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21.12.2018 Musikhochschule München beschließt zusätzliche Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch

 

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) hat weitere Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch verabschiedet. In der Senatssitzung vom 18. Dezember 2018 sprach sich die Hochschulleitung, unterstützt von der Mehrheit der Senatsmitglieder, für ein Verbot des Unterrichts in Privaträumen und die Einführung von so genannten Orientierungsgesprächen zum Thema »Körperkontakt im Einzelunterricht« aus. Bei diesen Orientierungsgesprächen führen Dozent*in und Student*in zu Beginn eines jeden Semesters ein ergebnisoffenes Gespräch über den Einsatz von Körperkontakt z.B. bei Haltungskorrekturen. Diese Gespräche sollen insbesondere der Sensibilisierung dienen.

Prof. Dr. Bernd Redmann, Präsident der HMTM:
»Das Verbot von Unterricht in Privaträumen ist notwendig, um eine deutliche Trennung zwischen Privatem und Beruflichem herzustellen. Die Entscheidung ist uns aber nicht leicht gefallen. Die große Raumnot an einigen unserer Standorte wird sich durch diese Maßnahme weiter verschärfen. Die Hochschule benötigt dringend zusätzliche Unterrichtsräume. Doch das Verbot von Unterricht in Privaträumen ist richtig und in dieser Zeit unabdingbar. Wir möchten als HMTM damit sehr klar machen, dass wir unsere Studentinnen und Studenten bestmöglich vor jedweder Form möglicher sexueller Übergriffe schützen wollen. Dabei geht es nicht darum, diejenigen, die verantwortungsvoll Unterricht in Privaträumen angeboten haben, unter Verdacht zu stellen. Gleiches gilt auch für die zweite von uns gemeinsam beschlossene Maßnahme, die Einführung von Orientierungsgesprächen: Der pädagogisch veranlasste Körperkontakt im Unterricht z.B. zu Demonstrationszwecken oder bei Haltungskorrekturen ist ein lange eingeübtes und bewährtes Mittel in der Musik- und Theaterausbildung. Dennoch ist es an der Zeit, genauer zu hinterfragen, welche Art und wie viel Körperkontakt pädagogisch wirklich notwendig sind. Bei dieser Diskussion werden die Orientierungsgespräche helfen, gleichzeitig werden wir die Lehrkräfte mit systematischen Fortbildungen in diesem Bereich unterstützen.«

Seit dem Bekanntwerden erster Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen den ehemaligen Präsidenten der HMTM, Prof. Dr. Siegfried Mauser im Frühjahr 2016, ist an der Hochschule für Musik und Theater München viel passiert: Die HMTM hat eine Richtlinie gegen Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch erlassen. Jedes Hochschulmitglied, das in die HMTM eintritt, muss die Kenntnisnahme der Richtlinie schriftlich bestätigen und nach den darin formulierten Maßstäben handeln. Die Beschwerdewege sind geklärt. Eine externe Ombudsstelle ist eingerichtet, die für Beschwerden auch außerhalb der Strukturen der Hochschule kostenlos zur Verfügung steht. Die Frauenbeauftragten werden geschult, gerade auch um sie noch stärker für Fälle möglicher sexueller Belästigung zu sensibilisieren. Zusätzlich entwickeln wir ein kontinuierliches Fortbildungsprogramm für Lehrende, Studierende und Beschäftigte der Verwaltung.

Prof. Dr. Bernd Redmann:
»Für uns ist klar: Wir tolerieren keine Form von sexueller Belästigung. Beschuldigungen müssen wir ernst nehmen, Vorwürfe müssen wir aufklären. Eine Menge haben wir schon auf den Weg gebracht und verändert. Doch das reicht nicht: Nur wenn wir es schaffen, unsere Studierenden bereits im Rahmen ihrer Ausbildung dafür zu sensibilisieren, dass sexuelle Belästigung nicht geduldet oder gar toleriert wird, nur dann werden wir den Musik- und Theaterbetrieb nachhaltig verändern können. Dies zu erreichen, daran arbeiten wir. Denn als Hochschule stehen wir in besonderer Verantwortung für diese und für zukünftige Generationen.«

Quelle: http://www.musikhochschule-muenchen.de