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14.12.2018 Volldigitale und interaktive Nachfolge der Neuen Mozart-Ausgabe – Startphase des Projekts DIME hat begonnen

 

Mit DIME, der Digital-Interaktiven Mozart-Edition, bricht eine neue Ära im Umgang mit den musikalischen Werken von Wolfgang Amadé Mozart an. Bislang waren die Noten zu Mozarts Musik im Internet ausschließlich als Bilder gedruckter Ausgaben verfügbar. Das neue Portal DIME, das von der Stiftung Mozarteum Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Packard Humanities Institute in Los Altos/Kalifornien in langjähriger Arbeit entwickelt wurde, stellt erstmals digitale Daten bereit, die der Benutzer interaktiv an seine Bedürfnisse anpassen kann. Hierzu gehören vielfältige Möglichkeiten zur Auswahl von Werkausschnitten, die auch mit bestehenden Tonaufnahmen synchronisiert oder als MIDI-Files wiedergegeben werden können. DIME ermöglicht auch den Vergleich mehrerer vom Komponisten autorisierter Werkfassungen und gewährt  Einblicke in die ihnen zugrunde liegenden Originalquellen.

Damit erfüllt sich eine Vision, die bereits 2001 in einem Memorandum of Understanding zwischen dem Packard Humanities Institute und der Stiftung Mozarteum bekannt gemacht wurde:  Damals wurde eine neue  Digitale Mozart-Edition als Gemeinschaftsprojekt zwischen den beiden Institutionen angekündigt, eine Edition, die Mozarts Werke möglichst breiten Benutzerkreisen – Wissenschaftlern,  Liebhabern und praktischen Musikern – in elektronischen Formaten zur Verfügung stellt. Ein Teil dieses Versprechens wurde bereits im Jahre 2005 eingelöst, indem die Neue Mozart-Ausgabe, die in langjähriger Arbeit unter Heranziehung von Mozart-Experten aus aller Welt an der Stiftung Mozarteum erarbeitet wurde, online gestellt wurde. Mit der NMA Online wurde zum ersten Mal überhaupt eine aktuelle Musiker-Gesamtausgabe für jedermann im Internet freigegeben.

Während die NMA Online Bilder der Neuen Mozart-Ausgabe bereithält und erschließt, ist DIME eine volldigitale Edition, in der alle Informationen in maschinenlesbarer Form vorliegen. Alle Daten von DIME stehen im Sinne des Memorandum of Understanding von 2001 für  nicht-kommerzielle Zwecke wie den privaten, wissenschaftlichen und pädagogischen Gebrauch für jedermann kostenfrei zur Verfügung. Technisch versierte Benutzer können zusätzlich auch die zugehörigen Quellcodes herunterladen, um sie in eigene Projekte zu integrieren oder um neue Mozart-Apps zu entwickeln. Die Stiftung Mozarteum und das Packard Humanities Institute laden hierzu ausdrücklich ein.

In der Startphase des Projekts sind ab dem 14. Dezember 2018 außer bekannten Werken wie Eine kleine Nachtmusik oder das Ave verum corpus vor allem Kammermusikwerke wie die berühmten Joseph Haydn gewidmeten Streichquartette verfügbar. Schrittweise soll Mozarts gesamtes Schaffen (mehr als 600 Werke mit 25.000 Seiten) in diesem offenen digitalen Format vorgelegt werden, das gleichermaßen für eine Langzeitarchivierung wie für Neueditionen optimiert ist. Aufgrund des Umfangs von Mozarts Schaffen handelt es sich um ein Langzeitprojekt mit einer Dauer von mehr als zehn Jahren.

DIME:
Einstiegsseite:  https://dme.mozarteum.at/musik/edition
Direktlink:  https://dme.mozarteum.at/movi

DIME als Kernstück der wissenschaftlichen Aktivitäten der Stiftung Mozarteum

DIME wurde durch den Wissenschaftlichen Bereich der Stiftung Mozarteum Salzburg (ISM) in Kooperation mit dem Packard Humanities Institute (PHI) in Los Altos, Kalifornien/USA erarbeitet und ist das Kernstück der vielfältigen digitalen und editorischen Projekte der Stiftung Mozarteum. Sie versteht sich als Nachfolgeprojekt der Neuen Mozart-Ausgabe (NMA), die seit 1954 in 122  Bänden (25.000 Notenseiten und 8.000 Seiten Kritische Berichte) herausgegeben wurde. Diese ist seit 2005 als NMA-Online im Internet in der Form von Bildern der gedruckten Notenausgabe verfügbar.   DIME, die neue Digital-Interaktive Mozart-Edition basiert auf der Neuen Mozart-Ausgabe und respektiert deren über Generationen entwickelte wissenschaftliche Leistung, doch ist sie mit ihr weder im Inhalt noch im Erscheinungsbild identisch.

DIME ist eine volldigitale Edition. Mithilfe eines eigens entwickelten Verfahren zur Optical Music Recognition wurden vom Packard Humanities Institute Scans aller 25.000 Seiten der Neuen Mozart-Ausgabe in einen maschinenlesbaren Code verwandelt und bis 2014 minutiös überprüft. DIME verwendet diese Daten und arbeitet dabei mit dem offenen, XML-basierten Format der Music Encoding Initiative (MEI), was die Dokumentation editorischer Entscheidungen erleichtert und die Aktualisierbarkeit der Edition nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ermöglicht. Ein Visualisierungsprogramm namens VEROVIO (das vom Répertoire international des sources musicales, Schweiz, mit dem eine Kooperation besteht, entwickelt wird) überträgt den maschinenlesbaren XML-Code in reguläre Musiknotation, die am Bildschirm angezeigt wird. Dabei können editorischen Eingriffe und alle Varianten, die zwischen den Quellen bestehen, unmittelbar im Notentext sichtbar gemacht  werden. Das in DIME verwendete Datenformat erlaubt eine auf die Bedürfnisse des Benutzers abgestimmte dynamische Anzeige des Notentexts einschließlich der Herstellung von Stimmenauszügen. Die layoutunabhängige Codierung wird nicht nur am Bildschirm dargestellt; sie kann auch  zur externen Nachnutzung in anderen Programmen  heruntergeladen werden (Lizenz CC BY SA  NC 4.0 ).

DIME verfolgt für seine Editionen einen dualen Ansatz, bei dem zwei Arten von Texten angeboten werden:

  • Referenztext: Der Referenztext ist die retrodigitale Aufbereitung des musikalischen Textes der Neuen Mozart-Ausgabe, aktualisiert und angereichert für die Online-Anzeige. Der Referenztext basiert auf der vollständigen Codierung der NMA durch das Packard Humanities  Institute.  Dieser Referenztext wird zum leichteren Vergleich mit den gescannten Bildern der Notenseite in der NMA-Online verknüpft.
  • Alternativtexte: Dabei handelt es sich um Neueditionen ausgewählter Werke, die nach bestimmten Kriterien ausgewählt wurden. Die Alternativtexte sind in der Regel Quelleneditionen, die auf einer einzigen Quelle basieren und die den NMA-Referenztext ergänzen.  

DIME als Mozart-Edition des 21. Jahrhunderts

DIME ist eine volldigitale Edition. Alle Informationen stehen in codierter Form zur Verfügung.  Zur Visualisierung von DIME dient MOVI , ein eigens entwickelter „digital MOzart score VIewer“. MOVI ist dynamisch und passt sich automatisch der Bildschirmgröße an. Im ÜBERSICHTS-Modus ist die Werkauswahl und eine bequeme Navigation innerhalb der Werke, bis hin zum genauen Ansteuern eines Einzeltaktes möglich. Die Noten können durch eine Zoomfunktion in beliebiger Größe angezeigt werden, wobei sich der Seitenumbruch in Abhängigkeit vom Zoomfaktor automatisch ändert. MOVI ist  interaktiv und erlaubt dem Nutzer vielfältige Auswahl und Adaptionsmöglichkeiten. MOVI ist auf intuitive Verständlichkeit angelegt. Im DASHBOARD von MOVI können u. a.

  • Texte, die mit der Edition in Bezug stehen abgerufen werden, zum Beispiel Hinweise zur vorliegenden Edition und eine Bewertung der Quellen,
  • Stimmen einzeln oder in beliebigen Kombinationen ausgewählt und visualisiert werden,
  • bestehende Audiofiles (im Rahmen der freien Verfügbarkeit) zusammen mit den Notentexten abgerufen werden, wobei der erklingende Takt optisch hervorgehoben und automatisch weitergeblättert wird, oder auch die vom Benutzer getroffene Stimmenauswahl als MIDI-File abgespielt werden,
  • Notentexte und Metadaten gedruckt oder heruntergeladen werden,
  • Verlinkungen gesetzt werden,
  • editorische Eingriffe in den Notentext angezeigt und beurteilt werden.

Unter MEI CODE kann der zugehörige digitale Quellcode angezeigt und heruntergeladen werden.  

Resümee und Ausblick

DIME ist der Schritt von der digitalen Darbietung von Noten im Internet in eine volldigitale Ära der Musikedition. Sie versteht sich als eine zur praktischen Anwendung ausgereifte Grundlagenforschung. DIME ist die Musikedition des 21. Jahrhunderts. Es ist vorgesehen, bis Ende 2019 etwa 1.000 Seiten von Werken Wolfgang Amadé Mozarts auf der Basis der Neuen Mozart-Ausgabe als Referenztexte zu publizieren. Schwerpunkte bilden Kammermusikwerke und die großen Symphonien.  Zusätzlich sind ausgewählte Werke, vor allem solche wo seit Erscheinen der Neuen Mozart-Ausgabe neue Quellen bekannt geworden sind, in Vorbereitung.

Die Stiftung Mozarteum setzt sich als privater gemeinnütziger Verein seit mehr als 175 Jahren mit  der Person und dem Werk Wolfgang Amadé Mozarts auseinander. Mit Initiativen in den drei Kernbereichen Konzertveranstaltung, Mozart-Museen und Wissenschaft schlägt sie die Brücke zwischen Bewahrung der Tradition und zeitgenössischer Kultur. Eine enge Zusammenarbeit besteht seit mehr als 20 Jahren mit dem Packard Humanities Institute in Los Altos/Kalifornien, das die wissenschaftlichen Projekte der Stiftung fördert. Bereits 2005 konnte mit der NMA Online der gesamte Notentext der Neuen Mozart-Ausgabe als erste aktuelle Musiker-Gesamtausgabe ins Internet gestellt werden. DIME, die neue Digital-Interaktive Mozart-Edition, basiert auf dem autoritativen Notentext der Neuen Mozart- Ausgabe, die beim Bärenreiter-Verlag Kassel im Druck erschienen ist. Diese wissenschaftliche Notenedition wurde in der Stiftung Mozarteum erarbeitet und vom Packard Humanities Institute in ein flexibles digitales Format überführt. ­­­­

Quelle: http://www.mozarteum.at

 
 

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