Musik – das haben entsprechende
Untersuchungen immer
wieder belegt – ist ein Hauptgrund, ein
Hörfunkprogramm einzuschalten. Deshalb spielen unterschiedliche
Präferenzen der Hörer bei der Konzipierung
des Programmangebots eine maßgebliche Rolle.
Der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB)
lässt dabei nicht außer Acht, dass er als öffentlich-rechtliche
Anstalt auch selbst einen kulturellen Auftrag
zu erfüllen hat. Die in Verantwortung des
ORB in Potsdam produzierte Jugendwelle Fritz
z. B., ein Gemeinschaftsprogramm mit dem Sender
Freies Berlin, unterbreitet deshalb ihren jugendlichen
Hörern sehr unterschiedliche musikalische Angebote
auch jenseits der aktuellen Charts und
gibt immer wieder neuen Gruppen eine Chance, sich
erstmals im Radio vorzustellen.
Freunden
der E-Musik bietet der ORB mit Radio 3,
das gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk
veranstaltet wird, ein vielseitiges attraktives Angebot.
Für Radio 3 entstehen täglich in Potsdam-Babelsberg
rund sechs Programmstunden. Im
Sendegebiet des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg, einem
ausgedehnten Flächenland mit einigen Ballungszentren,
aber auch mit dünnbesiedelten Landstrichen
wie der Prignitz, der Uckermark oder dem
Fläming, muss der Hauptaugenmerk auf integrativer Vermittlung
von Metropolen- und Regionalkultur liegen.
Deshalb sieht Radio 3 seinen Kulturauftrag
vor allem in vermittelnder Berichterstattung aus
Berlin für das Land Brandenburg und
umgekehrt aus kleineren und größeren Zentren kulturellen
Geschehens in Brandenburg für die
Bundeshauptstadt, aber ebenso für das Land Brandenburg
selbst.
Als öffentlich-rechtlicher
Einrichtung geht es dem
ORB dabei nicht allein darum, das kulturelle Leben
im Land Brandenburg in seinen Sendungen widerzuspiegeln.
Er bemüht sich auch, es zu stimulieren und
zu fördern.
Es ist
deshalb ein zentrales und
täglich auf dem Prüfstand stehendes Anliegen von
Radio 3, seine Sendungen – der Musikanteil beträgt
90 Prozent – nicht auf ein „intelligentes CD-Abspiel"
reduziert zu sehen. Der Ehrgeiz des Programms,
d. h. seiner „Macher", besteht vielmehr darin, das Musikleben im Land aufmerksam
zu begleiten und – wo notwendig
und möglich – Schritt
für Schritt zu fördern. Dieses
Ziel wird auf unterschiedliche Art und Weise
verfolgt, u. a. durch die Art der Belegung der vom
ORB verantworteten Sendeplätze, durch zahlreiche Konzertaufzeichnungen
und Konzertwiedergaben, mit
Musikpräsentationen vor Ort, mit einem dicht
geflochtenen Netz von Medienpartnerschaften und
aufwendigen Einzelunternehmungen wie dem
ORB-Kompositionswettbewerb. Nicht zuletzt spielt
auch die regelmäßige aktuelle Musikkritik in diesem
Zusammenhang eine Rolle.
Unter
den Sendereihen, die in Potsdam produziert werden,
machen zwei bereits im Titel das Anliegen des
Senders deutlich: Musik aus Brandenburg und
Märkische Zwischentöne. In der Reihe Musik
aus Brandenburg
sind Konzertaufzeichnungen mit brandenburgischen
Chören und Klangkör pern, aber auch
mit Solisten, renommierten Ensembles und Orchestern,
die im Land Brandenburg gastieren, zu
hören. So wurden z. B. in 2001 Aufzeichnungen von
den Uckermärkischen Musikwochen, von der
Kammerakademie Rheinsberg, den Frankfurter Festtagen
der Musik, den Musikfestspielen Potsdam-Sanssouci, von den Osteuropäischen
Orgeltagen in
Großräschen und von den Brandenburger Sommerkonzerten
gesendet.
Die Märkischen
Zwischentöne bieten klingende Kostproben
aus dem Brandenburger Musikleben, historische
Reminiszenzen, Gespräche mit prominenten Studiogästen
und Informationen aus dem Brandenburger
und Berliner Musikleben.
In der
Sendereihe Debut werden regelmäßig Nachwuchskünstlerinnen
und -künstler, junge Preisträger nationaler
und internationaler Wettbe werbe sowie
Musikvereinigungen vorgestellt, z. B. das Landesjugendorchester
Brandenburg, Teilnehmer-( innen)
am Meisterkurs Querflöte an der Musikakademie Rheinsberg
und Nachwuchs sänger( innen) der
Kammeroper Schloss Rheinsberg.
Unter
dem Motto Neue Musik für Brandenburg hat
der Ostdeutsche Rundfunk Mitte 2002 bundesweit
einen Komponistenwettbewerb ausgeschrieben, der
große Resonanz fand. Gefragt waren kam
mermusikalische Werke mit einem Bezug zu Brandenburg.
Die drei von einer fachkundigen Jury gekürten
Siegerstücke werden im Frühjahr 2002 in
einem Preisträger-Konzert uraufgeführt, von Radio
3 aufgezeichnet und in der Reihe
Musik aus Brandenburg
ausgestrahlt.
Eine
bewährte Form der Zusammenarbeit von öffentlichrechtlichem
Rundfunk und Kultureinrichtungen sind Medienpartnerschaften. Im vergangenen
Jahr ist allein Radio 3 für
den ORB über
20 Medienpartnerschaften eingegangen, mit Orchestern,
Konzerthäusern, Festspielunternehmen, Konzertagenturen
mit kommunalen und Landeskulturträgern in
Brandenburg und Berlin. Der ORB wirbt
im Programm mit speziellen Trailern und mit
Veranstaltungshinweisen im Serviceteil für die jeweilige
Veranstaltung. Der Partner macht im Gegenzug
in seinen Publikationen, z. B. auf Flyern, Plakaten
und in Programmheften, auf Radio 3, das
Klassikprogramm von NDR und ORB, aufmerksam. Auch
diese Form der Zusammenarbeit wird
sehr geschätzt. So schrieb z. B. im Namen der
Freunde und Förderer der Brandenburgischen Sommerkonzerte
Dr. Werner Martin, Vorsitzender des
Vorstandes, an den ORB:
Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Engagement. Es ist auch in den nächsten Jahren notwendig, dass wir gemeinsam Kultur machen.
Und Prof. Siegfried Matthus, Künstlerischer Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg betonte: Am schönen Erfolg unseres Festivals haben Sie mit Ihrer Förderung einen großen Anteil. Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihr Engagement und er hoffen uns für das nächste Jahr, in dem wir unser Programm dem 200. Todestag des Prinzen Heinrich – Ein Europäer in Rheinsberg – widmen, unsere enge langjährige Verbindung noch zu vertiefen.
Ein Spezialgebiet der Förderung
Brandenburgischer Musikkultur
durch den ORB bildet die sorbisch-wendische Musik.
In der Nieder- und Oberlausitz, d.
h. in den Sendegebieten des ORB bzw. Mitteldeutschen Rundfunks
ist die nationale Minderheit der
Sorben / Wenden zu Hause. Basierend auf der Brandenburgischen
Landesverfassung verpflichtet das
Gesetz über den Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg die
Landesrundfunkanstalt, der sorbischen Kultur
und Sprache im Programm Rechnung zu tragen.
Das geschieht durch tägliche Sendungen in sorbisch/
wendischer Sprache, die im ORB-Studio Cottbus
produziert werden. Musik ist dabei ein wesentliches
Programmelement.
Die Quelle
für musikalische Beiträge bildet das umfangreiche
sorbische Musikarchiv, dessen ältere Schätze
durch kostspielige Konservierungsarbeiten erhalten
werden konnten und nicht nur für die Nutzung im
Hörfunk, sondern auch für Forschungszwecke zur
Verfügung stehen. Da der Ausbau der Archivbestände
verständlicherweise nicht über den Markt
möglich ist, tritt der ORB selbst in beträchtlichem
Umfang als Produzent auf. Seit
1992 entstanden
rund 800 Aufnahmen im Auftrag der Brandenburger
Landesrundfunkanstalt, darunter sinfonische
Musik, Instrumentalkonzerte, Kammermusik, Chorwerke,
aber auch sorbische Kirchenmusik, Volksmusik,
Kinderlieder, Schlager, Rock- und
Popmusik. Natürlich bereichern auch Konzertmitschnitte
das verfügbare Musikangebot,
das zwar in erster
Linie vom sorbischen Programm, aber
auch von anderen Wellen genutzt wird, die ihre
Hörerinnen und Hörer über Gegenwart und Vergangenheit
des kleinen slawischen Volkes im Osten
Deutschlands informieren.
Mit CD-Editionen
wie Damdalija (niedersorbische Volkslieder)
leistet der ORB einen Beitrag, auch
auf diesem Wege sorbisch/ wendisches Kulturgut einer
breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Seit
1995 veranstaltet der ORB in Kooperation mit
dem Konservatorium Cottbus jährlich ein Nachwuchskonzert
sorbischer Musik. Zahlreiche
junge Solisten,
Instrumentalgruppen und Chöre, aber auch sorbische
Komponisten und Arrangeure fanden und finden
in diesen Konzerten ein Podium.
Im Jahr
2000 schrieb der ORB einen Kompositionswettbewerb
für junge Komponisten
aus. Sein Thema:
„Das neue sorbische Lied". Vorgegeben waren
Verse des sorbischen Nationaldichters Mato Kosyk,
dessen Todestag sich im Jahr 2000 zum 60.
Mal jährte. 16 Komponisten reichten Werke ein,
neun Komponisten wurden im abschließenden Wettbewerbskonzert
uraufgeführt.
Angesichts des positiven
Echos entschloss sich der
Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg, im Jahr 2002
erneut einen derartigen Wettbewerb auszuschreiben.
Hannelore Steer ist Hörfunkdirektorin des Ostdeut-schen Rundfunks Brandenburg.