Angesichts massiver pandemiebedingter Einnahmeausfälle von Kreativschaffenden hat CISAC-Präsident Björn Ulvaeus die Vergütungspraxis durch Streaming-Plattformen kritisiert. „Streaming-Einnahmen, so schnell sie auch wachsen mögen, bieten derzeit einfach keine faire Vergütung, wenn sie auf Millionen von Empfängern verteilt werden“, so Björn Ulvaeus.

Die weltweiten Lizenzeinnahmen für Urheberinnen und Urheber von Musik, audiovisuellen Werken, Kunst, Theater und Literatur sind im Jahr 2020 um 1 Mrd. EUR gesunken. Laut dem jüngsten Global Collections Report, der von der CISAC (Internationaler Dachverband von Urheberrechtsgesellschaften) veröffentlicht wurde, entspricht dies einem Einnahmerückgang um 9,9 Prozent.

Insgesamt beliefen sich die Gesamteinahmen der Urheberinnen und Urheber auf 9,32 Mrd. EUR. Als Hauptursache für den starken Rückgang nennt der Bericht den pandemiebedingten Einbruch bei den Einnahmen aus Live-Auftritten und öffentlichen Aufführungen, die sich nahezu halbiert haben.

Der Rückgang wurde zum Teil durch einen starken Anstieg der digitalen Lizenzgebühren gemildert, der die starke Zunahme des weltweiten Audio- und Video-Streaming-Konsums und die rege Lizenzierungstätigkeit vieler CISAC-Mitgliedsgesellschaften in aller Welt widerspiegelt.

Die wichtigsten Ergebnisse in Zahlen sind:

  • Tantiemen aus Live-Konzerten und öffentlichen Aufführungen sanken um 45 Prozent auf 1,6 Mrd. EUR, wobei die Einnahmen aus Live-Konzerten um schätzungsweise 55 Prozent zurückgingen
  • Einnahmen aus digitaler Musiknutzung stiegen um 16,6 Prozent auf 2,4 Mrd. EUR.

CISAC-Präsident Björn Ulvaeus kommentiert den Bericht in seiner Einleitung: „Urheber arbeiten heute in einem ungerechten Ökosystem. Wenn wir akzeptieren, dass der Song - oder das kreative Werk eines beliebigen Repertoires - die Grundlage unserer Kreativwirtschaft ist, warum akzeptieren wir dann die weitgehende Unsichtbarkeit des Urhebers in der kommerziellen Wertschöpfungskette? Die COVID-19-Pandemie hat zwei Dinge deutlich gemacht: Erstens, dass Streaming sich schnell zur wichtigsten Einnahmequelle der Urheber in der Zukunft entwickeln wird. Und zweitens, dass die Streaming-Einnahmen, so schnell sie auch wachsen mögen, derzeit einfach keine faire Vergütung bieten, wenn sie auf Millionen von einzelnen Empfängern verteilt werden.“

Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA, sagt: „Die Corona-Pandemie hat weltweit tiefe Spuren in den Bilanzen der Autorengesellschaften hinterlassen. Zugleich hat sie den Übergang zu digitalen Nutzungen weiter beschleunigt. Diese können die Ausfälle in anderen Bereichen jedoch in keiner Weise kompensieren. Vor allem im immer wichtiger werdenden Streaming-Markt fehlt es an Fairness und Transparenz, aber auch an der Sichtbarkeit von Urheberinnen und Urhebern. Das Streaming der Zukunft muss besser auf die Bedürfnisse der Kreativen zugeschnitten sein und ihnen ein wirtschaftliches Auskommen ermöglichen. Dafür setzen wir uns als GEMA ein.“

GEMA Fallstudie hebt Solidarität mit Mitgliedern hervor

Der CISAC-Report beinhaltet auch Fallstudien, die die strategischen Reaktionen auf die Pandemie in Ländern wie Brasilien, Deutschland, Frankreich, Korea, Kroatien, Mexiko, Senegal, dem Vereinigten Königreich, den USA und Vietnam beleuchten. Im Fall der GEMA sanken die Einnahmen um 10,3 Prozent auf 958,8 Millionen Euro. Der GEMA gelang es dabei, den starken Rückgang der Aufführungserträge durch stabile Einnahmen aus Online-Musik, Radio und Fernsehen abzufedern. Außerdem sicherte sie sich eine Einmalzahlung für Privatkopien und senkte die Verwaltungskosten um 7 Prozent gegenüber 2019. Mit Hilfsmaßnahmen in Höhe von gesamt 40 Mio. Euro gelang es der GEMA zudem, die Folgen für ihre Mitglieder abzufedern. Zu den Maßnahmen zählten unter anderem Vorauszahlungen an bedürftige Mitglieder im Rahmen des Programms „Schutzschirm live“ und einem mit 5 Mio. Euro ausgestatteten „Corona-Hilfsfond“.

Weitere wichtige Daten zur Musikindustrie:

  • Musiksektor am härtesten betroffen. Die weltweiten Einnahmen aus Musik waren mit 10,7 Prozent überdurchschnittlich stark vom Rückgang der Urheber-Tantiemen betroffen. Sie sanken um fast 1 Mrd. EUR auf 8,12 Mrd. EUR und damit unter das Niveau von 2017.
  • Pandemiebedingte Ausfälle in Europa am höchsten. Mit Einnahmen in Höhe von 3,96 Mrd. EUR verzeichneten Europas Musikrechteverwerter 2020 einen Rückgang um 16,9 Prozent. Damit erwirtschafteten sie aber immer noch 48,8 Prozent des weltweiten Gesamtwerts. Ursache des überdurchschnittlich starken Rückgangs ist der hohe Anteil von Live- und öffentlichen Aufführungen.
  • Härtere Verbote bringen größere Verluste mit sich. Die Verluste spiegeln das Ausmaß der pandemiebedingten Einschränkungen und Aufführungsverbote wider. Kanada (-70,3%), das Vereinigte Königreich (-61,8%) und Italien (-60,8%) verzeichneten die größten Einbußen bei den Einnahmen aus Live-Übertragungen und öffentlichen Aufführungen.
  • Steigender Streaming-Konsum und verstärkte digitale Lizenzierung sorgen für Wachstum. Die Einnahmen aus digitaler Musik stiegen 2020 um 16,2 Prozent auf 2,4 Mrd. EUR. Die digitale Musik überholte damit zum ersten Mal die Live- und Hintergrundmusik und wurde zur zweitgrößten Einnahmequelle. In vielen Märkten, vor allem in Asien, ist der digitale Bereich bereits die wichtigste Einnahmequelle.
  • Radio und Fernsehen erweisen sich 2020 als widerstandsfähig. Der Rundfunksektor bleibt mit einem moderaten Rückgang um 4,4 Prozent auf 3,2 Mrd. EUR weltweit die größte Einnahmequelle für Musikurheber. Dazu beigetragen haben die robuste Konjunktur, der begrenzte Rückgang bei der Fernsehwerbung und die hohen Abonnentenzahlen beim Kabelfernsehen. Der Anteil des Rundfunks am Gesamtaufkommen stieg auf 39,7 Prozent, gegenüber 37,1 Prozent im Vorjahr.
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