KLAUS FELDMANN
NEW CLASSICAL ADVENTURE - CD-PRODUKTION UND VERMARKTUNG HEUTE AUS DER SICHT DES MUSIKERS UND PRODUZENTEN

Endlich!
E n d l i c h ist sie da, die neue CD!
Aber … Eigentlich … Tja, eigentlich war's überhaupt nicht schwer, und lange gedauert hat's auch nicht!?

Da haben wir's. Das Dilemma heutiger Tonträgerproduzenten. Eigentlich müsste man erfreut sein über die Tatsache, dass das Herstellen eines Tonträgers heute technisch verhältnismäßig einfach geworden ist, denkt man an die enormen Schwierigkeiten, die noch zu Zeiten der guten alten Vinyl-Langspielplatte zu überwinden waren. Technische Voraussetzungen waren von Einzelnen nicht zu erbringen, der finanzielle Aufwand erheblich. Und „Freizügigkeiten" in der nachträglichen Bearbeitung, wie sie digitale gegenüber analogen Tonaufnahmen zulassen, waren nicht an der Tagesordnung.
Aber, wird etwas für den Einen leichter, wird es das auch für den Anderen.
Eine CD herzustellen ist im Grunde heute für jedermann machbar, keine wirkliche Herausforderung, wenigstens technisch.
Mehr oder weniger ein „Organisationsproblem". Einen DAT-Recorder gekauft, Wohnzimmer kurz umgeräumt, Familie in den Park geschickt – und „ab geht die Post".
Aufnahme erledigt.
Das Band dann zum Editieren in eine entsprechende Firma geschafft, Master herstellen lassen und ab ins Presswerk, derer es vergleichsweise viele heute gibt, wo zu Preisen gearbeitet wird, die für jedermann erschwinglich sind.
Drucksachen sind auch schnell gemacht, freie Grafiker gibt es genug (Hoppla, Computer ist da, Grafikprogramm auch, also, „selbst ist der Mann"! Keine grafische Ausbildung? Was soll's – kann doch jeder, oder?).
Druckereien gibt es auch reichlich, gleich hier um die Ecke sogar.
Genügend „Taschengeld" abgezweigt, schon ist man seinem Traum – eine eigene CD! – erheblich näher gekommen.
Dann wird's etwas schwieriger – wo und wie die CD verkaufen?
Aber auch da gibt's für findige Köpfe einfache Lösungen.
Ab aufs Fahrrad und eben mal jeden Laden „abgeklappert".
Nur, schaut man heute in ein einschlägiges Geschäft, ist die Zahl der CDs geradezu astronomisch, Titel an Titel, manche Werke gleich mehrfach im Angebot.
Doch Hochwertiges neben Minderwertigem, künstlerisch, technisch, gestalterisch.
Unübersehbar.
Undurchschaubar.
Und nicht nur der Fachhandel hat Einiges zu bieten, CDs bekomme ich beinahe überall, selbst meine Tankstelle reiht sich in den Reigen der Anbieter. Kompetent, kompetent.
Stellen Sie da mal eine Frage zur Musik.
Auf die Antwort darf man schon gespannt sein.
Nicht, dass Vielfalt nicht erstrebenswert wäre.
Aber Vielfalt um jeden Preis?
Und um welche Art „Vielfalt" handelt es sich?
Ist sie nicht nur scheinbar?
Wie soll sich ein Musikliebhaber heute noch in dieser „Vielfalt" zurechtfinden?
Welche Chance habe ich als Hörer, zu finden, was sich suche, welche Chance habe ich, einigermaßen den Überblick zu behalten?
Woran kann ich noch „gut" von „schlecht" unterscheiden?
Und lasse ich mich einmal vorschnell von einem geschickt aufgemachten Angebot verleiten, was müssen meine Ohren dann zuweilen ertragen.
Oh, oh, oh …
Die Zeit, wo der Name einer Firma für eine bestimmte Qualität stand, ist längst vorbei. Längst sind große, traditionsreiche Firmen dabei, mehr altes Repertoire wieder aufzulegen als neues zu erstellen, „olle Kamellen" in „neuem Gewand", digitalisiert, „aufgepeppt", versehen mit dem Vermerk „historische Aufnahme" (wenn überhaupt) – und ab ins Geschäft.
Tonnenweise.
Gleich einer Überschwemmung.
Und da mit geringem finanziellen Aufwand erstellt, sind natürlich auch die Preise entsprechend gestaltbar.
Aber auch hier gilt: Billig muss nicht preiswert sein!
Eine hochwertige Produktion ist nicht zum Schnäppchenpreis zu machen.
Dies gilt heute ebenso wie für die Vergangenheit.
Nicht, dass „Erbepflege" nicht grundsätzlich in Ordnung wäre, aber nicht alles, was vor Jahren gut und richtig war, eben „hörenswert", verdient eine „Wiederbelebung".
Dies gilt für Produktionen wie für produzierte Musik selbst, auch für künstlerische Leistungen. Zudem wird damit der Marktzugang für junge Interpreten, die sich natürlich auch mit gutem Recht an den Herausforderungen der traditionellen Musikliteratur messen wollen, mehr als erschwert, ja geradezu unmöglich gemacht.
So sieht's aus auf dem Tonträgermarkt.

Die grundsätzliche Frage, der man sich als Tonträgerhersteller also heute gegenübersieht: Folge ich diesem Trend, ist der Umsatz entscheidend, verkaufen um jeden Preis, koste es, was es wolle – oder aber setze ich meinen Schwerpunkt auf Qualität, künstlerische, technische, gestalterische?
Für beide Modelle gibt es in der Praxis beredte Beispiele. Für eine geglückte Kombination aus beidem keines.
Entscheide ich mich für den ersten Weg, sind die Weichen gestellt.
Die Kosten diktieren das Produkt.
Gestaltung, Vermarktung etc. folgt denselben Regeln wie etwa die Vermarktung von z. B. Toilettenpapier oder Müsli-Riegeln.
Das bedeutet zunächst, die Literatur muss so geartet sein, dass sie auf das Interesse möglichst vieler potenzieller Käufer ausgerichtet ist. Also eher „Standards" der Musikgeschichte (da kann man sich wenigstens darauf verlassen, dass die Musik selbst gut ist), aber eben doch meist Stücke, die die „Spatzen von den Dächern pfeifen", die also auch „Klein Fritzchen" noch kennt.
Zunächst ja nichts Schlechtes, nur, wenn es zur Legitimation missbraucht wird, wird's eben heikel. Da diese Titel natürlich häufig auf dem Markt vertreten sind, gerade durch die „Nachnutzungs-Politik" großer Firmen, muss der Preis stimmen. Nämlich unter dem der Konkurrenten liegen, sonst funktioniert das Prinzip nicht.
Wo ist also noch etwas „zu holen"?
Das Zauberwort: Kosten senken.
D. h. möglichst billige Aufnahmeorte wählen (wenn keine eigenen Studios vorhanden sind), möglichst billige Aufnahmeteams, Produktionszeiten verkürzen.
Und dann noch Künstler, die möglichst zum Nulltarif arbeiten oder für einen Betrag, der für die Arbeit weder angemessen noch für ein Leben und Arbeiten hier ausreichend ist.
Eine besondere Unsitte, die sich in den letzten Jahren verbreitet hat, besteht darin, dass nachgeordnete Tätigkeiten, z. B. das Mastering, ins Ausland, besonders ins östliche, verlagert werden. Dort „stimmt" wohl der Preis, die Frage der Qualität bleibt meist auf der Strecke, da die notwendigen technischen Voraussetzungen oftmals noch kaum gegeben sind.

Aber, was soll's, Hauptsache billig.
Dann für möglichst viele Titel eine „Seriengestaltung", ist auch billig und ein schöner „Nebeneffekt" entsteht gleich noch mit: Der „Sammlertrieb" des Hörers wird geweckt.
Das bedeutet: Wahrscheinlich wird gekauft, gekauft.
Und hat man auch noch Glück, dass die Künstler gerade einem Modejournal entsprungen zu sein scheinen, ist die Sache geritzt.
Stimmt die „Form" – alles okay.
Stimmt der „Inhalt" – Nebensache.
Der Umsatz ist also gesichert.
Doch so einfach, wie es hier vielleicht den Anschein hat, ist die Sache trotzdem nicht. Es wird sich immer wieder jemand finden, der, wie er das auch immer schafft, einen „besseren" Preis für den Kunden bereithält. Wie das gelingt, bleibt zuweilen rätselhaft – irgendwer muss ja die Zeche zahlen.
Bleibt abzuwarten, wann der erste Anbieter dem Kunden etwas bezahlt, damit er eine CD kauft.
Was f ür ein Gedanke!
Doch wen interessiert's?
Leider gilt heute ganz allgemein der Grundsatz: Der Kunde bestimmt, was produziert wird, egal, ob es sinnvoll ist oder nicht, ob Ressourcen vernichtet werden oder nicht, egal, ob es Schaden, gleich welcher Art, anrichtet (Schaden im „Kopf", in der „Seele" sieht man ja nicht – zum Glück!?).
Richtig ist, was gefällt.
Kunst ist Ware.
Das Geld regiert.
Nicht der Verstand.
Doch, wenn ich's recht bedenke: Gibt es nicht auch noch eine bestimmte Verantwortung, die man als Tonträgerhersteller hat?
Eine bildungspolitische vielleicht?
Zum Glück haben die Zeichen unserer Zeit viele junge, kleinere Unternehmen erkannt und den anderen Weg gewählt.
Sicher nicht nur aus Verantwortungsgefühl dem Hörer gegenüber, sondern auch aus dem ganz ureigentlichen Sinn heraus, nämlich, aus der Freude an der Musik, nicht (nur) am Geschäft.
Selbstverständlich gilt im Unternehmerischen auch hier: Die Firma muss rentabel sein, finanzielle Experimente dürfen nicht zum Untergang führen. Eine solide Wirtschaftlichkeit ist oberstes Gebot.
Was aber nicht heißt, Qualität wäre unrentabel, Experimente müssten unterbleiben.
Ganz im Gegenteil.
Viele Unternehmen haben längst den Gegenbeweis angetreten.
So wie NCA (New Classical Adventure) als Label auch.
Worin besteht nun das Geheimnis des Erfolges?
Zunächst sehr sorgfältige Auswahl des Repertoires.
„World Premier Recordings", wie man oft lesen kann, also „Weltersteinspielungen" sind ein aller erster Weg, dem Hörer Neues, Besonderes anzubieten. Das können wieder entdeckte Werke früherer musikalischer Epochen sein, Werke in interessanten Besetzungen, ungewöhnliche Bearbeitungen oder gar – und es gibt sie immer noch! – zeitgenössische Musik.
Eben Kreatives, Neues, etwas, was einem Hörer eine neue Welt erschließt, eine neue Betrachtungsweise ermöglicht.
Und es wird meiner Meinung nach ganz erheblich unterschätzt, wie viele Leute ernsthaft auf der Suche nach neuen geistigen Herausforderungen sind.
Viele sind die ständigen Wiederholungen satt, auch die vielen Bevormundungen gleichenden Versuche, etwas „an den Mann zu bringen".
Die sorgfältige Auswahl der Künstler ist ein weiterer wichtiger Punkt, denn für derart gestaltete Vorhaben muss der Künstler nicht nur „ausübendes Subjekt", sondern Partner sein. In der Entwicklung von Ideen, in der Auswahl der Literatur, in der Vorbereitung der Produktion. Nicht „Funktionalität" ist gefragt, sondern „Kreativität", Mut, aber auch Eignung zu unkonventionellem Denken, auch zu unkonventionellem Musizieren.
Grenzen müssen erkannt werden, müssen überwunden werden.
Gerade hier birgt die Suche nach neuen Talenten ungeahnte Möglichkeiten.
Ein sehr aufwendiger Prozess, da es außerordentlich viele, begabte junge Musikerinnen und Musiker gibt, die über ein hohes Maß an technischem Können verfügen, ideenreiche Interpretationen anbieten. Trotzdem, dies sind erst die Voraussetzungen für eine Tonträgerproduktion. Ob jemand tatsächlich geeignet ist, 60 lange Minuten zu bewältigen, ob wirklich jemand den „langen Atem" hat, ist immer schwer „vorherzusehen" und erfordert viel Fingerspitzengefühl.
Dann eine sorgfältige Auswahl der Aufnahmebedingungen.
In der Regel verfügen kleine Firmen nicht über eigene Studios oder Aufnahmeteams.
Aber – das ist beileibe kein Nachteil.
Im Gegenteil. Ermöglicht es doch, dem jeweiligen Projekt optimal angepasste Bedingungen wie Aufnahmeort, Aufnahmeteam zu schaffen, die speziellen klanglichen Bedingungen vieler interessanter, vielleicht auch im musikgeschichtlichen Sinne „geschichtsträchtiger" Räumlichkeiten einerseits, die speziellen Erfahrungen von Tonmeistern andererseits in den Dienst einer Idee zu stellen.
Nicht jeder Raum, nicht jeder Tonmeister muss zwingend für alles gleich geeignet sein.
Und warum nicht besser, wenn's besser geht?
Erstaunlich, dass gerade in einer Zeit, wo Spezialisierung, Blick auf das Besondere immer mehr Raum greifen, im Bereich der Tonträgerproduktion der Hang zur „Verallgemeinerung" noch immer nicht erledigt ist. Ist ein Studio da, muss es eben genutzt werden. Geeignet oder nicht, kostet ja, auch wenn's leer steht.
Also, alles klar?
Ein weiterer wichtiger Aspekt: vor allem keine Massenproduktion, sondern produziert mit „Sinn und Verstand" – und mit „Herz". Jedes Produkt muss einzigartig sein, in sich gestaltet (auch, wenn es Bestandteil eines viele CDs umfassenden Projektes ist). Das, was ein Hörer auch erwarten kann – eine „kleine Welt", geeignet, Freude zu empfinden.
Auch, wenn es natürlich viel, viel aufwendiger ist. Also alles Dinge, die durch große Unternehmen in der notwendigen Intensität kaum noch realisiert werden können, da vom Apparat her mittlerweile so „gewaltig", dass kaum noch Handlungsspielräume bestehen und sich eine für das Produkt schädigende Eigendynamik herausgebildet hat. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass sich mittlerweile mehr und mehr große Firmen aus dem Produktionssektor „Klassische Musik" zurückziehen?
Die Musik, die „in Szene" gesetzt werden soll, hat sich ja nicht verändert. Folglich müssen die Probleme, die im Umgang damit bestehen, von den Firmen selbst „inszeniert" sein.
Zu guter Letzt, Wirtschaftlichkeit muss erreicht werden, z. B. durch das Einbeziehen von Sponsoren, derer es viele in Deutschland gibt, durch das Bündeln von Interessen, etwa in der Art einer Koproduktion. Gerade die Zusammenarbeit mit Rundfunkanstalten ist da ein wichtiger Punkt, wurde das eigene Produzieren in einzelnen Anstalten bereits ohne Koproduzenten, also ohne einen Tont r ägerhersteller als Partner, aus Kostengründen völlig eingestellt.
Wie stellt sich nun das Problem der Vermarktung heute dar?
Mittlerweise hat sich ein ganz beträchtlicher Hörerkreis von der Arbeit der kleineren Firmen überzeugen lassen, insbesondere von der in der Regel hohen Qualität der Künstler, den liebevoll und hochwertig hergestellten Tonträgern.
Trotzdem ist die Vermarktung schwieriger denn je. Abgesehen von den eher unerfreulichen Phänomenen eines gnadenlos geführten Verdrängungskampfes auf dem Markt ist es für kleine Firmen, egal welcher Branche, schon kompliziert, sich zunächst erst einmal auf dem Markt bemerkbar zu machen, geschweige denn sich wirklich zu behaupten.
Der „normale" Weg besteht natürlich auch noch heute in Werbung.
Aber: Werbung kostet Geld, viel Werbung kostet viel Geld.
Und, wer hat nicht schon einmal ein Magazin oder eine Zeitung genervt weggelegt, da vor Werbung zuweilen kaum noch andere Inhalte auszumachen waren?
Aber es ist deutlich zu beobachten, dass bestimmte neue Formen der Werbung, besser: der Information, gerade durch Hörer, die sich entschieden haben, den Angeboten der kleinen Firmen offen gegen überzustehen, immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Sicher, Anzeigen in Tageszeitungen, einschlägigen Fachmagazinen oder Kataloge werden nicht so ohne weiteres ersetzt werden können, aber neue Medien wie das Internet, regelmäßige Informationen per Mailing etc. sind immer mehr gefragt.
Bietet doch gerade das Internet Möglichkeiten, dem Kunden mehr Informationen über einen Tonträger zu vermitteln, als das in einer Anzeige oder einem Katalog möglich ist. Ja, genau genommen ist es sogar möglich, einen klanglichen Eindruck durch den unkomplizierten Einsatz entsprechender Medien zu vermitteln.
Wo gab es das jemals zuvor?
Das ist die große Chance kleinerer Firmen.
Und die große Chance des Hörers, noch einigermaßen „Herr der Lage" zu sein.
Ganz abgesehen davon, dass selbst der Verkauf über das Internet zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die Nutzung dieser neuen Medien erfordert natürlich Mut, Bereitwilligkeit, sich mit Neuem zu befassen, sich „einzulassen", aber dies ist ebenso notwendig, will man sich das, was als Angebot der kleinen Firmen auf dem Tonträgermarkt zu entdecken ist, erschließen.
Passt doch gut zusammen.

Zum Schluss:
Wo bleibt der, um den sich dieses „Karussell" eigentlich drehen sollte, der, dessen Kreativität, dessen emotionale Äußerung zu übermitteln der Inhalt dieser Arbeit sein sollte – der Künstler?
Längst steht der Künstler nicht mehr immer im Mittelpunkt, sondern wird zuweilen „Mittel zum Zweck".
Zum Zwecke des Geldverdienens anderer.
Massive Einflussnahme auf Repertoire, zuweilen sogar Interpretation ist nicht ungewöhnlich. Das beschriebene Dilemma, welches natürlich schon gewaltige finanzielle Dimensionen erreicht, erfasst damit unweigerlich letztlich auch den Künstler.
Das muss nicht in jeder Form akzeptiert werden.
Tonträgerherstellung ist eine Dienstleistung im besten Sinne des Wortes, eine Mittlertätigkeit zwischen Komponist und Interpret einerseits, dem Hörer andererseits und sollte demzufolge eine Partnerschaft zwischen Tonträgerhersteller und Künstler sein.
Doch auch hier ist die Frage, in welchem Maße Partnerschaftlichkeit wirklich zugrunde gelegt wird, ein sehr vielschichtiges Thema.
Fängt schon an mit der Frage: An welche Firma soll ich mich als Künstler binden?
Schlimmer noch: Welche Firma wird sich an mich als Künstler binden?
Finde ich überhaupt eine Firma, die Interesse an einer Zusammenarbeit hat (hier liegt bedrohlich nahe die Konsequenz wie eingangs beschrieben)?
Das Grundprinzip vieler kleiner Firmen, auch das Grundprinzip von NCA, besteht darin, den Künstler nicht nur als Partner zu akzeptieren, sondern diese Partnerschaft als Voraussetzung für eine inhaltlich hochwertige, hoch qualifizierte Zusammenarbeit gleichsam zu suchen.
So ist die Künstlerliste z. B. von NCA weder Folge primär marktorientiert bestimmter Überlegungen, schon gar kein Zufall, sondern ist gewachsen als Konsequenz gemeinsamer Überlegungen.
Als NCA als Label gegründet wurde, bestand natürlich für den Künstler, der dem Angebot, für NCA zu produzieren, folgte, ein gewaltiges Risiko. War doch zu keiner Zeit bewiesen, dass die Idee, das Konzept wirklich aufgehen würde.
Bestand doch zu keiner Zeit wirklich Gewissheit, dass die gesamte Arbeit erfolgreich sein würde. Aber von vornherein bestand bei NCA die Möglichkeit, Ideen einzubringen, Konzepte vorzustellen, eben, kreativ zu sein.
Dieses Angebot wurde angenommen.
Das hat viele hochrangige Künstler überzeugt und herausgebildet hat sich ein Stamm ständig produzierender Künstler, die erstklassige Arbeit leisten, Projekte initiiert haben, die nicht nur auf großes Interesse bei unserer Hörerschar getroffen sind, sondern in der Fachwelt sehr hoch gelobt wurden.
Ist ein Beweis für das Funktionieren dieses Konzeptes.
Und für seine Tragfähigkeit für die Zukunft.
Trotzdem bleibt:
Konzepte, gleich, wie funktionstüchtig oder nicht, der Kunstmarkt allgemein sind stark betroffen von einem unübersehbaren allgemeinen Werteverfall. Das geht an den Tonträgerherstellern natürlich nicht spurlos vorüber.
Fernsehen, Rundfunk, Presse, kulturelles Leben – wo finden sich nicht Tendenzen für sich breit machende, ausschließlich an Wirtschaftlichkeit orientierte „Belustigung".
Immer mehr niederen Instinkten folgend, inhaltslos, sinnlos.
Damit einher geht natürlich eine selbst neu produzierte „Bedürfnislosigkeit" an „Wertvollem".
Schlimmer noch. Dieser Trend ist auch in der Bildung Heranwachsender unübersehbar.
Aber, immer dann, wenn eine tiefes Tal durchschritten werden muss, folgt ein Aufstieg.
Ein Aufstieg in höhere geistige Regionen.
Diesen Aufstieg zu begleiten ist die große Chance der neuen Generation von Tonträgerherstellern!

Klaus Feldmann ist A & R Managing Director.


erschienen in: Musikforum H. 95/2001