Margot Wallscheid
Deutsches Musikinformationszentrum

Zur Gründung des MIZ

Als eines der jüngsten Musikinformationszentren im Kreis der entsprechenden nationalen Einrichtungen in Europa hat der Deutsche Musikrat im Jahr 1997 das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) gegründet.
Mit der Einrichtung des MIZ reagierte der Deutsche Musikrat auf Forderungen, die seit den 70er-Jahren sowohl von den Fachverbänden und Kulturinstitutionen als auch vonseiten der Kulturforschung an ihn herangetragen worden waren. Publikationen, Empfehlungen und Gutachten dieser Zeit spiegeln die unterschiedlichen, weitgehend unabhängig voneinander und mit je eigener Zielsetzung entwickelten konzeptionellen Ansätze, die im Zusammenhang mit dem Projekt eines Musikinformationszentrums erörtert wurden.1) Diskutierten die Komponisten und die Gesellschaft für Neue Musik eine stark an zeitgenössischer Musik orientierte Ausrichtung, so wurde in anderen Zusammenhängen der Schwerpunkt auf die Dokumentation des Musiklebens und den Aufbau eines umfassenden musikkulturellen Daten- und Informationssystems gelegt. So unterschiedlich die angedachten Konzepte auch waren, gemeinsam war ihnen die Forderung nach einer Einrichtung, die Informationen zum aktuellen Musikleben sammeln, aufbereiten und einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen sollte.
Zusätzliche Anstöße kamen aus dem internationalen Raum, wo die in zahlreichen anderen europäischen und außereuropäischen Ländern zum Teil bereits seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestehenden Musikinformationszentren eine starke nationale und internationale Wirkung entfaltet hatten. Diese Zentren, die auf unterschiedliche Weise und mit je eigenen Schwerpunkten über das Musikleben ihres Landes informieren2), boten zahlreiche Anknüpfungspunkte auch für die Konzeption eines deutschen Musikinformationszentrums. Angesichts des hohen internationalen Stellenwerts des deutschen Musiklebens und der großen Nachfrage nach Informationen wurde das Fehlen einer umfassend ausgerichteten Informationseinrichtung vor diesem Hintergrund als gravierendes Defizit empfunden.
Der Deutsche Musikrat hat Anregungen und Ideen dieser Diskussionen aufgegriffen und im Jahr 1986 mit dem Musik-Almanach3) erstmals ein umfassend angelegtes Nachschlagewerk zum Musikleben in Deutschland publiziert. Vorausgegangen waren zahlreiche Studien und Untersuchungen zu verschiedenen Aspekten des Musiklebens, die der Deutsche Musikrat in seiner Funktion als Dachverband für alle Bereiche des Musiklebens bereits seit den 60er-Jahren selbst durchgeführt oder in Auftrag gegeben hatte. Der hohe Informationsbedarf, auf den diese Publikationen reagierten, und die große Resonanz, die sie in der Öffentlichkeit fanden, haben den Deutschen Musikrat in seinem Vorhaben zur Fortführung und Erweiterung dieser Arbeit im Rahmen eines Musikinformationszentrums bestärkt.
Das Konzept zum Aufbau eines Deutschen Musik informationszentrums wurde zu Beginn der 90er-Jahre in Abstimmung mit den Mitgliedsorganisationen des Deutschen Musikrates – ideell begleitet und unterstützt durch die Kulturabteilung des Bundesinnenministeriums – entwickelt. Aufgaben und Funktion des Zentrums innerhalb der Musik informationslandschaft wurden darüber hinaus mit den großen Musikarchiven und Musik dokumentationsstellen in Deutschland weiter prä zisiert und koordiniert. Zentrale Punkte der damaligen Diskussion, darunter insbesondere das Ver h ältnis von Zentralität und Dezentralität, die Abgrenzung von Musikdokumentation und Dokumentation des Musiklebens, die Einbeziehung Zeit genössischer Musik und die Einbindung neuer Technologien fanden als konstruktive Anregungen Eingang in das Konzept, dessen Entwicklung von allen Beteiligten als notwendige und wichtige Ini tiative des Deutschen Musikrates unterstützt wurde.
Die Möglichkeit zur Realisierung des Projekts bot im Jahr 1996 der Bonn-Berlin-Ausgleich, aus dem das MIZ bis Mitte 2001 eine Basisfinanzierung erhielt. Diese Mittel wurden ergänzt durch die Unterstützung privater Förderer, insbesondere die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) und die Kultur-Stiftung der Deutschen Bank, die wesentlich zum Aufbau des Zentrums beigetragen haben. Heute – nach der Integration der zunächst noch getrennt etatisier ten Redaktion des Musik-Almanachs in das MIZ – sind an der Finanzierung des Projekts die Kulturstiftung der Länder (Mittel des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien sowie der Kultusministerkonferenz), das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bonn sowie von privater Seite die GEMA, die GVL und die Deutsche Stiftung Musikleben beteiligt.

Zur Konzeption des MIZ

Aufgabe des Deutschen Musikinformationszentrums ist es, über das Musikleben in all seinen Aspekten, von der musikalischen Bildung und Ausbildung über das Laienmusizieren, die Musikförderung, die professionelle Musikausübung und das Veranstaltungswesen bis zu den Medien und der Musikwirtschaft zu informieren. Diese Aufgabe, die sich auf das Musikleben als eines der am stärksten ausdifferenzierten und mit anderen gesellschaftlichen Bereichen vielfältig verflochtenen Gebiete kulturellen Lebens bezieht, beinhaltet ein außerordentlich breites Spektrum an Themen und Fragestellungen. Es umfasst die Produktion und Reproduktion, die Vermittlung und Verbreitung, die Erforschung und Dokumentation von Musik ebenso wie musikbezogene Fragen der Kulturpolitik, des Arbeitsmarkts oder der Künstlerförderung. Innerhalb dieses Themenfelds, das in dieser Ausrichtung von keiner anderen Einrichtung in Deutschland abgedeckt wird, sieht das MIZ seine Aufgabe in der Sammlung, Aufbereitung und Vermittlung aktueller Daten und Fakten, im Aufbau eigener Datenbanken sowie in der Bereitstellung entsprechender Fachliteratur in einer öffentlich zugänglichen Bibliothek.
Erweitert und ergänzt wird diese Aufgabenstellung des Zentrums durch seine Funktion als Informationsleitstelle, als Vermittlungseinrichtung für Fragen, deren Beantwortung die Unterstützung durch andere Partner erfordert. Bedingt unter anderem durch die Vielfalt historischer und aktueller Erscheinungsformen von Musik und der sie dokumentierenden Medienarten hat sich eine Vielzahl von Organisationen und Einrichtungen der Sammlung von Musikdokumenten und musikbezogenen Informationen angenommen. Dazu gehören Bibliotheken und Archive, Spezialinstitute und Verbände ebenso wie Aus- und Fortbildungsstätten, Stiftungen, Unternehmen und Körperschaften. Innerhalb dieser stark ausdifferenzierten, durch verschiedenartigste inhaltliche Schwerpunktsetzungen gekennzeichneten Informationslandschaft sieht das MIZ seine Aufgabe in der Information über die vorhandenen Ressourcen, in der breiten Vernetzung der Angebote und im Aufbau eines Verweissystems, das dezentrale Angebote über einen zentralen Nachweis zugänglich macht.
Kooperation ist dementsprechend eines der vorrangigen Arbeitsprinzipien des MIZ. Als Anlauf- und Clearingstelle für Musikinformation arbeitet das MIZ mit Musikdokumentationsstellen und -archiven ebenso wie mit Verbänden, Bildungs- und Ausbildungsstätten, Forschungsinstituten, Medieninstitutionen und anderen relevanten Einrichtungen zusammen. Auf der Basis dieser Kooperationen bündelt das Zentrum in einem Netzwerk Informationssammlungen der lokalen, regionalen und überregionalen Ebene und führt Informationsmaterialien aus allen Bereichen des Musiklebens zusammen. Es nutzt die in Jahrzehnten aufgebaute Infrastruktur und die Verbindungen des Deutschen Musikrates zu allen Bereichen des Musiklebens und kann auf der bisher geleisteten Informationsarbeit des Verbandes und seiner Einrichtungen aufbauen. Dieser kooperative Ansatz findet seinen Ausdruck auch in der Zusammensetzung des Beratungsausschusses, der Vertreter wichtiger deutscher Musikarchive und Dokumentationsstellen sowie weitere Fachexperten in die Arbeit des MIZ einbindet und mit grundsätzlichen Fragen des Aufbaus der neuen Einrichtung, der Koordinierung ihrer Aufgaben innerhalb der Musikinformationslandschaft und der Entwicklung von Perspektiven für die weitere Arbeit befasst ist.
Das Zentrum versteht sich als offene, für jedermann zugängliche Informations- und Serviceeinrichtung mit dem Ziel, das Musikleben als Teil kulturellen Lebens transparenter zu machen und die Vermittlung von Musik zu erleichtern und zu fördern. Es wendet sich an Fachkreise, Kulturinstitutionen und kulturpolitische Gremien ebenso wie an Musikamateure und die musikinteressierte Öffentlichkeit und setzt bei der Informationsvermittlung sowohl neueste Informationstechnologien als auch traditionelle Medien ein.

Die Informationsangebote des MIZ – Ver öffentlichungen im Internet, auf CD-ROM und in Buchform

Musikleben in Deutschland

Seit 1998 stellt das MIZ im Internet – in enger Anlehnung an den Musik-Almanach – ein vernetztes Informationssystem zu über 10.000 Institutionen und Einrichtungen des Musiklebens mit Basisangaben zu Tätigkeit, Arbeitsergebnissen, Leitungsstruktur und Kommunikationsverbindungen für die umfassende Information über das aktuelle Musikgeschehen bereit. Unter definierten Kriterien und mit dem Ziel einer möglichst vollständigen Dokumentation der einzelnen Bereiche bietet die fortlaufend aktualisierte und erweiterte Datenbank systematisch gegliederte Informationen unter anderem zu den Themenfeldern musikalische Bildung und Ausbildung, Orchester und Musiktheater, Spezialensembles, Musikfestspiele und -festivals, Musikförderung, Stiftungen, Stipendien, Wettbewerbe und Preise, Verbände und Gesellschaften, Musikdokumentation und Musikforschung, Musikwirtschaft, Fachpresse, musikalische Auslandsarbeit und vieles mehr.
Neben der Bereitstellung von Basisinformationen über Strukturen und Institutionen des Musiklebens führt die Datenbank Tausende von Internet- und E-Mail-Adressen aus weiten Strukturbereichen des Musiklebens sowie Verweise auf die großen musikbezogenen Informations- und Recherchesysteme in fortlaufend aktualisierter Form zusammen. Sie erschließt Quellen zur Literatur- und diskographischen Recherche mit Hilfen zum Auffinden von Musikliteratur, Musikalien und CDs ebenso wie spezielle Ressourcen zum zeitgenössischen Musikschaffen. Darüber hinaus werden Veranstaltungsdatenbanken und musikspezifische Internetverzeichnisse in kurzen Kommentaren vorgestellt. Das MIZ fokussiert damit die vorhandenen Internet-Angebote unter Aspekten ihrer informatorischen Relevanz und bietet eine breite Ausgangsbasis für Recherchen in allen Themenfeldern der Musik und des Musiklebens.

Fort- und Weiterbildung

Über die Bereitstellung von Basisinformationen hinaus ist es Aufgabe des MIZ, das Informationsangebot zum Musikleben in ausgewählten Bereichen zu erweitern und zu vertiefen. Im Kontext der Bemühungen um eine Verbesserung der musikalischen Bildung und der wachsenden arbeitsmarkt-politischen Bedeutung des lebenslangen Lernens wurde hierbei der Fort- und Weiterbildung eine hohe Priorität eingeräumt. Mit Unterstützung der Forschungsstelle Musik- und Medientechnologie an der Universität Osnabrück und in Zusammenarbeit mit den Trägern der musikalischen Fort- und Weiterbildung in Deutschland hat das MIZ deshalb ein Informationssystem über Kurse, Kongresse, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten aufgebaut, das dem großen Bedarf nach entsprechenden Informationen Rechnung trägt.
Das System informiert heute über jährlich weit mehr als 1.000 überregional ausgeschriebene Kurse, Kongresse und Fortbildungsangebote von Bundes- und Landesakademien, Musikhochschulen, Fachakademien, Konservatorien, Fachverbänden und freien Veranstaltern, die sich an Zielgruppen mit unterschiedlicher musikalischer Vorbildung und verschiedenen Ausbildungsinteressen richten. Die Informationen werden von den Veranstaltern für die Datenbank des MIZ elektronisch aufbereitet, nach einem einheitlichen Kriterienkatalog verschlagwortet, per E-Mail, Online-Eingabe oder Diskette an das MIZ übermittelt und von den Mitarbeitern des MIZ in das System integriert. Die inhaltliche Beschreibung der Kursangebote bleibt dabei in ihrer individuellen sprachlichen Form erhalten, sodass dem Benutzer vielfältige Recherchemöglichkeiten, u. a. nach inhaltlich-systematischen Kriterien, nach beliebigen Stichworten in den Kursbeschreibungen, nach Terminen oder auch unter regionalen Gesichtspunkten, zur Verfügung stehen. Das Informationsangebot steht allen Interessierten sowohl im Internet als auch telefonisch über den Informationsservice des MIZ offen.

Zeitgenössisches Musikschaffen

Als einen ersten Einstieg in den Bereich des zeitgenössischen Musikschaffens hat das MIZ in den vergangenen Jahren eine Komponisten-Datenbank aufgebaut, die die im Internet bereitgestellten Informationen über Vita, Werk und Aufführungen in Deutschland lebender oder hier geborener Komponisten zusammenführt. Diese Datenbank, die mittlerweile über 400 Komponistinnen und Komponisten umfasst und demnächst auch über eine Volltextrecherche durchsucht werden kann, wird ergänzt durch die in der Bibliothek des MIZ bereitgestellten Fachpublikationen und Repertoireverzeichnisse sowie durch das vom MIZ aufgebaute Netzwerk großer Musikdokumentationsstellen und -archive, das den Mitarbeitern des MIZ für Recherchezwecke den Zugriff auf die Datenbanken der GEMA, des Deutschen Rundfunkarchivs und anderer wichtiger Dokumentationseinrichtungen erlaubt. Umfangreiche Informationssammlungen zu infrastrukturellen Bedingungen zeitgenössischer Musikproduktion, von Spezialensembles über Festivals und Initiativen, Kompositionswettbewerbe, Stipendien und Preise bis zu Verlagen und Fachzeitschriften, ergänzen diese Ressourcen. Neben den durch das MIZ bereitgestellten Informationen ist der Deutsche Musikrat bereits seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise im Bereich der Förderung zeitgenössischer Musik aktiv, z. B. durch die Unterstützung der Aufführung und Vermittlung zeitgenössischer Werke (Projekt „Konzert des DMR") oder durch die Dokumentation und Verbreitung zeitgenössischer Musik auf CD (CD-Reihen „Edition Zeitgenössische Musik" und „Musik in Deutschland 1950– 2000").

Musik-Almanach

Der Musik-Almanach ist das zentrale Nachschlagewerk mit Daten und Fakten zum Musikleben in Deutschland. Das alle drei Jahre herausgegebene Handbuch informiert über Strukturen des Musiklebens sowie über Ziele, Tätigkeit und Arbeitsergebnisse seiner wichtigsten Einrichtungen. Als enzyklopädische Darstellung des deutschen Musiklebens fasst der Musik-Almanach statistisches Material, Strukturinformationen und Sachdarstellungen zum deutschen Musikleben zusammen. Unter den Stichworten Musikalische Bildung und Ausbildung, Laienmusizieren, Orchester und Musiktheater, Musik im Rundfunk, Musikdokumentation, Musikwirtschaft und Musikaus gaben der Öffentlichen Hand gibt der Musik-Almanach Einblick in Strukturen und aktuelle Entwicklungen wichtiger Aktionsfelder des Musiklebens. Die weit verzweigte Infrastruktur spiegelt sich in rund 70 Kapiteln, die systematisch gegliederte Informationen zu Institutionen und Einrichtungen des Musiklebens enthalten, darunter Aus- und Fortbil dungsinstitute, Förderungs- und Forschungseinrichtungen, Orchester und Musiktheater, kultur politische Gremien, Behörden und Verbände, Unternehmen der Musikwirtschaft und die Medien. Detailangaben zu Tätigkeit, Arbeitsergebnissen und Leitungsstrukturen sowie Adressdaten, Telefon- und Internetverbindungen vermitteln konzentrierte Basisinformationen und ermöglichen eine gezielte Kontaktaufnahme mit den gewünschten Ansprechpartnern.
Neben der Dokumentation des Musiklebens in Deutschland vermittelt der Musik-Almanach Grundinformationen über europäische Musikorganisationen sowie über Informations- und Kontaktstellen zum Musikleben in Europa. Die neueste Ausgabe des Musik-Almanachs wird im Oktober 2002 als Buchausgabe und auf CD-ROM erscheinen.

Musikforum

Mit der Online-Version der Zeitschrift Musikforum des Deutschen Musikrates sind auf den Seiten des MIZ seit dem Jahr 2000 auch Textbeiträge und Dokumentationen zu aktuellen Fragen des Musiklebens verfügbar. Fachartikel, Dokumentationstexte, Berichte und Informationen der Zeitschrift können als vollständige Texte abgerufen werden; Beiträge aus älteren Ausgaben sind über die ebenfalls online publizierte Bibliografie der Zeitschrift zu erschließen. Das System ermöglicht über verschiedene Suchstrategien (systematische Suche, Schlagwortsuche, Volltextsuche sowie verschiedene Registersuchen) eine gezielte Recherche insbesondere unter inhaltlichen Aspekten sowie die Suche nach Autoren, Einzelheften und Aufsatztiteln. Beiträge und Dokumentationen aus älteren Heften, die nicht online bereitgestellt werden, können im Rahmen der individuellen Serviceangebote des MIZ gegen Kostenerstattung angefordert werden.

Die individuellen Serviceangebote des MIZ – Nationale und internationale Informationsvermittlung

Neben der Bereitstellung elektronischer und gedruckter Veröffentlichungen hat das MIZ in den vergangenen Jahren zusätzliche Serviceangebote aufgebaut mit dem Ziel, auch dem hohen Bedarf an individueller Fachinformation Rechnung tragen zu können.
Zu diesen Angeboten gehört die Bibliothek des MIZ, die Nachschlagewerke und Fachliteratur aus allen Bereichen des Musiklebens sammelt. Als Informations- und Serviceeinrichtung mit einer vorwiegend interdisziplinären Ausrichtung ihrer Themenfelder unterscheidet sie sich in besonderer Weise ebenso von den öffentlichen und wissenschaftlichen Musikbibliotheken wie von Spezialbibliotheken, die ihr Interesse auf bestimmte musikalische Fachgebiete oder Medienarten richten. Entsprechend breit ist das Themenspektrum angelegt, das Felder wie Musikausbildung, Musikberufe, Musikmanagement oder Sponsoring ebenso wie Musik und Kulturpolitik, Medien und Musik, Musik und Wirtschaft oder Musik und Recht umfasst. Die Bibliothek ist – neben ihrer Funktion als öffentlich zugängliche Präsenzbibliothek – vor allem auch wichtiges Arbeitsinstrument und eine der Grundlagen für die Informationstätigkeit des MIZ. Ihre Nutzung durch die Mitarbeiter ist – in Verbindung mit den verfügbaren Datenbanken – die Voraussetzung für die Beantwortung zahlreicher Anfragen. Die Bibliothek ist öffentlich zugänglich, der Katalog ist im Internet verfügbar. Arbeitsplätze mit Internet-Anschluss, die über die Recherche in den eigenen Beständen hinaus auch andere nationale und internationale Quellen zugänglich machen, sind vorhanden.
Eine weit greifende Ergänzung dieser Ressourcen bildet das vom MIZ aufgebaute Netzwerk wichtiger Dokumentationsstellen und Archive, das den Mitarbeitern des MIZ zu Auskunftszwecken im Rahmen wissenschaftlicher und kultureller Anliegen den Zugriff auf Leistungen anderer Informationsanbieter, darunter insbesondere die Datenbanken der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv Frankfurt/ Main-Berlin sowie die Werkdatenbank der GEMA, ermöglicht. Dieses auf speziellen Kooperationsvereinbarungen mit den Datenanbietern basierende Netzwerk ermöglicht die gezielte Recherche z. B. nach zeitgenössischen Werken und Verlagen und bietet insbesondere für die Informationsvermittlung im Bereich des Zeitgenössischen Musikschaffens eine große Hilfestellung.
Aufgrund dieser breiten Quellenbasis, die neben den eigenen Datenbanken des MIZ auch die in den Projekten des DMR vorhandenen Ressourcen und zahlreiche weitere Quellen umfasst, ist das MIZ in der Lage, auch im Bereich der nationalen und internationalen Informationsvermittlung ein weites Spektrum an Fragen abzudecken, die per Post, Fax, E-Mail oder telefonisch an das MIZ herangetragen werden. Die Beantwortung von Anfragen, die einen höheren Bearbeitungsaufwand erfordern oder die Nutzung externer Quellen notwendig machen, wird auf der Basis einer Gebührenordnung in Rechnung gestellt.

Nutzung der Angebote

Das Bedürfnis an der Erfüllung der Aufgaben des MIZ ist durch die große Akzeptanz des Zentrums bei einer Vielzahl von Institutionen, Verbänden und Einzelpersonen, die auch in der umfangreichen Nutzung des MIZ zum Ausdruck kommt, nachdrücklich bestätigt worden. Dies verdeutlichen die monatlich derzeit rund 400.000 Seitenzugriffe auf die Internetseiten ebenso wie die intensive Nutzung der individuellen Informationsservices des MIZ, die überwiegend von Komponisten, Interpreten und Ensembles sowie von Musikamateuren in Anspruch genommen werden (vgl. Grafik). Etwa ein Drittel der Anfragen kommt aus dem Ausland, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf den europäischen Ländern.

Das an das MIZ herangetragene Fragenspektrum ist dabei außerordentlich weit gefächert. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Musikalische Bildung, Aus- und Weiterbildung sowie Musikberufe (z. B. Studienangebote an staatlichen und privaten Bildungs- und Ausbildungsinstituten, Fortbildungsangebote für Musiker, u. a. in den Bereichen Selbstmanagement, Vermarktung etc.), Förderungsmöglichkeiten (z. B. Wettbewerbe, Preise und Stipendien, Künstler- und Veranstaltungsförderung, Stiftungen, Sponsoring), Musikschaffen und Musikaufführung (insbesondere zeitgenössische Komponisten, Werke, Interpreten, Tonträger) sowie Daten zum Musikleben (z. B. Orchester, Chöre, Musizierende im Bereich des Laienmusizierens, Daten zum Musikmarkt, Konzert- und Theaterbesuche, Beschäftigung im Bereich Musik u. a.)

Aktuelle Projekte und Perspektiven

Ausgehend von den Nachfrageschwerpunkten in der Nutzung des MIZ und neuen technologischen Möglichkeiten des Informationsmanagements wurden auch für das MIZ erweiterte Konzepte der Informationsvermittlung entwickelt, die eine weit gehende Integration der unterschiedlichen Arten und Inhalte der im MIZ verfügbaren Ressourcen sowie eine stärkere Einbindung der Informationsproduzenten erlauben. Unter dem Arbeitstitel „Themenportale zum Musikleben" sollen dabei künftig Informationen zu den einzelnen Aktionsfeldern des Musiklebens auf breiter Ebene zusammengeführt, aufbereitet und für Fachkreise und die interessierte Öffentlichkeit bereitgestellt werden. Das Informationsspektrum umfasst die bisher in MIZ-Online enthaltenen Basisinformationen, die thematisch fokussiert und durch Strukturinformationen, kulturpolitische Texte, Statistiken, weiterführende Links, Bibliografien und ggf. kartographische Darstellungen ergänzt werden. Darüber hinaus könnte mit einer Öffnung des Systems für die Direkteingabe z. B. durch die Mitgliedsorganisationen des DMR und die Landesmusikräte das Web-Angebot des MIZ zu einer musikkulturellen Kommunikationsplattform ausgebaut werden. Gedacht ist hierbei auch an die Einrichtung themenspezifischer Newsboards und Newsletters.
Besondere Bedeutung kommt in diesem Konzept auch der Erweiterung und kontinuierlichen Fortschreibung des musikstatistischen Datenprogramms zu, das in komprimierter Form bereits seit einigen Jahren im Musik-Almanach veröffentlicht wird. Angesichts der z. T. gravierenden Veränderungen, die die gegenwärtigen gesellschaftlichen, ökonomischen und technologischen Entwicklungen auch in den verschiedenen Bereichen des Musiklebens bewirken, ist eine Erfassung und Dokumentation der entsprechenden Daten und Fakten auf einer übergeordneten Ebene unverzichtbar. Besondere Brisanz entfaltet dabei das Zusammenwirken von Faktoren, die in ihren Auswirkungen auf das Musikleben heute noch nicht abzuschätzen sind. Dazu gehören die veränderten Bedingungen schulischer und außerschulischer Sozialisation mit ihren Einflüssen auf die Musikrezeption und die Entwicklung von Jugendkulturen, das veränderte Ver hältnis von Arbeit und Freizeit, die Entwicklung der Medientechnologien mit ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die Produktion, Distribution und Rezeption von Musik, ökonomische Faktoren und die Diskussion um die Aufgaben des Staates, die auch kulturelle Angebote nicht unberührt lassen. Das MIZ möchte diese Entwicklungen beobachtend und dokumentierend begleiten sowie Anstöße für eine kritische Auseinandersetzung geben. Neben dem Ausbau der Informationsangebote auf nationaler Ebene beteiligt sich das MIZ auch an Projekten auf internationaler Ebene. Einen ersten Schritt hin zu einer engeren europäischen Zusammenarbeit bedeutet dabei das von der Europäischen Union mitfinanzierte Projekt zum Aufbau eines europäischen Musikinformationssystems. Dieses von der Internationalen Vereinigung der Musikinformationszentren getragene und von den Ländern Deutschland, Österreich (Federführung), Niederlande, Italien, Frankreich, Schweden und dem Musikzentrum Flandern unter dem Titel „European Music Navigator" realisierte internationale Gemeinschaftsprojekt hat die Aufgabe, im Zeitraum von 2001– 2003 die Informationsressourcen der europäischen Musikinformationszentren im Rahmen einer gemeinsamen Internetplattform zu sammenzuführen und für die nationale und weltweite Nutzung bereitzustellen. Das Vorhaben, das vom MIZ als Mitglied der Projektentwicklungsgruppe entscheidend mitgestaltet und von zahlreichen europäischen und internationalen Organisationen ideell unterstützt wird, ist hinsichtlich der Repräsentanz des deutschen Musiklebens im internationalen Kontext von herausragender Bedeutung. Die Zusammenarbeit der nationalen Musikinformationszentren eröffnet hier Möglichkeiten der Vernetzung und des Austauschs, die die Möglichkeiten eines einzelnen Zentrums weit überschreiten, für gemeinsame Projekte jedoch viel versprechende Perspektiven bieten.

Margot Wallscheid ist Geschäftsführerin des Deutschen Musikinformationszentrums und Redaktionsleiterin des „Musik-Almanachs".


1) Vgl. insbesondere, Bernd Buchhofer, Jürgen Friedrichs, Hartmut Lüdtke, Musik und Sozialstruktur. Theoretische Rahmenstudie und Forschungspläne, Köln 1974. Irmgard Bontinck, János Breuer (Hrsg.), Institutionen des Musiklebens in Europa. Konzertwesen und Musiktheater. Bericht über die Arbeitstagung der Europäischen Regional-Gruppe des Internationalen Musikrats, Wien/ München 1979. Dokumentation Deutsches Musikleben der Gegenwart. Gutachten vom 26. November 1980 und Anschlussgutachten vom 30. September 1981, beide vorgelegt von Herbert Saß. Reinhard Oehlschlägel, Neue Musik und Information. Zur Situation in der Bundesrepublik, in: MusikTexte – Zeitschrift für neue Musik, 10/ 1985, S. 3– 4; Braucht die Bundesrepublik ein Musik-Informations-Zentrum? (Umfrage), ebd., S. 44– 55; Klaus-Hinrich Stahmer, Der Komponist in unserem Land, ebd., S. 56.

2) Vgl. dazu die Übersicht von Susanne Fuß: Musikinformationszentren in Europa, S. 88ff. dieses Heftes.

3) Musik-Almanach 1986/ 87. Musikleben in der Bundesrepublik Deutschland. Für den Deutschen Musikrat herausgegeben von Andreas Eckhardt, Richard Jakoby u. Eckart Rohlfs, Kassel und Regensburg 1986. Seitdem sind folgende Ausgaben erschienen: 1990/ 91, 1993/ 94, 1996/ 97, 1999/ 2000. Die sechste Ausgabe (2003/ 2004) erscheint im Herbst 2002.