Der Pianist und Komponist Abdullah Ibrahim (* 9. Oktober 1934 in Kapstadt) wird mit der German Jazz Trophy 2017 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert, sowie mit einer Statue des Stuttgarter Bildhauers Otto Herbert Hajek und wird verliehen von der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg, der neuen musikzeitung und JazzZeitung.de sowie der Kulturgesellschaft Musik+Wort e.V. Stuttgart.

Aus der Begründung der Jury:

Abdullah Ibrahim (geb. 9. Oktober 1934 in Kapstadt) zählt zu den wichtigsten Pianisten und Komponisten des Jazz, die nicht aus dem Heimatland des Jazz, den USA, stammen. Tanzmusik und religiöse Hymnen aus den südafrikanischen Townships zählen neben Kompositionen von Duke Ellington zu den wichtigsten Einflüssen auf die Werke von Abdullah Ibrahim. Sie verleihen seiner Musik ihre Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit. Pianistische Virtuosität mischt sich mit unkonventionellen Soundvorstellungen und vor allem einer rhythmischen Komplexität, die den modernen Jazz der 70er- und 80er-Jahre auf neue Weise mit afrikanischen Einflüssen konfrontierte.

Abdullah Ibrahim wuchs in Kapstadt auf und ging 1962 nach Europa, wo er bald darauf von Duke Ellington im Zürcher Café Africana entdeckt wurde. Dort war er fast zwei Jahre mit seinem Dollar Brand Trio, mit dem Bassisten Johnny Gertze und dem Schlagzeuger Makaya Ntshoko, aufgetreten. Dollar Brand nannte er sich, bevor er Ende der 60er-Jahre seinen aktuellen Namen mit seiner Konversion zum Islam annahm. Durch Ellingtons Vermittlung konnte sein Trio eine erste Platte einspielen unter dem Titel "Duke Ellington presents the Dollar Brand Trio", die 1963 bei Reprise erschien.

Damit begann eine große Karriere. Doch trotz internationaler Anerkennung als eine der damals seltenen afrikanischen Stimmen im Jazz zog es Ibrahim 1973 für drei Jahre zurück nach Südafrika. 1974 organisierte er dort Aufnahmen für mehrere einflussreiche, zunächst im Untergrund vertriebene Platten von Cape Jazz-Musikern wie Basil Coetzee und Robbie Jansen. In dieser Zeit spielte Ibrahim mit seinen südafrikanischen Formationen das Stück "Mannenberg" ein, das – mit einem beeindruckenden Solo von Coetzee – nicht nur ein Hit wurde, sondern ein musikalisches Symbol des Widerstands gegen die Apartheid. 1976 organisierte der Pianist ein Jazz-Festival, das sich um die Apartheidsgesetze nicht scherte, wenige Tage später verließ er das Land. Er kehrte erst 1990 – im Zuge der politischen Umwälzungen – mit seiner Familie nach Südafrika zurück. Als Nelson Mandela 1994 das Präsidentschaftsamt übernahm, saß Abdullah Ibrahim bei der Zeremonie der Amtseinführung am Klavier.