, derer
es viele in Deutschland gibt, durch das Bündeln von Interessen, etwa
in der Art einer Koproduktion. Gerade die Zusammenarbeit mit Rundfunkanstalten
ist da ein wichtiger Punkt, wurde das eigene Produzieren in einzelnen Anstalten
bereits ohne Koproduzenten, also ohne einen Tont r ägerhersteller
als Partner, aus Kostengründen völlig eingestellt.
Wie stellt sich nun das
Problem der Vermarktung heute dar?
Mittlerweise hat sich ein
ganz beträchtlicher Hörerkreis von der Arbeit der kleineren Firmen
überzeugen lassen, insbesondere von der in der Regel hohen Qualität
der Künstler, den liebevoll und hochwertig hergestellten Tonträgern.
Trotzdem ist die Vermarktung
schwieriger denn je. Abgesehen von den eher unerfreulichen Phänomenen
eines gnadenlos geführten Verdrängungskampfes auf dem Markt ist
es für kleine Firmen, egal welcher Branche, schon kompliziert, sich
zunächst erst einmal auf dem Markt bemerkbar zu machen, geschweige
denn sich wirklich zu behaupten.
Der „normale" Weg besteht
natürlich auch noch heute in Werbung.
Aber: Werbung kostet Geld,
viel Werbung kostet viel Geld.
Und, wer hat nicht schon
einmal ein Magazin oder eine Zeitung genervt weggelegt, da vor Werbung
zuweilen kaum noch andere Inhalte auszumachen waren?
Aber es ist deutlich zu
beobachten, dass bestimmte neue Formen der Werbung, besser: der Information,
gerade durch Hörer, die sich entschieden haben, den Angeboten der
kleinen Firmen offen gegen überzustehen, immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Sicher, Anzeigen in Tageszeitungen,
einschlägigen Fachmagazinen oder Kataloge werden nicht so ohne weiteres
ersetzt werden können, aber neue Medien wie das Internet, regelmäßige
Informationen per Mailing etc. sind immer mehr gefragt.
Bietet doch gerade das Internet
Möglichkeiten, dem Kunden mehr Informationen über einen Tonträger
zu vermitteln, als das in einer Anzeige oder einem Katalog möglich
ist. Ja, genau genommen ist es sogar möglich, einen klanglichen Eindruck
durch den unkomplizierten Einsatz entsprechender Medien zu vermitteln.
Wo gab es das jemals zuvor?
Das ist die große
Chance kleinerer Firmen.
Und die große Chance
des Hörers, noch einigermaßen „Herr der Lage" zu sein.
Ganz abgesehen davon, dass
selbst der Verkauf über das Internet zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die Nutzung dieser neuen
Medien erfordert natürlich Mut, Bereitwilligkeit, sich mit Neuem zu
befassen, sich „einzulassen", aber dies ist ebenso notwendig, will man
sich das, was als Angebot der kleinen Firmen auf dem Tonträgermarkt
zu entdecken ist, erschließen.
Passt doch gut zusammen.
Zum Schluss:
Wo bleibt der, um den sich
dieses „Karussell" eigentlich drehen sollte, der, dessen Kreativität,
dessen emotionale Äußerung zu übermitteln der Inhalt dieser
Arbeit sein sollte – der Künstler?
Längst steht der Künstler
nicht mehr immer im Mittelpunkt, sondern wird zuweilen „Mittel zum Zweck".
Zum Zwecke des Geldverdienens
anderer.
Massive Einflussnahme auf
Repertoire, zuweilen sogar Interpretation ist nicht ungewöhnlich.
Das beschriebene Dilemma, welches natürlich schon gewaltige finanzielle
Dimensionen erreicht, erfasst damit unweigerlich letztlich auch den Künstler.
Das muss nicht in jeder
Form akzeptiert werden.
Tonträgerherstellung
ist eine Dienstleistung im besten Sinne des Wortes, eine Mittlertätigkeit
zwischen Komponist und Interpret einerseits, dem Hörer andererseits
und sollte demzufolge eine Partnerschaft zwischen Tonträgerhersteller
und Künstler sein.
Doch auch hier ist die Frage,
in welchem Maße Partnerschaftlichkeit wirklich zugrunde gelegt wird,
ein sehr vielschichtiges Thema.
Fängt schon an mit
der Frage: An welche Firma soll ich mich als Künstler binden?
Schlimmer noch: Welche Firma
wird sich an mich als Künstler binden?
Finde ich überhaupt
eine Firma, die Interesse an einer Zusammenarbeit hat (hier liegt bedrohlich
nahe die Konsequenz wie eingangs beschrieben)?
Das Grundprinzip vieler
kleiner Firmen, auch das Grundprinzip von NCA, besteht darin, den Künstler
nicht nur als Partner zu akzeptieren, sondern diese Partnerschaft als Voraussetzung
für eine inhaltlich hochwertige, hoch qualifizierte Zusammenarbeit
gleichsam zu suchen.
So ist die Künstlerliste
z. B. von NCA weder Folge primär marktorientiert bestimmter Überlegungen,
schon gar kein Zufall, sondern ist gewachsen als Konsequenz gemeinsamer
Überlegungen.
Als NCA als Label gegründet
wurde, bestand natürlich für den Künstler, der dem Angebot,
für NCA zu produzieren, folgte, ein gewaltiges Risiko. War doch zu
keiner Zeit bewiesen, dass die Idee, das Konzept wirklich aufgehen würde.
Bestand doch zu keiner Zeit
wirklich Gewissheit, dass die gesamte Arbeit erfolgreich sein würde.
Aber von vornherein bestand bei NCA die Möglichkeit, Ideen einzubringen,
Konzepte vorzustellen, eben, kreativ zu sein.
Dieses Angebot wurde angenommen.
Das hat viele hochrangige
Künstler überzeugt und herausgebildet hat sich ein Stamm ständig
produzierender Künstler, die erstklassige Arbeit leisten, Projekte
initiiert haben, die nicht nur auf großes Interesse bei unserer Hörerschar
getroffen sind, sondern in der Fachwelt sehr hoch gelobt wurden.
Ist ein Beweis für
das Funktionieren dieses Konzeptes.
Und für seine Tragfähigkeit
für die Zukunft.
Trotzdem bleibt:
Konzepte, gleich, wie funktionstüchtig
oder nicht, der Kunstmarkt allgemein sind stark betroffen von einem unübersehbaren
allgemeinen Werteverfall. Das geht an den Tonträgerherstellern natürlich
nicht spurlos vorüber.
Fernsehen, Rundfunk, Presse,
kulturelles Leben – wo finden sich nicht Tendenzen für sich breit
machende, ausschließlich an Wirtschaftlichkeit orientierte „Belustigung".
Immer mehr niederen Instinkten
folgend, inhaltslos, sinnlos.
Damit einher geht natürlich
eine selbst neu produzierte „Bedürfnislosigkeit" an „Wertvollem".
Schlimmer noch. Dieser Trend
ist auch in der Bildung Heranwachsender unübersehbar.
Aber, immer dann, wenn eine
tiefes Tal durchschritten werden muss, folgt ein Aufstieg.
Ein Aufstieg in höhere
geistige Regionen.
Diesen Aufstieg zu begleiten
ist die große Chance der neuen Generation von Tonträgerherstellern!
Klaus Feldmann ist A & R Managing Director.