Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar trauert um Prof. Dr. Detlef Altenburg: Der Musikwissenschaftler und langjährige Institutsdirektor der HfM verstarb in der Nacht zu Montag überraschend in Regensburg, nur wenige Wochen nach seinem 69. Geburtstag. Der gebürtige Nordhesse war bis zu seinem Ruhestand Direktor des Instituts für Musikwissenschaft Weimar-Jena. Zuvor hatte er akademische Positionen in Köln, Lissabon, Detmold und Regensburg inne. Geboren 1947 in Bad Hersfeld, zählte Prof. Altenburg zu den wichtigsten deutschen Musikwissenschaftlern: Er war von 1985 bis 1989 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift "Die Musikforschung“, von 2001 bis 2009 Präsident der Gesellschaft für Musikforschung und von 2003 bis 2009 Mitglied im Präsidium des Deutschen Musikrates.

"Wir sind tief betroffen von dieser völlig unerwarteten Nachricht“, sagte der Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Prof. Dr. Christoph Stölzl. "Detlef Altenburg hat in herausragender Weise den Stellenwert der musikwissenschaftlichen Forschung und Lehre in Weimar befördert und für eine internationale Ausstrahlung gesorgt. Seine Verdienste vor allem um das Werk Franz Liszts können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Unser Mitgefühl gehört seinen Angehörigen.“ Detlef Altenburg zähle zu den "zentralen prägenden Figuren des Fachs Musikwissenschaft der letzten Jahrzehnte“, äußerte sich Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt, die derzeitige Direktorin des Instituts für Musikwissenschaft Weimar-Jena.

Nicht nur habe er als langjähriger Präsident der Gesellschaft für Musikforschung eine bedeutende fachpolitische Stellung eingenommen, auch habe er sich in den Gremien des Deutschen Musikrates sowie in den Wissenschaftsakademien in Erfurt, Leipzig und Mainz für das Fach verdient gemacht. "Seine Forschungsschwerpunkte zu Franz Liszt, der Neudeutschen Schule sowie der Schauspielmusik waren dabei ebenso intensiv seinem Weimarer Wirkungsfeld wie seiner steten Neugier auf musikwissenschaftliche Desiderata verbunden“, so Prof. Wiesenfeldt. Dabei sei ihm stets das Interdisziplinäre, "also der Blick über den fachlichen Tellerrand“, wichtig gewesen, fügte die in Weimar lehrende Musikwissenschaftlerin hinzu.

"Detlef Altenburg war seit den 1980er Jahren der wichtigste Liszt-Forscher in der Bundesrepublik“, ergänzte der amtierende Präsident der Deutschen Liszt-Gesellschaft und vormalige Rektor der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Prof. Dr. Wolfram Huschke. "Liszts wegen war Detlef Altenburg 1999 nach Weimar gekommen, weil Weimar das Zentrum des Nachlasses Liszts und von daher der Erinnerungsort an ihn ist“, sagte Huschke. "Sein plötzliches, völlig unerwartetes Ableben hat uns tief bestürzt. Wir trauern mit seiner Familie.“

Detlef Altenburg studierte Musikwissenschaft, Philosophie, Evangelische Theologie und  Religionswissenschaft an den Universitäten in Marburg und Köln. Nach seiner Promotion (1973) mit einer grundlegenden Arbeit über die Clarinblaskunst vom 16. bis 18. Jahrhundert wurde er mit einer Arbeit über Franz Liszt 1980 in Köln habilitiert. Nach einer Lehrstuhlvertretung in Göttingen und einer Gastprofessur in Lissabon wurde er 1983 Professor für Musikwissenschaft an der Universität/Gesamthochschule Paderborn und an der Musikhochschule Detmold. 1994 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Musikwissenschaft an der Universität Regensburg, wo er 1995 bis 1997 zusätzlich als Dekan der Philosophischen Fakultät I wirkte. 1999 nahm er den Ruf an die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar an, wo er bis 2012 das Institut für Musikwissenschaft Weimar | Jena leitete. Von 2008 bis 2010 amtierte er auch als Dekan der Fakultät III der Hochschule. 2010 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Wichtige kulturpolitische Akzente auf Bundesebene konnte Prof. Altenburg als Präsidiumsmitglied des Deutschen Musikrates setzen. Von großer Bedeutung ist auch seine Tätigkeit im Vorstand der RISM (Répertoire International des Sources Musicales), einem Projekt, das die Erschließung musikalischer Quellen weltweit koordiniert und dadurch die Grundlage für die Wiederentdeckung unzähliger musikalischer Schätze geschaffen hat. Er wirkt außerdem als Mitglied der Akademie der gemeinnützigen Wissenschaft zu Erfurt, in dessen Senat er 2001 aufgenommen wurde. Des Weiteren wurde er 2009 zum Präsidenten der neu gegründeten International Liszt Association (ILA), Budapest, gewählt. Im Liszt-Jahr 2011 war Detlef Altenburg Kurator der großen Thüringer Landesausstellung "Franz Liszt – Ein Europäer in Weimar“.

Gerade das Musikland Thüringen mit seiner überreichen Musiktradition und seinen musikgeschichtlich bedeutsamen Quellenbeständen ist durch Prof. Dr. Detlef Altenburg als ein exzellenter Standort der deutschen Musikwissenschaft seit vielen Jahren etabliert und geachtet. Die überregionale Strahlkraft des Instituts für Musikwissenschaft Weimar | Jena, das mit der Kombination von Wissenschaft, Praxis und Kulturmanagement ein einzigartiges Profil aufweist, ist wesentlich durch ihn geprägt worden. Als "Brückenbauer“ trug er in der Funktion des Präsidenten der Franz-Liszt-Gesellschaft Weimar zur Wiedereinrichtung des Faches Musikwissenschaft in Thüringen wesentlich bei. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses war Prof. Dr. Detlef Altenburg ein besonderes Anliegen: Für die Durchführung zahlreicher Sonderforschungsprojekte mit Beteiligung an Sonderforschungsbereichen konnte er stets namhafte Drittmittel-Spender gewinnen, außerdem gelang durch seine wichtigen Verbindungen nicht wenigen Studierenden der Hochschule nach dem Studienabschluss der Berufseinstieg in interessante Tätigkeitsfelder im gesamten Bundesgebiet.

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