Gerade sind die schlechten Nachrichten aus Bayern bezüglich der Kürzung des Musikunterrichts verdaut, da naht das nächste Unheil, diesmal im eigenen Bundesland Thüringen. Dort soll im Entwurf der neuen Schulordnung der Unterricht im Fach Musik beispielsweise am Gymnasium um zwei Stunden gekürzt werden. Dass die Neueinführung eines sinnvollen Schulfaches (MBI – Medienbildung/Informatik) Kürzungen erforderlich macht ist nachvollziehbar, nicht aber, dass im Zuge dieser Umgestaltung die zweite Fremdsprache drei Stunden und Mathematik eine Wochenstunde mehr erhalten. Dies konterkariert das sonst gezeigte Engagement für musikalische Bildung und das Versprechen des Ministers zur Förderung des Musikunterrichts im Freistaat Thüringen im vergangenen Jahr in einer Zusammenkunft mit dem Landesmusikrat, dem ThILLM, der Hochschule für Musik, der Universität Erfurt, der Landesmusikakademie und dem BMU Thüringen.

In einer Welt, in der Künstliche Intelligenz (KI) menschliche Aufgaben immer besser und effizienter übernimmt, gewinnen Werte und Fähigkeiten, die über reines Wissen hinausgehen, an Bedeutung. Die Kürzung verkennt diese Entwicklung sowie wissenschaftliche Tatsachen, nämlich dass verstärkter Musikunterricht positive Auswirkungen gerade auf die kognitiven Fächer hat. Hierzu Prof. Harald Lesch: „Die wichtigen Fächer in der Schule sind Kunst, Sport und Musik. Da wird Kreativität, da wird die Lust am sich Austoben stimuliert und genau diese Lust braucht man auch bei den MINT-Fächern. Es hat überhaupt keinen Sinn, die Schulausbildung so überzuakademisieren, weil wir mit jungen Menschen zu tun haben, die sich entwickeln.“

Musik, Kunst und Darstellendes Spiel fördern grundlegende Fähigkeiten, von denen die MINT-Fächer, aber auch die soziale Gemeinschaft in der Schule profitieren. Dazu gehören Durchhaltevermögen und Konzentrationsfähigkeit, Kreativität und Teamarbeit. Und gerade Musikunterricht fördert die Demokratisierung der Gesellschaft, indem Schülerinnen und Schüler lernen, Musik einzuschätzen, kritisch zu bewerten und sich nicht von ihr manipulieren zu lassen. 

Die Schülerzahlen in Thüringer Schulensembles sind in den letzten Jahren massiv zurückgegangen – unter anderem aufgrund von Corona und infolge der Bildungspolitik des Freistaates. Die nun geplanten Kürzungen gefährden die verbliebenen Schulentwicklungsprojekte, die eine musikalisch-instrumentale Bildung für alle ermöglichen sollen, wie Streicher- und Bläserklassen. Die Kürzungen in der Stundentafel ausgerechnet für die Klassen 5 und 6 sind auch aus lernpsychologischer Sicht, im Hinblick auf nachhaltiges Lernen, kulturelle Bildung und (dringend erforderliche) Nachwuchsförderung schwer nachvollziehbar.
 
Wir fordern die Entscheidungsträger auf, die geplanten Kürzungen auf den Prüfstand zu stellen und im Dialog mit den Fachvertreter*innen, -institutionen und -verbänden zu einer Lösung zu kommen, die das Kulturland Thüringen nicht weiter beschädigt. 

Antje Valentin, Generalsekretärin Deutscher Musikrat: „Der Deutsche Musikrat wendet sich entschieden gegen eine Erosion des Faches Musik an Thüringer Schulen. Es ist katastrophal, dass gerade in einer entwicklungspsychologisch so wichtigen Zeit diese Chancen für die Kreativität verringert werden.“

Landesmusikrat Thüringen | Das Präsidium
Bundesverband Musikunterricht, Landesverband Thüringen | Der Vorstand
Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, Institut für Musikpädagogik und Kirchenmusik | Der Direktor
Universität Erfurt | Fachgebiet Musik
Kulturrat Thüringen | Das Präsidium
Deutscher Musikrat | Die Generalsekretärin