Tausende Kulturtalente in ganz Deutschland erhalten kulturelle Traditionen und gestalten das Immaterielle Kulturerbe. Die Deutsche UNESCO-Kommission stellt ausgewählte Kulturtalente vor, im Monat März: den 36-jährigen Bassposaunisten Christoph Schrietter vom Staatstheater Kassel. Gemeinsam mit tausenden weiteren Musikern trägt er zur Entwicklung der weltweit einmaligen Vielfalt der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft bei. Im Interview beschreibt er die Bedeutung von Theatern und Orchestern für unsere Gesellschaft, macht deutlich, wie wichtig frühkindliche kulturelle Bildung ist, und erklärt, was einen guten Orchestersaal ausmacht. 2014 wurde die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft auf Initiative des Deutschen Bühnenvereins und des Deutschen Musikrats in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Für 2018 wird eine Nominierung bei der UNESCO vorbereitet.

Christoph Schrietter sagt: "Deutschland verfügt über eine einzigartige Vielfalt und Dichte der Theater- und Orchesterlandschaft mit ebenso vielfältigen Akteuren. In Kassel wie auch in unzähligen anderen Städten sind Theater und Orchester fest mit der Stadt und der Bevölkerung verbunden, sind lokal und regional identitätsstiftend. Wenn man dieses Phänomen deutschlandweit betrachtet, dann stellt man fest, dass viele Städte, wie sie heute sind, ohne Theater und Orchester nicht vorstellbar wären. Wir sind ein Spiegel des Zeitgeistes und steigern die Lebensqualität der Menschen!“

Deutschland verfügt über die weltweit höchste Theater- und Orchesterdichte. Die Theater- und Orchesterlandschaft wird durch die rund 140 öffentlich getragenen Theater, also durch Stadttheater, Staatstheater und Landesbühnen, rund 220 Privattheater, etwa 130 Opern-, Sinfonie- und Kammerorchester und circa 70 Festspiele, etwa 150 Theater- und Spielstätten ohne festes Ensemble und um die 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus, geprägt. Darüber hinaus gibt es eine hohe Anzahl freier Gruppen sowie Amateurtheater. Auch Institutionen der Aus- und Weiterbildung, von Musikschulen und Jugendkunstschulen bis hin zu den Musikhochschulen und Schauspielschulen, gehören dazu.

Die Vielfalt der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft entwickelte sich aus der kleinstaatlichen Verfasstheit Deutschlands im 17. und 18. Jahrhundert. Zu den in den Fürstentümern und Königreichen entstandenen Theatern und Orchestern kamen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fremdsprachige Schauspielgruppen hinzu, die den Marktplatz und den Hof gleichermaßen bespielten. Das steigende Selbstbewusstsein des Bürgertums äußerte sich im 18. Jahrhundert zunächst im Gedanken des Nationaltheaters. Während des 19. Jahrhunderts etablierten sich dann die von den Bürgern getragenen Stadttheater und Konzertgesellschaften. Das Regietheater entstand Ende des 19. Jahrhunderts und entwickelte das Theater zur Kunstform.

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Formen Immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie sind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu gestaltet.

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Einzelne Elemente aus den nationalen Verzeichnissen der Vertragsstaaten können für eine von drei UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen werden. 429 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt werden derzeit auf diesen Listen geführt, darunter die Genossenschaftsidee und -praxis aus Deutschland, die Rumba aus Kuba, die traditionelle chinesische Medizin und die italienische Geigenbaukunst. Bis heute sind 172 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

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