Peter Rantaša
Information follows the purpose of promotion
Information im Musikzeitalter

Information follows the purpose of promotion –
Informationen zu sammeln und zugänglich zu machen zum Zweck der Kommunikation beziehungsweise der Bekanntmachung und Verbreitung zeitgenössischer Musikrepertoires, das entspricht den Kernaufgaben eines Musikinformationszentrums. Unter diesem Leitmotiv arbeitet auch das mica – das music information center austria als Service-und Experteneinrichtung für aktuelles Musikschaffen aus Österreich.

Ein Blick zurück

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die traditionellen Formen der Musikvermittlung vor neue Herausforderungen gestellt. Der Zugang des Publikums zu musikalischen Werken war 250 Jahre lang über mehrere Stationen einer Wertschöpfungskette vonstatten gegangen: Komponist, Verleger, Musikalienhändler, Interpreten und Ensembles, Agenturen und schließlich Veranstalter, Konzerthäuser und Festspiele sorgten für den Transport musikalischer Ideen an das Ohr der Hörerin und des Hörers. Mit der Erfindung der Tonaufzeichnung und der Herausbildung der phonographischen Industrie kamen jetzt Produzen ten, Tonstudios, Labels, Vertriebe, Rundfunk, Pres se – heute zudem Internet-Serviceanbieter oder Telefongesellschaften – in einer zweiten Wertschöpfungskette für Tonträger hinzu.
Gleichzeitig fand eine stilistische Ausdifferen zierung der avantgardistischen Kunstmusik in viel fältige Schulen und Richtungen statt, die neben der mit Industrialisierung und Entwicklung elektrischer und elektronischer Medien entstehenden Massenunterhaltung der Kulturindustrie zu beste hen hatten. Für Komponisten wurde es immer schwerer, sich über einen engen Kreis von Eingeweihten und Experten hinaus durchzusetzen. Der mit der wachsenden Diversifizierung von Produzenten und Distributoren einhergehende Mangel an Überblick, gravierende Unterschiede in den individuellen Möglichkeiten zur Marktbearbeitung sowie ein von Veranstaltern und Interpreten bevorzugtes Übergewicht von Musik aus dem historischen Kanon klassischer Meisterwerke gehören zu den Gründen für diese Schwierigkeiten zeitgenössischer Komponisten. Zudem gerieten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die wichtigsten Verleger, die sich den avantgardistischen Stilrichtungen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden gegenüber offen gezeigt hatten, durch die nationalsozialistische Herrschaft und deren Kampf gegen „entartete Musik" in Bedrängnis. Das Wissen um neue Werke und ihre Verfügbarkeit war entweder regional – durch die Reichweite der persönlichen Kontakte der Urheber – eingeschränkt oder im besten Fall – mit teils mehrjähriger Verspätung – über die Sammelkataloge der Musikverlage zugänglich. Kurz: Musik außerhalb des im Rahmen traditioneller Musikausbildungen vermittelten klassischen Repertoires musste sich neue Wege er öffnen, um ihr Publikum zu erreichen.
Als Reaktion auf diese Entwicklungen begannen sich KomponistInnen in Eigeninitiative für die Vermittlung und Veröffentlichung ihrer Werke zu engagieren. In den Vereinigten Staaten von Amerika haben sechs Komponisten, Verleger, Lehrer und Interpreten – Marion Bauer, Aaron Copland, Howard Hanson, Otto Luening, Harrison Kerr und Quincy Porter – im Jahr 1939 mit dem American Music Center (AMC) das weltweit erste Musikinformationszentrum gegründet. Ihr gemeinsames Ziel war: ... to foster and encourage the composition of contemporary (American) music and to promote its production, publication, distribution and performance in every way possible throughout the Western Hemisphere. Die über die traditionellen Vermittlungsstrukturen schwer zugänglichen Par tituren und Aufnahmen wurden im American Music Center gesammelt und Informationen darüber durch das AMC an Interpreten, Ensembles, Veranstalter und Medien weitergegeben. In den 1940er-Jahren wurden die Bibliothek und der Informationsservice um einen nicht profitorientierten Musikverlag für Partituren und Tonaufnahmen ergänzt. Diese Promotionarbeit wurde in den 1950er-Jahren nochmals erweitert: um ein nationales Pro gramm zur Aufführung und Tonaufnahme von amerikanischen Orchesterwerken sowie um eine Radiosendung für amerikanische Komponisten und einen ersten Newsletter.
In der Nachkriegszeit formierten sich in weiteren Ländern Musikinformationszentren: 1945 Gaudeamus in den Niederlanden, 1951 CeBeDeM in Belgien und 1959 das CMC Canadian Music Centre in Kanada. Diese Gründungen waren zum einen ebenfalls auf die Eigeninitiative individueller KomponistInnen zurückzuführen, zum anderen gingen sie von nationalen Komponistenverbänden aus. In späteren Jahren wurden in manchen Ländern auch Verwertungsgesellschaften beziehungsweise die staatliche Kulturpolitik selbst aktiv, um Dokumentations-und Informationsstellen für die Verbreitung des zeitgenössischen Musikschaffens ihres Landes zu errichten. Entsprechend den jeweiligen Gründungs-und Finanzierungsstrukturen entwickelten sich unterschiedliche Leistungsprofile der mittlerweile 43 Musikinformationszentren in 38 Ländern, die mittlerweile in dem internationalen Netzwerk der IAMIC – International Association of Music Information Centres zusammengefasst sind.

mica – music information center austria

Die Gründung des österreichischen Musikinformationszentrums mica erfolgte im internationalen Vergleich eher spät. Unter dem Eindruck des von der schwedischen Verwertungsgesellschaft STIM seit den 1970er-Jahren geführten Swedish Music Information Centre waren zwar in den 1980erJahren auch in Österreich Anläufe zur Schaffung eines MICs von verschiedenen konkurrierenden Komponistenverbänden ausgegangen, aber erst im Jahr 1994 konnte durch einen Auftrag des damaligen Bundeskulturministers an die von ihm bestellten Musikkuratoren das mica – music information center austria tatsächlich finanziert und ins Leben gerufen werden. In der Organisationsform eines unabhängigen, gemeinnützigen Vereines wurden die Aufgaben des mica an internationalen Vorbildern und an der bereits bestehenden Institutionslandschaft ausgerichtet. Finanziert wird das mica seitdem aus Mitteln der Bundeskunstfinanzierung und der Kulturabteilung der Stadt Wien. Bei einem Jahresumsatz von rund 780.000 Euro beschäftigt das Haus elf Mitarbeiterinnen und nimmt sich aller aktuellen Musikgenres an, von Rock und Pop über improvisierte Musik bis zur zeitgenössischen Kunstmusik. Die Umsetzung konkreter Fördermaßnahmen und Projekte wird von einzelnen Verwertungsgesellschaften, dem österreichischen Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, einer Vielzahl an Veranstaltern sowie in langfristigen Public-Private-Partnerships (Volkswagen Sound Foundation) unterstützt.
Entsprechend dem Leitmotiv Information follows the purpose of promotion werden auch in Österreich Informationen zum zeitgenössischen österreichischen Musikschaffen gesammelt, zugänglich gemacht und aktiv weitergegeben, um die Verbreitung, Publikation und Aufführung der Werke österreichischer UrheberInnen zu fördern. Orientiert an den heutigen und im Blick auf die zukünftigen Anforderungen des Musikmarktes, hat das mica in seinen ersten Bestandsjahren vielfältige Maßnahmen zur Unterstützung von Musikschaffenden entwickelt. Unter Berücksichtigung des mittlerweile unüberschaubaren Angebots von Musik einerseits und dem entsprechend schwierigen Zugang zum professionellen Musikbetrieb für Kreative andererseits setzt das Musikinformationszentrum praxisnahe Informationen und kompetente Beratung ein, um das österreichische Musikschaffen einem wachsenden Kreis an Interessenten zugänglich zu machen.

Die Tools des mica

Mit dem Auftrag zur Dokumentation des österreichischen Musikschaffens hat sich das mica zum „In haltsverzeichnis des heutigen Musiklebens" in Österreich entwickelt. Mit dem Lexikon zeitgenössischer Musik aus Österreich: Komponisten und Komponistinnen des 20. Jahrhunderts (Wien, mica, 1998) wurde ein Standardwerk zur österreichischen Musik im 20. Jahrhundert publiziert, in dem 424 KomponistInnen detailliert und in hoher Qualität porträtiert und mit Biografien, Werklisten, Diskografien und Bibliografien erfasst sind. Über diesen wachsenden Bereich hinaus werden Informationen zu Musikschaffenden aus den Genres Jazz, Improvisation, Pop, Elektronik etc. in die Datenbanken des mica einbezogen. Dazu kommt die Erfassung von nationalen und internationalen Veranstaltern, Festivals, Verlagen, Labels, Ausbildungseinrichtungen, Medien etc. Die Datenbanken des mica enthalten derzeit Informationen zu insgesamt 2.800 KomponistInnen und Musiker-Innen, 900 Bands und Ensembles, 40.000 Werken sowie rund 5.000 Einträgen mit Kontakten zu Firmen, Organisationen und Institutionen des Musik lebens.
In einem umfassenden KünstlerInnenarchiv sind Materialien, Publikationen, Fotos und Tonträger gesammelt. Rezensionen zu KünstlerInnen und Medienberichte zum österreichischen Musikleben werden täglich ausgewertet und sind im Zeitschriftenarchiv des mica nachlesbar beziehungsweise im Bereich Medienbeobachtung auf der Website des mica unter http://www.mica.at nach Schlagzeilen und Stichworten durchsuchbar. Alle Informationen können kostenfrei nachgefragt werden und werden schrittweise online zur allgemeinen Nutzung bereitgestellt.
Dieser Bestand an Meta-Informationen wird in persönlichen Beratungen und Services der MitarbeiterInnen in konkreten Fördermaßnahmen aktiv verwertet. Speziell für Veranstalter und Fördereinrichtungen bietet das mica unter der Marke consulted by mica Beratungsangebote, um zusätzliche Präsentationsplattformen für aktuelles Musikschaffen zu etablieren und bestehende Foren auszuweiten. Ausgehend von aktuellen Unterlagen zu Bands, Ensembles und Projekten aus dem mica-Informationspool werden Vorschläge für Institutionen im Musikbereich, vor allem aber für die spartenübergreifende Zusammenarbeit mit Institutionen ohne Kernkompetenz im Musikbereich entwickelt, beispielsweise in den Bereichen Bildende Kunst, Tanz und Film. Gezielt werden aktuelle Informationen auch an Informationsständen bei nationalen und internationalen Festivals präsentiert. Gemeinschaftsstände zur Präsentation österreichischer Musikproduktionen auf den großen internationalen Musikmessen wurden vom mica von 1994 bis 2000 betreut. Aufbauend auf solche internationalen Initiativen entwickelt das mica weiterführende Exportmaßnahmen. Und nicht zuletzt ist es dem mica mit einem langfristigen Sponsorship der Volkswagen Sound Foundation möglich, NachwuchsmusikerInnen im Popmusik-Bereich gezielt mit Trainings, Auftrittsmöglichkeiten und Tour-Bussen zu unterstützen.

Aufgabenfeld Distribution / Professionalisierung der Musikschaffenden

Auf dem Weg eines Werkes vom musikalischen Urheber zu einem Publikum müssen KünstlerInnen immer mehr Vermittlungsschritte selbst bewältigen. Verlage, Labels, Agenturen und Veranstalter sehen sich wachsendem Kostendruck ausgesetzt und können immer weniger – zudem meist nur be reits erfolgreiche – Musikschaffende umfassend betreuen. Das Sichbefassen mit Nischenbereichen wie der zeitgenössischen oder improvisierten Musik ist wirtschaftlich für Verlage und Labels nur begrenzt zu rechtfertigen. Musikschaffende in diesen Bereichen sind immer mehr auf sich selbst gestellt und werden zusehends in die Rolle von „Musical Entrepreneurs", also SelbstunternehmerInnen im Musikbereich, gedrängt. Für Musikinformationszentren bedeutet diese Veränderung der Situation ihrer Klientel (ihrer „Beneficiaries") eine Ausweitung des Anforderungsprofils und die Entwicklung weg vom passiven Informationsanbieter hin zum aktiven Kommunikationszentrum und weiter zu einem Service-und Assistance-Center, vergleichbar mit den Ressourcenzentren in anderen wirtschaftlichen Bereichen.
Das Wissen um die notwendigen wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen beispielsweise zur Gründung eines Labels, zum Abschluss eines Label-oder Konzertvertrages, wird in den traditionellen künstlerischen Ausbildungswegen nicht vermittelt. Das weite Feld der Popularmusik ist kaum in vorgegebenen Wegen strukturiert, es sind lediglich vereinzelte Informationsquellen greifbar. Die UrheberInnen sind auf die anekdotische Wahrnehmung einzelner Erfahrungen mit der Verzerrung der „Szenekommunikation" – bis hin zum Gerücht – angewiesen. Das mica setzt an diesem Punkt mit „Hilfe zur Selbsthilfe" an und baut Schritt für Schritt die Grundlagen für eine informierte Orientierung der Aktiven auf: Neben Informationen zu Veranstaltern, Verlegern, Labels, Produzenten und Medien leistet das mica Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme und dem geschäftlichen Umgang der MusikerInnen und Kom ponistInnen mit eben diesen Multiplikatoren. Die Selbstpräsentation und Selbsteinschätzung der Musikschaffenden wird in persönlicher Beratung sowie in Workshops und Seminaren, den mica Musikinformationstagen, reflektiert. In dieser österreichweiten Reihe von Vorträgen und Workshops geben Branchenprofis unterschiedlicher Genres und Aufgabenbereiche den Musikschaffenden Feed back und Hilfestellung.
Antworten auf die häufigsten Fragen des Musikschaffens werden niederschwellig zugänglich gemacht. Zunächst wurde das Handbuch für Musikschaffende herausgegeben (Wien: Buchkultur, 1994, Neuausgabe 1998). Heute werden grundlegende Fragen von Kreativen auf der mica-Website in einem FAQ-Bereich („ Frequently asked questions") dargestellt: Eigenpromotion, Förderungen, Medienarbeit, CD-Produktion, Labelgründung, Kontaktaufnahme zu Veranstaltern, Musterverträge etc. Alle Seminare der Musikinformationstage und weitere Informationsveranstaltungen werden hier ebenfalls dokumentiert. In dem micazine-Bereich auf der Website werden die im Umbruch befindlichen technologischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen des Musikschaffens beleuchtet und analysiert. In der Veranstaltungsreihe mica-focus werden diese Themen in Vorträgen und Diskussionen von Experten aufbereitet und auf der mica-Website ausführlich dokumentiert. Im März 2000 wurde die Reihe mit dem Thema Musik und Internet eröffnet, es folgten Veranstaltungen zu Urhebervertragsrecht, EU-Inforichtlinie, Musikexport, Medienpolitik etc. Der jüngste micafocus #7 Business Model: KomponistIn analysierte im Juni 2002 wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsperspektiven für UrheberInnen im Musikbereich. Mit der umfassenden und vielschichtigen Aufarbeitung relevanter Problemstellungen des Musikbereichs auf internationalem Niveau zielt die Reihe micafocus nicht zuletzt darauf, meinungs bildend zu wirken und die Anliegen des Musikbereichs für EntscheidungsträgerInnen qualifiziert und differenziert darzustellen. Die in diesen Veranstaltungen gewonnen Kompetenzen kommen wiederum in der täglichen Beratungsarbeit den Musikschaffenden zugute.
Die Service-Website des mica richtet sich auch an musikinteressiertes Publikum. In einem Terminkalender für Veranstaltungen mit zeitgenössischer Musik werden Aufführungen angekündigt und sind Hintergrundinformationen zu Koope rationsprojekten und Festivals zu finden. Als weitere Anknüpfungspunkte zum Publikum bietet das mica neben der kontinuierlich wachsenden Zahl an Kooperationsveranstaltungen „consulted by mica" in seinem Musikhaus in Wien mehrere Veranstaltungsschienen zum direkten Kontakt von Musikschaffenden und Publikum: So ermöglicht der micaClub in Kooperation mit österreichischen Plattenlabels ermäßigten Zugang zu Neuerscheinungen österreichischer Musikschaffender und vermittelt in Präsentationsveranstaltungen Hintergrundinformationen zu den KünstlerInnen und ihren Produktionen. Durch die Gemeinnützigkeit des mica kann der volle Ertrag aus dem Verkauf an die Labels weitergegeben werden.

Leistungsfelder der IAMIC – International Association of Music Information Centres

Im Jahr 1991 ging mit der IAMIC – International Association of Music Information Centres ein eigen ständiger, weltweiter Dachverband der Musikinformationszentren aus der zuvor bestehenden MIC-Sektion des Dachverbandes der Musikbibliotheken IAML (International Association of Music Libraries) hervor. Ursache der Verbandsgründung war die immer größer werdende Differenz zwischen den aus der Musikpraxis resultierenden Anforderungen an die Verbreitungsarbeit der Musik informationszentren und den bibliothekarischen Themenstellungen rein dokumentierender Archive. In den nunmehr über zehn Jahren hat sich das IAMIC-Netzwerk zu einem in intensivem Austausch stehenden operativen Verbund entwickelt, der gemeinsam Großprojekte wie die Studie „European Music Database" und nun den im Programm Culture 2000 von der EU geförderten „European Music Navigator" durchführt. In Fragen der Entwicklung von Musikdatenbanken, der Digitalisierung von Partiturarchiven oder des gemeinsamen Auftritts bei Musikmessen finden weitere Zusammenarbeiten statt. Das mica betreut derzeit das Sekretariat von IAMIC und unterstützt aktiv den Aufbau neuer Musikinformationszentren.
Innerhalb dieses Netzwerkes gibt es abseits des gemeinsamen Arbeitsgrundsatzes „Information follows the purpose of promotion" aus historischen und strukturellen Gründen große Unterschiede in den Leistungsprofilen der einzelnen MICs. Die frühen Gründungen von Musikinformationszentren waren vor allem auf so genannte „Contemporary Arts Music" beziehungsweise zeitgenössische Klassik fokussiert. Im Lauf der Jahre erweiterte sich das Tätigkeitsfeld bei vielen Musikinformationszentren schrittweise um Improvisierte Musik sowie den Nachwuchsbereich der nichtkommerziell entwickelten Popmusik, der World Music und des Jazz.
Ebenso vielfältig sind die Organisationsformen der MICs, deren Leistungen an die jeweiligen länderspezifischen Förderstrukturen angeschlossen sind. Die Bandbreite reicht von eigenständig geführten und unabhängigen Organisationen über Non-Governmental Institutions (NGOs) bis hin zu MICs, die als Teil einer Verwertungsgesellschaft geführt werden. Manche Zentren werden in Verbindung mit KomponistInnen-Interessenverbänden geführt, Impulse zur Gründung neuer MICs können darüber hinaus auch von Musikuniversitäten wie von der nationalen Kulturpolitik ausgehen.
Die unterschiedlich breite Öffnung für musikalische Strömungen abseits der zeitgenössischen Klassik und die Ausrichtung auf die jeweiligen Marktmechanismen hat zu vielfältigen Leistungsprofilen der MICs geführt. Häufig treten MICs selbst als Verlag und Produzent von KomponistInnen- Biografien, Noten-und CD-Editionen zur Präsentation des nationalen Musikschaffens auf, sind Rechtehalter und auch Distributoren von Fachliteratur, Musikalien und Tonträgern. Zumeist stehen umfassende Bibliotheken und manchmal auch Partitursammlungen für musikinteressierte Nutzer offen. Einige MICs tragen auch direkt über die Organisation von Festivals und die Veranstaltung von Konzerten zur Verbreitung der aufgeführten Repertoires bei. Die Promotion des ländereigenen Musikschaffens findet in der Ausrichtung von Kompositions- bzw. Musikpreisen eine Fortsetzung.
Die Zusammenarbeit mit Nutzern musikalischen Kreativpotenziales, wie z. B. dem Tanztheater oder der jeweiligen regionalen Filmwirtschaft, wird von einigen MICs gezielt vorangetrieben (beispielsweise in Finnland mit einer Promotion-CD „Finnish Music for Your Films" oder vom mica mit dem Consulting für den Soundtrack zur österreichischen Kinofilmproduktion „Ikarus" mit Nina Proll).
Ein entsprechender IAMIC-Guide mit einer Übersicht über die Angebote der einzelnen Mitgliedsorganisationen ist in Vorbereitung und wird noch in diesem Jahr auf http://www.iamic.net veröffentlicht. Dort sind auch Statut, Mitgliederverzeichnis und Newsletter mit Berichten aus den einzelnen MICs zu finden.
Auch die Vernetzung des IAMICNetzwerkes mit der Lobbyarbeit auf Europäischer und internationaler Ebene gewinnt zunehmend an Bedeutung. Mitgliedschaft im IMC (Internationaler Musikrat), EMC (Europäischer Musikrat) sowie Verbindungen zu IGNM (Internationale Gesellschaft für Neue Musik), EPNM (European Promoters for New Music), EMO (European Music Office), IMZ (Internationales Musikzentrum), EFA (European Festival Association) und vielen anderen unterstützen das Anliegen der Verbreitung zeitgenössischer Musikrepertoires.

Urheberförderung / Wirtschaftsförderung

Der hohe Vernetzungsgrad der MICs auf nationaler und internationaler Ebene, die zumeist langjährige Präsenz auf internationalen Märkten und Messen mit dem Ziel der Urheberförderung sowie die dementsprechende Marktkenntnis führten dazu, dass einzelne MICs in den vergangenen Jahren oft als wichtiger Motor für Aktivitäten zur Entwicklung exportfördernder Maßnahmen auch im Bereich der Musikwirtschaft in Erscheinung traten. Die starke Zunahme an selbstverlegenden UrheberInnen mündete in die Gründung vieler Klein-und Microbusinesses im Musikbereich, deren Bedürfnisse für die jeweilige internationale Marktbearbeitung täglich an die Musikinformationszentren herangetragen werden. Aus solchen Aktivitäten entstanden beispielsweise in Schweden und Norwegen eigene Musikexportbüros. In Österreich bereitet das mica die Gründung einer Einrichtung zur Förderung von Musikexport und Marktentwicklung vor. Vergleichbare Diskussionen laufen in Spanien, Großbritannien und auch in Deutschland.

Weltweite Vernetzung / Europäische Zukunftsprojekte

Die technischen Neuerungen, die Digitalisierung und die damit einhergehende globale Vernetzung hat in den vergangenen Jahren in der Distributionskette von Musik zu tief greifenden Veränderungen geführt. Die internationale Zusammenarbeit wird auch für die Non-Profit-Organisationen immer bedeutender, nicht zuletzt als eine Reaktion auf den Effekt der Globalisierung, den die kommerzielle Musikwirtschaft schon längst durch ihre Konzentration auf einige wenige globale Anbieter hinter sich gebracht hat. Im Gegensatz zur wirtschaftlichen Welt stehen aber im Non-Profit-Bereich nicht Ver dr ängung und Wettbewerb im Vordergrund. Viel mehr sind internationale Kooperation und die partnerschaftliche Förderung der Vielfalt der Kulturen das gemeinsame Ziel. Der Zugang zum zeitgenössischen Musikschaffen muss für Musikprofis wie für das Publikum möglichst einfach und attraktiv gestaltet werden. Um keine Hürden in der Verbreitung zu schaffen, wird es notwendig sein, die zeitlichen und finanziellen Transaktionskosten – für Musikinformation und für Musik selbst – sowohl innerhalb des Netzwerkes als auch für alle Nachfrager so gering wie möglich zu halten. Zusammenarbeit und Synergie sind gefragt. Denn je schwieriger ein Werk auffindbar und zugänglich ist, desto geringer wird seine Verbreitung selbst bei höchster künstlerischer Qualität bleiben.
Mit dem gemeinsamen IAMIC-Projekt European Music Navigator (EMN), das auch von IMZ, EMC, IGNM und EFA unterstützt wird, wird derzeit (unter der Projektleitung des mica) eine Internet-Suchmaschine entwickelt, mit deren Hilfe die heterogenen Datenbestände der Musikinformationszentren und anderer ausgewählter Musikorganisationen im Internet über eine einheitliche Oberfläche in einem „vertikalen Themenportal" zugänglich gemacht werden. Die Kataloge des jeweiligen nationalen Musiklebens werden auf diese Weise für das Europäische Publikum und vor allem für die „Music professionals" aufgearbeitet. Der EMN wird im Rahmen des Kulturförderprogramms der Europäischen Kommission (Culture 2000) mit insgesamt rund 900.000 Euro gefördert, das Gesamtvolumen des Projektes liegt bei einer Laufzeit von drei Jahren bei 1,5 Mio. Die Fertigstellung dieses Web-Portals ist mit Februar 2004 angesetzt. Ein Prototyp mit reduzierter Funktionalität vermittelt unter der Web-Adresse http:// www.musicnavigator.org schon jetzt einen ersten Eindruck des zukünftigen Schlüssels zur derzeit höchst fragmentierten Musikinformation in Europa.
Und wie verhalten sich solche Zukunftsperspektiven zur viel zitierten krisenhaften Umbruchsituation der Musikwirtschaft? Auch aus dem nicht an Profit und Shareholder-Value orientierten Blickwinkel der Musikinformationszentren ergeben sich ständig neue Anforderungen. Doch im interessenzerklüfteten Feld der Musikwirtschaft nehmen die Musikinformationszentren eine neutrale, gleichwohl den UrheberInnen verpflichtete Position ein. Und sie nutzen diese Position für proaktives Handeln im Sinne des öffentlichen Interesses: Mit den Möglichkeiten der neuen Technologien werden neue Chancen für die Musikschaffenden und künstlerischen KleinstunternehmerInnen eröffnet, um auch auf den fragmentierten globalen Märkten zu bestehen. Den immer stärker individualisierten Anforderungen an die Kreativen wird mit einfach zugänglichem Know-how begegnet. Multiplikatoren und nicht zuletzt dem Publikum wird die Aus einandersetzung mit vielfältigen Repertoires erleichtert. Maßgeblich für das Handeln der Musikinformationszentren sind dabei hohe Qualität, Seriosität und der Blick in die Zukunft.

Peter Rantaša ist geschäftsführender Direktor des mica-music information center austria.