Wenn die kulturellen Beziehungen
zu Polen nicht wachsen, gibt es auch keine weitere Annäherung der
benachbarten Staaten. Diese oft gehörte Sentenz war Antrieb für
den Deutschen Musikrat, sich beim großen polnischen Festival für
Zeitgenössische Musik, dem Warschauer Herbst, zu präsentieren
und auf Kontaktsuche zu gehen. Die 44. Auflage dieses achttägigen
Festivals in der polnischen Hauptstadt wurde deshalb zur Plattform für
ein bilaterales Symposion zu Rahmenbedingungen für die Förderung
von Kultur. Die Rolle der Musik im 21. Jahrhundert. Zudem wurde ein
Konzert
des Deutschen Musikrates am 22. September 2001 in das Festivalprogramm
eingebunden. Im Reisegepäck hatte der Deutsche Musikrat dazu das 18-köpfige
Ensemble UnitedBerlin mit einem für Ausführende und Zuhörer
gleichermaßen aufregenden Programm: Die Auswahl von Werken von Hans-Peter
Kyburz, Jakob Ullmann und Mathias Spahlinger bot ein Spektrum deutscher
Musikschaffender. Die ausgewählten Werke, die neben einem Standardinstrumentarium
für Spezialinstrumente und Gerätschaften gesetzt sind, spielten
insbesondere mit dem Wechsel und der Kombination von Klang und Geräusch,
was beide Teile, das Ensemble unter der Leitung von Peter Hirsch, wie das
Publikum im ausverkauften Saal des Warschauer Königsschlosses, phasenweise
atemlos machte.
Am gleichen
Ort, am Rande der Warschauer Altstadt, hatte am Vortag das Symposion einen
Strauß an Themen angerissen. Der polnische Kulturminister Zielinski
erläuterte zur Eröffnung die Lage des neu gegründeten Polnischen
Musikrates. Erstmals bereits 1956 von Musikern und Kompo nisten gegründet,
stand dieser unter politischer Kontrolle, weshalb er sich nach außen
als lose Gruppierung prominenter Komponisten darstellte, um sich der Einflussnahme
möglichst zu entziehen. Nach dem Ende der Volksrepublik Polen fiel
der letztlich doch zentral gelenkte Verbund auseinander. Auf Initiative
des Komponistenverbandes gibt es seit dem Jahr 2000 nun wieder einen Polnischen
Musikrat. Noch steckt er in den Anfängen. Durch Austausch wie dem
mit dem Deutschen Musikrat arbeiten beide Seiten jedoch auf dessen Einbindung
in den internationalen Dialog sowie die Befruchtung in Strukturfragen und
Projektideen hin. Zu letzteren hatte insbesondere der Präsident des
Deutschen Musikrates, Prof. Dr. Franz Müller-Heuser, mit viel Erfahrung
und einem großen Angebot aufzuwarten. Alle Bereiche des Musiklebens
fasse der Deutsche Musikrat ins Auge. Das spiegele sich besonders in seinen
politischen Arbeitsgebieten wider, zur Zeit mit den Schwerpunkten: Künstlersozialversicherung,
Ehrenamt, Urhebervertragsrecht als Teil des Urheberrechtes und die Kampagne
""Hauptsache Musik". Auf erhöhtes Interesse stießen erwartungsgemäß
seine Ausführungen zu den Tätigkeiten des Deutschen Musikrats
in Sachen Zeitgenössischer Musik.
Aus der
Bundesrepublik waren kompetente und repräsentative Teilnehmer angereist,
darunter Dr. Gerti Peters, Referatsleiterin Musik beim Beauftragten der
Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien sowie
Medienvertreter. GEMA-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Reinhold Kreile als
Vertreter der Musikurheber legte in seinem Referat den Schwerpunkt auf
die Zusammenarbeit der Urhebergesellschaften. Das sei in einer immer internationaler
wirtschaftenden Welt vonnöten, um Ansprüche der Urheber wirksam
geltend machen zu können. Diese Kooperation müsse von den jeweiligen
Staaten erlaubt, besser noch gewünscht sein. Doch im Digitalzeitalter
scheinen nach den Rechtsprechungen der vergangenen Jahre die Ansprüche
der Urheber innerhalb der neuen Gegebenheiten verankert zu sein, so Kreile.
Schließlich gab er noch einen Hinweis auf die nötige Solidarität
unter den Urhebern durch eine unterschiedliche Bewertung in den Bereichen
U-und E-Musik zugunsten letzterer; eine Konstellation, die im Prinzip alle
Urheberrechtsgesellschaften weltweit positiv bewerten.
Edward
Pallasz von der ZAIKS (Polnische Gesellschaft für Urheberrecht), wies
darauf hin, dass in Spanien die Pro-Kopf-Ausgabe der Bevölkerung für
Urheberrechte viermal so viel betrage wie in Polen. Dieses massive finanzielle
Missverhältnis aufzulösen bezeichnete Edward Pallasz als zentrale
Aufgabe seiner Organisation. Die Polnische Gesellschaft für Urheberrecht
zeigt ein besonderes Engagement bei der Musikförderung. So engagierte
man sich durch Stipendien und Preise, in der Phonothek des polnischen Komponistenverbandes
und durch Tantiemenvorauszahlungen an Komponisten, die an groß angelegten
Werken arbeiten.
Prof.
Dr. Jan Bleszynski steht als Berater des Kulturministers in Urherberrechtsfragen
vor der Aufgabe, das polnische Urheberrecht vorausschauend an die EU-Rahmenrichtlinie
anzupassen. Zwar sei 1994 die wesentliche Umsetzung bereits erfolgt, es
gebe jedoch noch strukturelle Probleme. Die Themenpalette dieser ersten
deutsch-polnischen Begegnung war bewusst weit gefasst, um Brennpunkte zu
ermitteln. Für das kommende Jahr ist mit der Vertiefung eines Schwerpunktes
eine Fortsetzung geplant. Eine Dokumentation der diesjährigen Veranstaltung
ist beim Deutschen Musikrat in Vorbereitung.
Symposionteilnehmer Polen
Prof. Dr. Jan Bleszynski,
Berater für Urheberrechtsfragen des Kultusministeriums
Prof. Andrzej Chlopecki,
Vorsitzender der Stiftung der Freunde des "Warschauer Herbstes"
Kazimierz Kord, Präsident
des Polnischen Musikrates, GMD der Nationalphilharmonie Warschau
Robert Kostro, Vizedirektor
des Adam-Mickiewicz-Instituts
Krzysztof Knittel,
Vorsitzender der Vereinigung polnischer Komponisten
Zygmunt Krauze, ehem.
Vorsitzender der Internationalen Vereinigung der Zeitgen. Musik
Grzegorz Michalski,
Direktor des Nationalen Chopin-Institutes
Edward Pallasz, Vizevorsitzender
der ZAIKS
Iwona Ryniewicz,
Stiftung Kronenberg
Tadeusz Wielecki,
Direktor des Festivals "Warschauer Herbst"
Prof. Andrzej Sylwester
Zielinski, Kulturminister
Symposionteilnehmer Deutschland
Prof. Klaus Bernbacher,
Vorsitzender des Hauptausschusses "Konzert des Deutschen Musikrates"
Detlef Heusinger,
Komponist
Dr. Uli Kostenbader,
Leiter Sponsoring bei DaimlerChrysler
Prof. Dr. Reinhold Kreile,
GEMA-Generaldirektor
Prof. Dr. Franz Müller-Heuser,
Präsident des Deutschen Musikrates
Dr. Gerti Peters,
Referatsleiterin Musik beim Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten
der Kultur und der Medien
Rainer Pöllmann,
Redakteur für Neue Musik beim DeutschlandRadio
Michael Roßnagl,
Leiter des Siemens Arts Program
Dr. Eckhart Rohlfs,
Generalsekretär der Union der Europäischen Musikwettbewerbe für
die Jugend
Moderator
Dr. Janunsz Cizek,
Vizedirektor Abteilung für die Zusammenarbeit mit dem Ausland und
die Europäische Integration, Ministerium für Kultur und nationales
Erbe.
Theo Geißler,
Herausgeber neue musikzeitung
Olav Roßbach ist Musikwissenschaftler und Mitarbeiter des Deutschen Musikrates im Förderprogramm für Zeitgenössische Musik