Roland Sandberg
Leistungsprofil des Schwedischen Musikinformationszentrums

Was versteht sich unter dem Schwedischen Musikinformationszentrum?

Das Schwedische Musikinformationszentrum ist eine Abteilung von STIM (die schwedische GEMA) und arbeitet somit für die schwedischen Komponisten und Musikverlage. Gemäß der Zielsetzung soll das Schwedische Musikinformationszentrum eng mit den Besitzern zusammenarbeiten und eine Ergänzung der Aufgaben darstellen die von anderen auf dem Gebiet der Musik ausgeführt werden. Das Schwedische Musikinformationszentrum hat demnach keine Verantwortung für Informationen über das Musikleben im Allgemeinen, schwedische Musikpolitik oder schwedische Musiker.
Das Schwedische Musikinformationszentrum wurde 1965 gegründet, um Aufgaben zu übernehmen, die von STIM, gegründet im Jahre 1923, und deren Eignerverbänden ausgeführt worden waren. Die Basis für das Budget sind die so genannten nationalen Mittel, die der Urheberrechtsgesellschaft die Möglichkeit zur Unterstützung der Musik des eigenen Landes geben. Der Staat hat jedoch seit 1965 – wenn auch zu einem geringeren Teil, ca. 10 % – zum Gesamtbudget des Schwedischen Musikinformationszentrums beigetragen. Dass STIM die Verantwortung für die Arbeitsaufgaben, die von dem Schwedischen Musikinformationszentrum ausgeführt werden, übernommen hat, hat mit sich gebracht, dass der Staat dafür keine besonders große Verantwortung trägt. Vom Staat unabhängig zu sein bringt jedoch auch eine Reihe von Vorteilen. Wir müssen z. B. bei einem Regierungswechsel unsere Tätigkeitsbereiche nicht ändern (wir haben aktuelle Beispiele in unserer nordischen Nachbarschaft). Das Schwedische Musikinformationszentrum hat eine klar definierte Aufgabe, was das Setzen von Prioritäten auch vereinfacht. Gleichzeitig verursacht der Name jedoch auch internationale Missverständnisse. Viele glauben, wir wären ein allgemeines Musikinformationszentrum mit einer staatlichen Verantwortung, wie es in vielen anderen Ländern üblich ist. Richtiger ist es, das Schwedische Musikinformationszentrum als eine Interessenorganisation für schwedische Urheber und Musikverlage zu sehen. Um dies zu verdeutlichen, haben wir unsere Homepage im Internet mit folgendem Slogan komplettiert – Ihr Wegweiser zur neuen schwedischen Musik. Das soll heißen, dass es sich nicht um einen Führer zur älteren schwedischen Musik, zu schwedischen Musikern, schwedischer Musikpolitik und auch nicht durch das schwedische Musikleben im Allgemeinen handelt.

Budget 2002: ca. 22 Mio. schwedische Kronen, wovon STIM 15 Mio. Kronen bereitstellt. Der staatliche Zuschuss beträgt 2 Mio. Kronen, eigene Einnahmen 2 Mio. Kronen und der Rest resultiert aus verschiedenen Projektbeiträgen. Personal: 12,5 feste Stellen und in diesem Jahr eine 75 %-ige Projektstelle Vorstand: Vorstandsvorsitzender ist der geschäftsführende Direktor von STIM, weitere Mitglieder repräsentieren die drei Eignerverbände bei STIM, d. h. den schwedischen Tonsätzerverband, den Verband schwedischer Komponisten von Populärmusik und den schwedischen Musikverlegerverband.

Dokumentation/ Produktion

Manuskriptsammlung
Seit seinem Start hat das Schwedische Musikinformationszentrum den schwedischen STIM-angeschlossenen Komponisten angeboten, ihre Manuskripte in einer Sammlung zu deponieren. Die Werke werden katalogisiert und Listen über neue Depositionen werden sowohl in Papierform gedruckt als auch im Internet publiziert. Von den Manuskripten, die die ganze Zeit im Eigentum der Komponisten verbleiben, können Kopien bestellt werden. Dieser Service ist für die Komponisten kostenlos. Die Sammlung umfasst heute über 13.000 Werke und ist eine wichtige Ergänzung zu der Tätigkeit der Musikverlage. Nur ein kleiner Teil neu komponierter „E-Musik" wird von den Verlagen verlegt. Das Verlegen von Orchesterwerken, die beinahe zu 100 % bei dem Schwedischen Musikinformationszentrum deponiert werden, ist in der Regel zu teuer.

Herstellung von Stimmen
Soll ein Orchesterwerk uraufgeführt werden und ein Orchester nennt dafür einen Termin, übernimmt das Schwedische Musikinformationszentrum die Herstellung des Notenmaterials. Auch der Service, die Stimmen abzuschreiben, ist für die Komponisten kostenlos. Da jedoch viele Komponisten ihre Stimmen mit Hilfe von Computerprogrammen selbst abschreiben, erhalten sie eine Vergütung für ihre Tätigkeit als Notenschreiber.

Vervielfältigung von Noten
Bevor der Fotokopierer aufkam, war die Lichtpausentechnik die einzige Möglichkeit zu kopieren. Dies bedeutete, dass bis zur Mitte der 80er-Jahre die Komponisten gezwungen waren, Reinschriften ihrer Werke auf transparenten Bogen anzufertigen, um diese dann vervielfältigen zu können. Inzwischen benutzen die Komponisten normales Papier, weil die Lichtkopierer seit langem durch Fotokopierer ersetzt sind. Das Grundprinzip ist jedoch das gleiche wie vor 80 Jahren: Das Original der Komponisten wird kopiert.

SKAPs Archiv
Seit Svenskt Visarkiv (das schwedische Liederarchiv) in den 50er-Jahren eingerichtet wurde, wurde Musik „gesammelt", und zwar nach folgenden Gesichtspunkten: Das Liederarchiv kümmerte sich um urheberrechtlich ungeschützte Musik; die geschützte Musik wurde zu einer privaten „Sammlung Populärmusik". Diese Sammlung wurde während der 70er-Jahre von dem Schwedischen Musikinformationszentrum unter dem Namen SKAPs Archiv übernommen. Hier findet man über 56.000 Melodien, deren ältesten bereits vor mehr als 100 Jah ren herausgegeben worden sind. Im Prinzip werden keine Manuskripte sondern ausschließlich gedruckte Noten gesammelt. Viele der alten Ausgaben aus den 20er- und 30er-Jahren sind ausschließlich durch das SKAPs Archiv zugänglich. Die Musikverlage, die diese herausgegeben haben, sind immer wieder verkauft worden und Pflichtexemplare sind nicht immer an die Königliche Bibliothek geliefert worden. Es ist somit eine einmalige Musiksammlung, die sich in dem Archiv befindet, das sowohl von Privatpersonen als auch von Institutionen benutzt wird.
SKAPs Archiv hat auch einen Teil Jazzmanuskripte. Beispielsweise findet man dort Lars Gullins Nachlassmaterial wie auch das von Lars Färnlöfs. Diese Sammlung wurde ergänzt. Kopien für Aufführungen sind erhältlich.

Schallplattenproduktion
STIM hat bereits seit Ende der 40er-Jahre Schallplatten produziert. Seit 1990 hat diese Tätigkeit das Schwedische Musikinformationszentrum übernommen. Die CDs werden unter dem Labelnamen Phono Suecia herausgegeben, bestimmte Populärmusikausgaben unter dem Etikett Favorit. Ziel ist es, pro Jahr 12 CD-Ausgaben herauszugeben. Die meisten davon sind Komponistenporträts; aber es wird auch eine Serie Genre-Platten unter der Bezeichnung „con forza" herausgegeben. In der Herausgabe und Produktion von Tonträgern sieht das Schwedische Musikinformationszentrum seine wichtigste Aufgabe.
Parallel zu den o. g. Produktionen ist in den letzten Jahren zusammen mit dem schwedischen Radio und der königlichen Musikakademie die Anthologie Musica Sveciae Modern Classics herausgegeben worden. Diese Anthologie ist die Fort setzung der großen musikhistorischen Anthologie, die die Akademie früher herausgegeben hat und die Musik etwa bis zum Jahre 1910 beinhaltet. Die Fortsetzung erstreckt sich bis zum Jahre 1945 und wird über 20 Ausgaben umfassen. Es wird damit gerechnet, die Anthologie zum Jahreswechsel 2002/ 2003 beenden zu können.
Der Phono Suecia-Katalog umfasst heutzutage über 100 CD-Ausgaben.

Musikverlag
Der Verband schwedischer Tonsätzer gründete 1935 einen Musikverlag unter dem Namen Edition Suecia und betrieb diesen bis zur Gründung des Schwedischen Musikinformationszentrums, das die Aufgaben dann übernahm. Die ersten Ausgaben wurden bei Breitkopf & Härtel gedruckt und bis heute gibt es Kontakte zu diesem deutschen Verlag als Agentur für alle Orchestermusik, die im deutschen Sprachraum aufgeführt wird, sowohl für Manuskripte als auch für die bei Edition Suecia verlegten Werke.
Jährlich werden über zehn Publikationen herausgegeben und der Katalog umfasst heute ca. 400 Werke. Die meisten Werke werden nunmehr in kleineren, kopierten Auflagen herausgegeben und nur solche Werke, die voraussichtlich verkauft werden können, werden in größerer Auflage gedruckt.

Information / Promotion
Man kann vielleicht vermuten, dass das Schwedische Musikinformationszentrum den größten Teil seines Budgets für Informationstätigkeiten ausgibt und dass das meiste Personal damit beschäftigt ist. Dies ist nicht der Fall. Abgesehen davon, dass dies ein Teil der Aufgaben des Leiters ist, gibt es nur einen Vollzeit-Promotionsangestellten und einen ganztags angestellten webb/ IT-Administrator, der u. a. für die Homepage im Internet zusammen mit einem halbzeitlich angestellten Redakteur für Drucksachen zuständig ist. Außer der Vermarktung unserer eigenen Produkte werden die in einem Musikinformationszentrum normalen Informationsaufgaben wahrgenommen, abgesehen von der Beantwortung folgender Anfragen:

Zur allgemeinen Information wird viermal pro Jahr ein Newsletter herausgegeben.
Das Schwedische Musikinformationszentrum hat in den vergangenen Jahren mehrere Fernsehprogramme produziert, die sowohl alles aus dem Bereich der Populärmusikprogramme umfassen als auch zeitgenössische Kompositionen.
Verschiedene Promotionsprojekte werden durchgeführt. Das größte ist zurzeit ein gemeinsames nordisches Projekt mit dem Ziel, die Sinfonieorchester dazu zu bewegen, mehr Musik nordischer Komponisten aufzuführen.
Im Januar 1996 öffnete das Schwedische Musikinformationszentrum seine erste Homepage im Internet und war damit eine der ersten Musikseiten im schwedischen Internet. Unmittelbar danach begann eine umfangreiche Arbeit, um sämtliche Texte, über die das Schwedische Musikinformationszentrum verfügte, zu digitalisieren. Unser IT-Sys tem wurde verändert und wir gingen zu Lotus Notes über, auch für den Computerkatalog. Danach konnte eine adäquate Homepage erarbeitet werden mit Komponistenbiografien, unserem Computerkatalog, einigen hundert Werkkommentaren usw. Wie bereits oben erwähnt, sind in den letzten Jahren neue Funktionen hinzugekommen und Neuheiten sind regelmäßig auf Schwedisch und Englisch produziert worden.
Aufseiten der Populärmusik haben wir während dieser Jahre eine große Anzahl CD-Platten an ausländische Radioproduzenten geschickt. Zusammen mit den Platten wurden pro Jahr eine Drucksache mit Informationen über die letzten Pop- und Rockgruppen herausgeschickt. Sowohl die Drucksachen als auch größere Teile des Plattenversands werden nunmehr via Homepage gemacht. Eine digitale Hit Facts mit Neuigkeiten, die mehrere Male pro Woche von einem freiberuflichen Redakteur produziert werden, ist geschaffen worden. Radioproduzenten können sich anmelden und wenn sie anerkannt werden, erhalten sie ein Kennwort und können selbst die Promotionsplatten, die die Plattengesellschaften auf der Homepage anbieten, bestellen.
Auch das Genre Jazz ist durch CD-Versand und das Büchlein Jazz Facts berücksichtigt worden. Im Zusammenhang mit einem neuen Design der Homepage im Internet ist ein digitales Jazz Facts geschaffen worden. Das bedeutet, dass wir keine Drucksachen mehr produzieren und stattdessen Interessenten auf das Internet verweisen. Neuigkeiten über schwedischen Jazz werden von einem freischaffenden Produzenten produziert und Informationen über neue Jazzplatten werden kontinuierlich veröffentlicht.
Für den Jazz hat das Schwedische Musikinformationszentrum ein gelungenes Projekt initiiert, die Swedish Jazz Celebration: Die meisten schwedischen Jazzpreise werden in Zusammenhang mit einer großen Zeremonie verliehen, mit Konzerten über ein ganzes Wochenende. Dies hat den Jazz auf eine ganz andere Weise ins Blickfeld gerückt, als wenn die verschiedenen kleinen Preise jeder für sich verliehen würden.
Als einen Teil der Homepage gibt es auch eine Verkaufstelle (Swedish Music Shop), wo die Kunden CDs von unabhängigen schwedischen Plattengesellschaften kaufen können, die ihre Platten über die Vertriebsgesellschaft CDA vertreiben. Ca 1.500 CDs sind zurzeit dort verfügbar.
Bücher und Abhandlungen über schwedische Musik und schwedische Komponisten findet man in einer speziellen Databasis für Bücher. Die Bücher sind meist in schwedischer Sprache geschrieben und werden sowohl von uns selbst als auch von Buchverlagen herausgegeben. Die Bücher können durch eine E-Mail-Funktion auf der Homepage bestellt werden.
Es sind mit dem staatlichen Kulturrat auch Diskussionen bezüglich der Produktion eines Hit Facts-ähnlichen Service auch auf dem Gebiet der Volksmusik geführt worden. Hier müssen jedoch viele Abgrenzungsprobleme diskutiert werden, da Teile der Volksmusik urheberrechtlich ungeschützt sind und nicht in den Verantwortungsbereich des Schwedischen Musikinformationszentrums eingehen.
Letztlich nimmt das Schwedische Musikinformationszentrum jedes Jahr an einigen Messen und Festivals teil. Entsprechend der Einrichtung des Ereignisses werden CDs, Noten und Informationsmaterial angeboten. Das Festival Nordische Musiktage erfordert einen besonderen Einsatz.

Zukunftsvision
Als Zukunftsvision hat sich das Schwedische Musikinformationszentrum zum Ziel gesetzt, ein komplett digitales Musikinformationszentrum zu werden. Der Weg dorthin wird lang sein und teilweise auch ziemlich beschwerlich. Aber einige Schritte sind bereits gemacht worden. Es wäre zumindest merkwürdig, wenn nicht sowohl die Produktion als auch der Vertrieb von Musik von der Epoche Gutenbergs, also von der Papierinformation, abkommen würde, um auf effektivere und billigere Weise das gleiche Material vertreiben zu können.

Die Produktionstechnik ist vor ungefähr 15 Jahren digitalisiert worden. Dagegen ist auf der Vertriebsseite bislang nicht so viel geschehen. Die Aufnahmen werden immer noch in Form physischer Exemplare, die gepresst werden, verbreitet. Der Verkauf erfolgt jedoch nunmehr via Internet durch die CD-Boutique, wie oben bereits erwähnt.
Hinsichtlich des digitalen Vertriebs von klingender Musik entstand zwischen dem Schwedischen Musikinformationszentrum und einigen anderen unabhängigen Plattengesellschaften eine Zusammenarbeit in einer Gesellschaft, der Music Pool Scandinavia AB. Dieser liegt die Idee der Personal CDs zugrunde. D. h. der Kunde wählt selbst seine Musik aus und erhält eine persönlich hergestellte CD. Wenn dieses Experiment gut ausfällt, werden zukünftig andere Gattungen in das Angebot aufgenommen. Es wird damit gerechnet, dass 2003 diese Tätigkeit als Pilotprojekt begonnen werden kann.
Und schließlich die Noten. Dies ist das Gebiet, wo die Digitalisierung am langsamsten voranschreitet. Zwar benutzen immer mehr Komponisten Computerprogramme zum Ausschreiben der Noten. Das Notenmaterial wird jedoch immer noch in Papierform bei dem Schwedischen Musikinformationszentrum deponiert und diese werden kopiert und an die Kunden verkauft. Mehrere MICs haben ein Digitalisierungsprojekt begonnen, was das Scannen des vorhandenen Notenarchivs betrifft. Das Schwedische Musikinformationszentrum hat die Möglichkeiten eruiert dies auch zu tun, um damit einen Anfang zu machen, alle digitalen Werke intern in einer Datenbank zu lagern. Ein diesbezüglicher Antrag ist eingereicht worden und der Bescheid, ob wir Beiträge zu diesem Projekt erhalten, wird im Herbst 2002 ergehen. Es wird damit gerechnet, dass das Projekt drei Jahre dauern wird, was eine große Investition in Personal und Maschinen bedeutet. Sollte das Scannerprojekt begonnen werden können, bedeutet dies einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem digitalen MIC.
Alles was zurzeit getan wird, muss ausschließlich als Vorbereitung zu einer neuen Art, der Produktion und des Vertriebs von Musik und Musikinformationen in der Zukunft gesehen werden. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass man weitere Wälder fällt, um Papier zu produzieren, das man dann an einen kleinen Kreis von Empfängern in der ganzen Welt verschickt, wenn man das gleiche Material digital (vielleicht sogar drahtlos) an alle zu einem bedeutend geringeren Preis vertreiben kann. Papier- oder kunststoffbasiertes Musikmaterial wird sicher ein Luxus werden, der nur sehr wenige erreicht im Vergleich zu den fantastischen Möglichkeiten, die digital vertriebene Musik und Musikinformationen mit sich bringen.
Das langfristige Ziel des Schwedischen Musikinformationszentrums ist es also, ein völlig digitales Musikinformationszentrum irgendwann in der Zukunft zu werden.

Roland Sandberg ist Geschäftsführer des Schwedischen Musikinformationszentrums.

Der Autor hat sich die Mühe gemacht, den Beitrag in deutscher Sprache zu verfassen. Wir danken dafür.