Information follows the purpose of promotion –
Informationen zu sammeln und zugänglich zu
machen zum Zweck der Kommunikation beziehungsweise
der Bekanntmachung und Verbreitung
zeitgenössischer Musikrepertoires, das entspricht
den Kernaufgaben eines Musikinformationszentrums.
Unter diesem Leitmotiv arbeitet auch das
mica – das music information center austria als
Service-und Experteneinrichtung für aktuelles
Musikschaffen aus Österreich.
Ein Blick zurück
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts
wurden die traditionellen Formen der Musikvermittlung
vor neue Herausforderungen gestellt. Der
Zugang des Publikums zu musikalischen Werken
war 250 Jahre lang über mehrere Stationen einer
Wertschöpfungskette vonstatten gegangen: Komponist,
Verleger, Musikalienhändler, Interpreten
und Ensembles, Agenturen und schließlich Veranstalter,
Konzerthäuser und Festspiele sorgten für
den Transport musikalischer Ideen an das Ohr
der Hörerin und des Hörers. Mit der Erfindung
der Tonaufzeichnung und der Herausbildung der
phonographischen Industrie kamen jetzt Produzen
ten, Tonstudios, Labels, Vertriebe, Rundfunk,
Pres se – heute zudem Internet-Serviceanbieter
oder Telefongesellschaften – in einer zweiten Wertschöpfungskette
für Tonträger hinzu.
Gleichzeitig fand eine stilistische Ausdifferen
zierung der avantgardistischen Kunstmusik in
viel fältige Schulen und Richtungen statt, die neben
der mit Industrialisierung und Entwicklung
elektrischer und elektronischer Medien entstehenden
Massenunterhaltung der Kulturindustrie zu
beste hen hatten. Für Komponisten wurde es immer
schwerer, sich über einen engen Kreis von Eingeweihten
und Experten hinaus durchzusetzen. Der
mit der wachsenden Diversifizierung von Produzenten
und Distributoren einhergehende Mangel
an Überblick, gravierende Unterschiede in den
individuellen Möglichkeiten zur Marktbearbeitung
sowie ein von Veranstaltern und Interpreten
bevorzugtes Übergewicht von Musik aus dem historischen Kanon
klassischer Meisterwerke gehören
zu den Gründen für diese Schwierigkeiten zeitgenössischer
Komponisten. Zudem gerieten in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die wichtigsten
Verleger, die sich den avantgardistischen Stilrichtungen
in Deutschland, Österreich und den Niederlanden
gegenüber offen gezeigt hatten, durch die
nationalsozialistische Herrschaft und deren Kampf
gegen „entartete Musik" in Bedrängnis. Das Wissen
um neue Werke und ihre Verfügbarkeit war entweder
regional – durch die Reichweite der persönlichen
Kontakte der Urheber – eingeschränkt oder
im besten Fall – mit teils mehrjähriger Verspätung
– über die Sammelkataloge der Musikverlage
zugänglich. Kurz: Musik außerhalb des im Rahmen
traditioneller Musikausbildungen vermittelten
klassischen Repertoires musste sich neue Wege
er öffnen, um ihr Publikum zu erreichen.
Als Reaktion auf diese Entwicklungen begannen
sich KomponistInnen in Eigeninitiative für die
Vermittlung und Veröffentlichung ihrer Werke zu
engagieren. In den Vereinigten Staaten von Amerika
haben sechs Komponisten, Verleger, Lehrer
und Interpreten – Marion Bauer, Aaron Copland,
Howard Hanson, Otto Luening, Harrison Kerr und
Quincy Porter – im Jahr 1939 mit dem American
Music Center (AMC) das weltweit erste Musikinformationszentrum
gegründet. Ihr gemeinsames
Ziel war: ... to foster and encourage the composition
of contemporary (American) music and to
promote its production, publication, distribution
and performance in every way possible throughout
the Western Hemisphere. Die über die traditionellen
Vermittlungsstrukturen schwer zugänglichen
Par tituren und Aufnahmen wurden im American
Music Center gesammelt und Informationen darüber
durch das AMC an Interpreten, Ensembles,
Veranstalter und Medien weitergegeben. In den
1940er-Jahren wurden die Bibliothek und der Informationsservice
um einen nicht profitorientierten
Musikverlag für Partituren und Tonaufnahmen ergänzt.
Diese Promotionarbeit wurde in den 1950er-Jahren
nochmals erweitert: um ein nationales
Pro gramm zur Aufführung und Tonaufnahme von
amerikanischen Orchesterwerken sowie um eine
Radiosendung für amerikanische Komponisten
und einen ersten Newsletter.
In der Nachkriegszeit formierten sich in weiteren
Ländern Musikinformationszentren: 1945
Gaudeamus in den Niederlanden, 1951 CeBeDeM
in Belgien und 1959 das CMC Canadian Music
Centre in Kanada. Diese Gründungen waren zum
einen ebenfalls auf die Eigeninitiative individueller
KomponistInnen zurückzuführen, zum anderen
gingen sie von nationalen Komponistenverbänden
aus. In späteren Jahren wurden in manchen Ländern
auch Verwertungsgesellschaften beziehungsweise
die staatliche Kulturpolitik selbst aktiv, um
Dokumentations-und Informationsstellen für die
Verbreitung des zeitgenössischen Musikschaffens
ihres Landes zu errichten. Entsprechend den jeweiligen
Gründungs-und Finanzierungsstrukturen
entwickelten sich unterschiedliche Leistungsprofile
der mittlerweile 43 Musikinformationszentren
in 38 Ländern, die mittlerweile in dem internationalen
Netzwerk der IAMIC – International Association
of Music Information Centres zusammengefasst
sind.
mica – music information center austria
Die Gründung des österreichischen Musikinformationszentrums
mica erfolgte im internationalen
Vergleich eher spät. Unter dem Eindruck des von
der schwedischen Verwertungsgesellschaft STIM
seit den 1970er-Jahren geführten Swedish Music
Information Centre waren zwar in den 1980erJahren
auch in Österreich Anläufe zur Schaffung
eines MICs von verschiedenen konkurrierenden
Komponistenverbänden ausgegangen, aber erst im
Jahr 1994 konnte durch einen Auftrag des damaligen
Bundeskulturministers an die von ihm bestellten
Musikkuratoren das mica – music information
center austria tatsächlich finanziert und ins Leben
gerufen werden. In der Organisationsform eines
unabhängigen, gemeinnützigen Vereines wurden
die Aufgaben des mica an internationalen Vorbildern
und an der bereits bestehenden Institutionslandschaft
ausgerichtet. Finanziert wird das mica
seitdem aus Mitteln der Bundeskunstfinanzierung
und der Kulturabteilung der Stadt Wien. Bei einem
Jahresumsatz von rund 780.000 Euro beschäftigt
das Haus elf Mitarbeiterinnen und nimmt sich aller
aktuellen Musikgenres an, von Rock und Pop
über improvisierte Musik bis zur zeitgenössischen
Kunstmusik. Die Umsetzung konkreter Fördermaßnahmen
und Projekte wird von einzelnen Verwertungsgesellschaften,
dem österreichischen Bundesministerium
für auswärtige Angelegenheiten, einer
Vielzahl an Veranstaltern sowie in langfristigen
Public-Private-Partnerships (Volkswagen Sound
Foundation) unterstützt.
Entsprechend dem Leitmotiv Information follows
the purpose of promotion werden auch in
Österreich Informationen zum zeitgenössischen
österreichischen Musikschaffen gesammelt, zugänglich
gemacht und aktiv weitergegeben, um
die Verbreitung, Publikation und Aufführung der
Werke österreichischer UrheberInnen zu fördern.
Orientiert an den heutigen und im Blick auf die
zukünftigen Anforderungen des Musikmarktes,
hat das mica in seinen ersten Bestandsjahren vielfältige
Maßnahmen zur Unterstützung von Musikschaffenden
entwickelt. Unter Berücksichtigung
des mittlerweile unüberschaubaren Angebots von
Musik einerseits und dem entsprechend schwierigen
Zugang zum professionellen Musikbetrieb
für Kreative andererseits setzt das Musikinformationszentrum
praxisnahe Informationen und
kompetente Beratung ein, um das österreichische
Musikschaffen einem wachsenden Kreis an Interessenten
zugänglich zu machen.
Die Tools des mica
Mit dem Auftrag zur Dokumentation des österreichischen
Musikschaffens hat sich das mica zum
„In haltsverzeichnis des heutigen Musiklebens" in
Österreich entwickelt. Mit dem Lexikon zeitgenössischer
Musik aus Österreich: Komponisten
und Komponistinnen des 20. Jahrhunderts (Wien,
mica, 1998) wurde ein Standardwerk zur österreichischen
Musik im 20. Jahrhundert publiziert, in
dem 424 KomponistInnen detailliert und in hoher
Qualität porträtiert und mit Biografien, Werklisten,
Diskografien und Bibliografien erfasst sind. Über
diesen wachsenden Bereich hinaus werden Informationen
zu Musikschaffenden aus den Genres
Jazz, Improvisation, Pop, Elektronik etc. in die
Datenbanken des mica einbezogen. Dazu kommt
die Erfassung von nationalen und internationalen
Veranstaltern, Festivals, Verlagen, Labels, Ausbildungseinrichtungen,
Medien etc. Die Datenbanken
des mica enthalten derzeit Informationen zu
insgesamt 2.800 KomponistInnen und Musiker-Innen,
900 Bands und Ensembles, 40.000 Werken
sowie rund 5.000 Einträgen mit Kontakten
zu Firmen, Organisationen und Institutionen des
Musik lebens.
In einem umfassenden KünstlerInnenarchiv
sind Materialien, Publikationen, Fotos und Tonträger
gesammelt. Rezensionen zu KünstlerInnen und
Medienberichte zum österreichischen Musikleben
werden täglich ausgewertet und sind im Zeitschriftenarchiv
des mica nachlesbar beziehungsweise im
Bereich Medienbeobachtung auf der Website des
mica unter http://www.mica.at nach Schlagzeilen
und Stichworten durchsuchbar. Alle Informationen
können kostenfrei nachgefragt werden und werden
schrittweise online zur allgemeinen Nutzung bereitgestellt.
Dieser Bestand an Meta-Informationen wird
in persönlichen Beratungen und Services der MitarbeiterInnen
in konkreten Fördermaßnahmen aktiv
verwertet. Speziell für Veranstalter und Fördereinrichtungen
bietet das mica unter der Marke
consulted by mica Beratungsangebote, um zusätzliche
Präsentationsplattformen für aktuelles Musikschaffen
zu etablieren und bestehende Foren
auszuweiten. Ausgehend von aktuellen Unterlagen
zu Bands, Ensembles und Projekten aus dem
mica-Informationspool werden Vorschläge für Institutionen
im Musikbereich, vor allem aber für die
spartenübergreifende Zusammenarbeit mit Institutionen
ohne Kernkompetenz im Musikbereich entwickelt,
beispielsweise in den Bereichen Bildende
Kunst, Tanz und Film. Gezielt werden aktuelle
Informationen auch an Informationsständen bei
nationalen und internationalen Festivals präsentiert.
Gemeinschaftsstände zur Präsentation österreichischer
Musikproduktionen auf den großen internationalen
Musikmessen wurden vom mica von
1994 bis 2000 betreut. Aufbauend auf solche internationalen
Initiativen entwickelt das mica weiterführende
Exportmaßnahmen. Und nicht zuletzt ist
es dem mica mit einem langfristigen Sponsorship
der Volkswagen Sound Foundation möglich, NachwuchsmusikerInnen
im Popmusik-Bereich gezielt
mit Trainings, Auftrittsmöglichkeiten und Tour-Bussen
zu unterstützen.
Aufgabenfeld Distribution / Professionalisierung der Musikschaffenden
Auf dem Weg eines Werkes vom musikalischen
Urheber zu einem Publikum müssen KünstlerInnen
immer mehr Vermittlungsschritte selbst bewältigen.
Verlage, Labels, Agenturen und Veranstalter
sehen sich wachsendem Kostendruck ausgesetzt
und können immer weniger – zudem meist nur
be reits erfolgreiche – Musikschaffende umfassend
betreuen. Das Sichbefassen mit Nischenbereichen
wie der zeitgenössischen oder improvisierten Musik
ist wirtschaftlich für Verlage und Labels nur begrenzt
zu rechtfertigen. Musikschaffende in diesen
Bereichen sind immer mehr auf sich selbst gestellt
und werden zusehends in die Rolle von „Musical
Entrepreneurs", also SelbstunternehmerInnen im
Musikbereich, gedrängt. Für Musikinformationszentren
bedeutet diese Veränderung der Situation
ihrer Klientel (ihrer „Beneficiaries") eine Ausweitung
des Anforderungsprofils und die Entwicklung
weg vom passiven Informationsanbieter hin zum
aktiven Kommunikationszentrum und weiter zu einem
Service-und Assistance-Center, vergleichbar
mit den Ressourcenzentren in anderen wirtschaftlichen
Bereichen.
Das Wissen um die notwendigen wirtschaftlichen
und rechtlichen Grundlagen beispielsweise
zur Gründung eines Labels, zum Abschluss eines
Label-oder Konzertvertrages, wird in den traditionellen
künstlerischen Ausbildungswegen nicht
vermittelt. Das weite Feld der Popularmusik ist
kaum in vorgegebenen Wegen strukturiert, es
sind lediglich vereinzelte Informationsquellen
greifbar. Die UrheberInnen sind auf die anekdotische
Wahrnehmung einzelner Erfahrungen mit
der Verzerrung der „Szenekommunikation" – bis
hin zum Gerücht – angewiesen. Das mica setzt
an diesem Punkt mit „Hilfe zur Selbsthilfe" an
und baut Schritt für Schritt die Grundlagen für
eine informierte Orientierung der Aktiven auf:
Neben Informationen zu Veranstaltern, Verlegern,
Labels, Produzenten und Medien leistet das mica
Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme und dem
geschäftlichen Umgang der MusikerInnen und
Kom ponistInnen mit eben diesen Multiplikatoren.
Die Selbstpräsentation und Selbsteinschätzung der
Musikschaffenden wird in persönlicher Beratung
sowie in Workshops und Seminaren, den mica
Musikinformationstagen, reflektiert. In dieser österreichweiten
Reihe von Vorträgen und Workshops
geben Branchenprofis unterschiedlicher Genres
und Aufgabenbereiche den Musikschaffenden
Feed back und Hilfestellung.
Antworten auf die häufigsten Fragen des Musikschaffens
werden niederschwellig zugänglich
gemacht. Zunächst wurde das Handbuch für Musikschaffende
herausgegeben (Wien: Buchkultur, 1994,
Neuausgabe 1998). Heute werden grundlegende
Fragen von Kreativen auf der mica-Website in einem
FAQ-Bereich („ Frequently asked questions")
dargestellt: Eigenpromotion, Förderungen, Medienarbeit,
CD-Produktion, Labelgründung, Kontaktaufnahme
zu Veranstaltern, Musterverträge etc.
Alle Seminare der Musikinformationstage und
weitere Informationsveranstaltungen werden hier
ebenfalls dokumentiert.
In dem micazine-Bereich auf der Website werden
die im Umbruch befindlichen technologischen,
rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen
des Musikschaffens beleuchtet
und analysiert. In der Veranstaltungsreihe mica-focus
werden diese Themen in Vorträgen und
Diskussionen von Experten aufbereitet und auf der
mica-Website ausführlich dokumentiert. Im März
2000 wurde die Reihe mit dem Thema Musik und
Internet eröffnet, es folgten Veranstaltungen zu
Urhebervertragsrecht, EU-Inforichtlinie, Musikexport,
Medienpolitik etc. Der jüngste micafocus
#7 Business Model: KomponistIn analysierte im
Juni 2002 wirtschaftliche und gesellschaftliche
Zukunftsperspektiven für UrheberInnen im Musikbereich.
Mit der umfassenden und vielschichtigen
Aufarbeitung relevanter Problemstellungen
des Musikbereichs auf internationalem Niveau
zielt die Reihe micafocus nicht zuletzt darauf,
meinungs bildend zu wirken und die Anliegen
des Musikbereichs für EntscheidungsträgerInnen
qualifiziert und differenziert darzustellen. Die in
diesen Veranstaltungen gewonnen Kompetenzen
kommen wiederum in der täglichen Beratungsarbeit
den Musikschaffenden zugute.
Die Service-Website des mica richtet sich
auch an musikinteressiertes Publikum. In einem
Terminkalender für Veranstaltungen mit zeitgenössischer
Musik werden Aufführungen angekündigt
und sind Hintergrundinformationen zu Koope rationsprojekten
und Festivals zu finden. Als weitere
Anknüpfungspunkte zum Publikum bietet
das mica neben der kontinuierlich wachsenden
Zahl an Kooperationsveranstaltungen „consulted
by mica" in seinem Musikhaus in Wien mehrere
Veranstaltungsschienen zum direkten Kontakt von
Musikschaffenden und Publikum: So ermöglicht
der micaClub in Kooperation mit österreichischen
Plattenlabels ermäßigten Zugang zu Neuerscheinungen
österreichischer Musikschaffender und
vermittelt in Präsentationsveranstaltungen Hintergrundinformationen
zu den KünstlerInnen und ihren
Produktionen. Durch die Gemeinnützigkeit des
mica kann der volle Ertrag aus dem Verkauf an die
Labels weitergegeben werden.
Leistungsfelder der IAMIC – International Association of Music Information Centres
Im Jahr 1991 ging mit der IAMIC – International
Association of Music Information Centres ein
eigen ständiger, weltweiter Dachverband der Musikinformationszentren
aus der zuvor bestehenden
MIC-Sektion des Dachverbandes der Musikbibliotheken
IAML (International Association of Music
Libraries) hervor. Ursache der Verbandsgründung
war die immer größer werdende Differenz zwischen
den aus der Musikpraxis resultierenden
Anforderungen an die Verbreitungsarbeit der
Musik informationszentren und den bibliothekarischen
Themenstellungen rein dokumentierender
Archive. In den nunmehr über zehn Jahren hat sich
das IAMIC-Netzwerk zu einem in intensivem Austausch
stehenden operativen Verbund entwickelt,
der gemeinsam Großprojekte wie die Studie „European
Music Database" und nun den im Programm
Culture 2000 von der EU geförderten „European
Music Navigator" durchführt. In Fragen der Entwicklung
von Musikdatenbanken, der Digitalisierung
von Partiturarchiven oder des gemeinsamen
Auftritts bei Musikmessen finden weitere Zusammenarbeiten
statt. Das mica betreut derzeit das
Sekretariat von IAMIC und unterstützt aktiv den
Aufbau neuer Musikinformationszentren.
Innerhalb dieses Netzwerkes gibt es abseits
des gemeinsamen Arbeitsgrundsatzes „Information
follows the purpose of promotion" aus historischen
und strukturellen Gründen große Unterschiede
in den Leistungsprofilen der einzelnen
MICs. Die frühen Gründungen von Musikinformationszentren
waren vor allem auf so genannte
„Contemporary Arts Music" beziehungsweise
zeitgenössische Klassik fokussiert. Im Lauf der
Jahre erweiterte sich das Tätigkeitsfeld bei vielen
Musikinformationszentren schrittweise um Improvisierte
Musik sowie den Nachwuchsbereich
der nichtkommerziell entwickelten Popmusik, der
World Music und des Jazz.
Ebenso vielfältig sind die Organisationsformen
der MICs, deren Leistungen an die jeweiligen länderspezifischen
Förderstrukturen angeschlossen
sind. Die Bandbreite reicht von eigenständig geführten
und unabhängigen Organisationen über
Non-Governmental Institutions (NGOs) bis hin zu
MICs, die als Teil einer Verwertungsgesellschaft
geführt werden. Manche Zentren werden in Verbindung
mit KomponistInnen-Interessenverbänden
geführt, Impulse zur Gründung neuer MICs können
darüber hinaus auch von Musikuniversitäten
wie von der nationalen Kulturpolitik ausgehen.
Die unterschiedlich breite Öffnung für musikalische
Strömungen abseits der zeitgenössischen
Klassik und die Ausrichtung auf die jeweiligen
Marktmechanismen hat zu vielfältigen Leistungsprofilen
der MICs geführt. Häufig treten MICs
selbst als Verlag und Produzent von KomponistInnen-
Biografien, Noten-und CD-Editionen zur Präsentation
des nationalen Musikschaffens auf, sind
Rechtehalter und auch Distributoren von Fachliteratur,
Musikalien und Tonträgern. Zumeist stehen
umfassende Bibliotheken und manchmal auch
Partitursammlungen für musikinteressierte Nutzer
offen. Einige MICs tragen auch direkt über die Organisation
von Festivals und die Veranstaltung von
Konzerten zur Verbreitung der aufgeführten Repertoires
bei. Die Promotion des ländereigenen Musikschaffens
findet in der Ausrichtung von Kompositions-
bzw. Musikpreisen eine Fortsetzung.
Die Zusammenarbeit mit Nutzern musikalischen
Kreativpotenziales, wie z. B. dem Tanztheater
oder der jeweiligen regionalen Filmwirtschaft,
wird von einigen MICs gezielt vorangetrieben
(beispielsweise in Finnland mit einer Promotion-CD
„Finnish Music for Your Films" oder vom
mica mit dem Consulting für den Soundtrack zur
österreichischen Kinofilmproduktion „Ikarus" mit
Nina Proll).
Ein entsprechender IAMIC-Guide mit einer
Übersicht über die Angebote der einzelnen Mitgliedsorganisationen
ist in Vorbereitung und wird
noch in diesem Jahr auf http://www.iamic.net
veröffentlicht. Dort sind auch Statut, Mitgliederverzeichnis
und Newsletter mit Berichten aus den
einzelnen MICs zu finden.
Auch die Vernetzung des IAMICNetzwerkes
mit der Lobbyarbeit auf Europäischer und internationaler
Ebene gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Mitgliedschaft im IMC (Internationaler Musikrat),
EMC (Europäischer Musikrat) sowie Verbindungen
zu IGNM (Internationale Gesellschaft für
Neue Musik), EPNM (European Promoters for
New Music), EMO (European Music Office), IMZ
(Internationales Musikzentrum), EFA (European
Festival Association) und vielen anderen unterstützen
das Anliegen der Verbreitung zeitgenössischer
Musikrepertoires.
Urheberförderung / Wirtschaftsförderung
Der hohe Vernetzungsgrad der MICs auf nationaler und internationaler Ebene, die zumeist langjährige Präsenz auf internationalen Märkten und Messen mit dem Ziel der Urheberförderung sowie die dementsprechende Marktkenntnis führten dazu, dass einzelne MICs in den vergangenen Jahren oft als wichtiger Motor für Aktivitäten zur Entwicklung exportfördernder Maßnahmen auch im Bereich der Musikwirtschaft in Erscheinung traten. Die starke Zunahme an selbstverlegenden UrheberInnen mündete in die Gründung vieler Klein-und Microbusinesses im Musikbereich, deren Bedürfnisse für die jeweilige internationale Marktbearbeitung täglich an die Musikinformationszentren herangetragen werden. Aus solchen Aktivitäten entstanden beispielsweise in Schweden und Norwegen eigene Musikexportbüros. In Österreich bereitet das mica die Gründung einer Einrichtung zur Förderung von Musikexport und Marktentwicklung vor. Vergleichbare Diskussionen laufen in Spanien, Großbritannien und auch in Deutschland.
Weltweite Vernetzung / Europäische Zukunftsprojekte
Die technischen Neuerungen, die Digitalisierung
und die damit einhergehende globale Vernetzung
hat in den vergangenen Jahren in der Distributionskette
von Musik zu tief greifenden Veränderungen
geführt. Die internationale Zusammenarbeit wird
auch für die Non-Profit-Organisationen immer bedeutender,
nicht zuletzt als eine Reaktion auf den
Effekt der Globalisierung, den die kommerzielle
Musikwirtschaft schon längst durch ihre Konzentration
auf einige wenige globale Anbieter hinter
sich gebracht hat. Im Gegensatz zur wirtschaftlichen
Welt stehen aber im Non-Profit-Bereich nicht
Ver dr ängung und Wettbewerb im Vordergrund.
Viel mehr sind internationale Kooperation und
die partnerschaftliche Förderung der Vielfalt der
Kulturen das gemeinsame Ziel. Der Zugang zum
zeitgenössischen Musikschaffen muss für Musikprofis
wie für das Publikum möglichst einfach und
attraktiv gestaltet werden. Um keine Hürden in der
Verbreitung zu schaffen, wird es notwendig sein,
die zeitlichen und finanziellen Transaktionskosten
– für Musikinformation und für Musik selbst –
sowohl innerhalb des Netzwerkes als auch für
alle Nachfrager so gering wie möglich zu halten.
Zusammenarbeit und Synergie sind gefragt. Denn
je schwieriger ein Werk auffindbar und zugänglich
ist, desto geringer wird seine Verbreitung selbst bei
höchster künstlerischer Qualität bleiben.
Mit dem gemeinsamen IAMIC-Projekt European
Music Navigator (EMN), das auch von IMZ,
EMC, IGNM und EFA unterstützt wird, wird
derzeit (unter der Projektleitung des mica) eine
Internet-Suchmaschine entwickelt, mit deren Hilfe
die heterogenen Datenbestände der Musikinformationszentren
und anderer ausgewählter Musikorganisationen
im Internet über eine einheitliche
Oberfläche in einem „vertikalen Themenportal"
zugänglich gemacht werden. Die Kataloge des
jeweiligen nationalen Musiklebens werden auf
diese Weise für das Europäische Publikum und
vor allem für die „Music professionals" aufgearbeitet.
Der EMN wird im Rahmen des Kulturförderprogramms
der Europäischen Kommission
(Culture 2000) mit insgesamt rund 900.000 Euro
gefördert, das Gesamtvolumen des Projektes liegt
bei einer Laufzeit von drei Jahren bei 1,5 Mio.
Die Fertigstellung dieses Web-Portals ist mit Februar
2004 angesetzt. Ein Prototyp mit reduzierter
Funktionalität vermittelt unter der Web-Adresse
http:// www.musicnavigator.org
schon jetzt einen ersten Eindruck des zukünftigen Schlüssels zur
derzeit höchst fragmentierten Musikinformation
in Europa.
Und wie verhalten sich solche Zukunftsperspektiven
zur viel zitierten krisenhaften Umbruchsituation
der Musikwirtschaft? Auch aus dem nicht an
Profit und Shareholder-Value orientierten Blickwinkel
der Musikinformationszentren ergeben sich
ständig neue Anforderungen. Doch im interessenzerklüfteten
Feld der Musikwirtschaft nehmen die
Musikinformationszentren eine neutrale, gleichwohl
den UrheberInnen verpflichtete Position
ein. Und sie nutzen diese Position für proaktives
Handeln im Sinne des öffentlichen Interesses: Mit
den Möglichkeiten der neuen Technologien werden
neue Chancen für die Musikschaffenden und
künstlerischen KleinstunternehmerInnen eröffnet,
um auch auf den fragmentierten globalen Märkten
zu bestehen. Den immer stärker individualisierten
Anforderungen an die Kreativen wird mit einfach
zugänglichem Know-how begegnet. Multiplikatoren
und nicht zuletzt dem Publikum wird die
Aus einandersetzung mit vielfältigen Repertoires
erleichtert. Maßgeblich für das Handeln der Musikinformationszentren
sind dabei hohe Qualität, Seriosität
und der Blick in die Zukunft.
Peter Rantaša ist geschäftsführender Direktor des mica-music information center austria.